Cyberkriminalität

Betriebsversammlungen bei FACC nach Cyberangriff

Nach einem Cyberangriff mit Millionenschaden hält der oberösterreichische Hersteller FACC zur Stunde in allen vier Werken Betriebsversammlungen ab. Es seien aber weder Produktion noch Daten der Zulieferer angegriffen worden, so der Konzern.

Nach dem spektakulären Angriff auf den oberösterreichischen Luftfahrtzulieferer FACC über digitale Netze finden zur Stunde in allen vier Werken in Oberösterreich Betriebsversammlungen statt. Den Schaden nach dem Angriff beziffert der Hersteller mit voraussichtlich bis zu 50 Millionen Euro. FACC will darauf mit einem Sparprogramm reagieren, wie Vorstandschef Walter Stephan ankündigt.

Die liquide Situation der FACC sei mit dem Angriff sicherlich belastet, doch im Fortbestand sei der Hersteller "nicht gefährdet" und müsse auch nicht Kapitalhilfen von seinen Eigentümern beziehen. Auch bestehende Arbeitsplätze seien nicht gefährdet, so Stephan gegenüber den "Oberösterreichischen Nachrichten".

Köpferollen "erwartbar", doch Arbeitsplätze nicht gefährdet

Doch der operative und strategische Spielraum der FACC sei eingeschränkt, so der Konzernchef weiter: "Wir werden sicher ein globales Sparprogramm fahren müssen. Es darf aber nicht zu Lasten bestehender Aufträge und des operativen Wachstumskurses gehen. Investitionsvorhaben müssen wir unter den neuen Vorzeichen genau prüfen und gegebenenfalls zurückstellen. Man muss sich überlegen, wie man den Wachstumskurs aufgrund des Finanzloches jetzt finanziert."

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Bei FACC habe man "nicht sofort das ganze Ausmaß erkannt", so Stephan gegenüber der Zeitung. Als der Schaden abzuschätzen gewesen sei, habe man die Kriminalpolizei eingeschaltet, eine Pflichtmitteilung veröffentlicht und "unseren Aufsichtsratsvorsitzenden um fünf Uhr früh in China aufgeweckt". Das Unternehmen befindet sich bekanntlich mehrheitlich in chinesischer Hand.

Auf die Frage, ob es nun ein Köpferollen im Unternehmen geben werde, verwies der Firmenchef auf laufende Ermittlungen, fügte jedoch hinzu: "Erwartbar wäre es." Doch Stephan betont im Hinblick auf die Schäden des Cyberangriffs und die zu erwartenden Auswirkungen auf die Produktion zugleich auch: "Kein Arbeitsplatz ist aufgrund der jüngsten Umstände gefährdet".

Sprecher: Ziel des Angriffs war der Finanzbereich

Bereits zuvor betonte der bei FACC für den Bereich Investor Relations zuständige Manuel Taverne, man habe rasch einschränken können, dass die cyberkriminellen Aktivitäten von außen gekommen seien. Das Ziel sei der Finanzbereich gewesen.

Schäden im Produktionsbereich oder der IT-Infrastruktur seien ausgeschlossen worden, so Taverne weiter. Kundendaten und die Produktion seien nicht angegriffen worden. Es habe keinen Stillstand gegeben. (red/apa)