Standort Wien

Betriebsversammlung bei Lauda: Gewerkschaft kämpft für einheitlichen KV

Die Gewerkschaft Vida will einen Branchen-KV auch für Beschäftigte der Luftfahrt - die Wirtschaftskammer dagegen verweist auf die Gefahr von Abwanderungen. Zeitgleich zu den Betriebsversammlungen bei der Wiener Airline Lauda appelliert Vida-Vorsitzender Hebenstreit an den WKÖ-Präsidenten Mahrer.

Die Mitarbeiter der Ryanair-Tochter Lauda setzen ihre Betriebsversammlungen fort. Der Konflikt zwischen Management und Betriebsrat hat auch die Diskussion um einen Branchen-KV in der Luftfahrt wieder angeheizt. Vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit hat Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer einen Brief geschrieben, in dem er einen solchen fordert.

Die in Wien ansässigen Airlines lieferten sich einen "erbitterten Preiskampf auf Kosten der Bordbelegschaften", so Hebenstreit laut einer Aussendung. Ryanair verlangt von den Beschäftigten der Österreich-Tochter Laudamotion bis 14. August Zugeständnisse, um den Flugbetrieb profitabler zu machen.

Andernfalls wurde damit gedroht, Piloten zu kündigen, billigere polnische Leihpiloten einzusetzen sowie ab Herbst eigene Ryanair-Flugzeuge in Wien zu stationieren. "Das Unternehmen droht unverhohlen damit, MitarbeiterInnen zu kündigen, wenn nicht seitens des Betriebsrates eindeutig gesetzeswidrige Forderungen des Managements akzeptiert werden", kritisierte der Vida-Vorsitzende.

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Gewerkschaft widerspricht auch der WKÖ

Die Wirtschaftskammer befürchtet, dass ein einheitlichen Kollektivvertrag ausländische Airlines zur Abwanderung aus Österreich veranlasst. Hebenstreit sieht das nicht so: "Es gibt auch andere Branchen im Verkehrsbereich, wie den Speditionsbereich oder Eisenbahnsektor, der grenzüberschreitend tätig ist, und trotzdem gibt es Kollektivverträge", sagte der Gewerkschafter gegenüber dem Radiosender Ö1 des ORF.

In dem Brief an Kammer-Chef Mahrer kündigt Hebenstreit auch an, als ersten Schritt für einen Branchen-Vertrag, den AUA-Kollektivvertrag satzen, also aufwerten, zu lassen. "Wir werden noch im Laufe dieser Woche den Antrag auf Satzung einbringen. Das Ziel ist es, hier einen ersten Schritt zu setzen in Richtung einheitliche, faire Branchenregelung. Die Auswirkungen einer solchen Satzung wären, dass jene Unternehmen, jene Airlines, die keine firmeninternen Kollektivverträge haben, diesen Kollektivvertrag, diesen gesatzten Kollektivvertrag, dann anwenden müssen", sagte Hebenstreit.

Ryanair will den österreichischen KV weg haben

Betroffen wären etwa Level und Wizz Air. Bei Lauda gibt es einen Firmen-Kollektivvertrag. Die Geschäftsführung verlangt nun aber Änderungen. Der Flugverkehr soll durch die Proteste nicht beeinträchtigt werden.

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Ryanair hat deutschen Piloten immer noch keinen Tarifvertrag gegeben

Die in Deutschland stationierten Piloten des Billigfliegers Ryanair warten immer noch auf einen Tarifvertrag. Auch mehr als neun Monate nach der grundsätzlichen Einigung auf Eckpunkte gebe es noch keinen Abschluss, sagte der Sprecher der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Janis Schmitt, der Deutschen Presse-Agentur. Es werde aber intensiv verhandelt.

Zur Debatte steht auch eine Übernahme der deutschen Standorte durch die Ryanair-Tochter Malta Air. Knackpunkt sei weiterhin das Steuerrecht, meinte Schmitt. Bisher müssen die Ryanair-Piloten ihre Sozialabgaben zwar in Deutschland, ihre Einkommensteuer aber weiterhin in Irland entrichten, weil sie bei einem irischen Flugbetrieb angestellt sind. In Irland fallen der VC zufolge höhere Steuern an als in Deutschland, sodass die nach den Eckpunkten erfolgten Gehaltserhöhungen nicht zu den erhofften Netto-Zuwächsen geführt hätten. Ryanair habe sich geweigert, die Differenz zu erstatten.

Neun Monate nach Grundsatzeinigung

Die VC verlangt die Errichtung eines Flugbetriebs (AOC) mit deutscher Lizenz, während Ryanair erwägt, die an deutschen Flughäfen basierten Jets von der Tochter Malta Air betreiben zu lassen. Das Personal könne auch in dieser Konstruktion die Abgaben dann wie gewünscht an den Einsatzorten zahlen.

Schmitt bedauerte den Abgang des Ryanair-Organisationschefs Peter Bellew, der in gleicher Funktion zum Konkurrenten Easyjet wechseln will. Er sei für einen konstruktiven Verhandlungsstil der einst strikt anti-gewerkschaftlichen Airline gestanden. Jüngste Äußerungen des Vorstandschefs Michael O'Leary zum angeblichen Pilotenüberschuss bezeichnete der VC-Sprecher als überzogen.

Die VC und Ryanair hatten nach mehreren Streikwellen im Dezember 2018 ein Eckpunktepapier mit deutlichen Gehaltssteigerungen für die rund 400 in Deutschland stationierten Piloten vereinbart. Gehaltstarif und Manteltarif sollen bis März 2023 gelten. (apa/dpa/red)