Unternehmensnachfolge

Gedankenaustausch mit den Familienvertretern

Betriebsübergaben sind ein heikler Moment. Übermächtige Gründerväter rauben der Jugend die Luft zum Atmen und nehmen dem Nachwuchs die Lust auf operativen Einsatz. Wie Nachfolgeszenarien trotzdem glücken. Von Piotr Dobrowolski

Oft ist in der dritten Generation auch die Zeit gekommen, um das Unternehmen neu zu strukturieren, was nicht immer ohne Einsatz von Fremdkapital geht. So hat der ursprünglich in Familienhand stehende Lichtspezialist Zumtobel 2000 den Private-Equity-Fonds KKR an Bord geholt, um die Übernahme der Thorn Lighting Group finanzieren zu können. Die Familie behielt aber zunächst noch die Anteilsmehrheit.

Im Zuge einer Kapitalaufstockung fiel ihr Anteil dann auf rund 35 Prozent. Für CEO Harald Sommerer, der das Unternehmen seit 2010 leitet, ergibt sich dadurch eine spezifische Situation: „Wir sind als Vorstand natürlich allen Aktionären gleichermaßen verpflichtet. Es ist aber auch eine besondere Situation, wenn die Gründerfamilie noch einen großen Anteil am Unternehmen hält. Ich persönlich schätze den Austausch mit den Familienvertretern sehr, insbesondere deshalb, weil sie ein sehr weitreichendes Wissen über den Lichtmarkt und die Beleuchtungstechnik haben.“

Während bei Zumtobel die Weichen für die Zukunft gestellt sind, ist der inzwischen 55-jährige Michael Doppelmayr gerade dabei, sie zu stellen. In die Doppelmayr Seilbahnen GmbH, die für das Tagesgeschäft zuständig ist, wurden unlängst zwei neue Geschäftsführer geholt, die als Nachfolger aufgebaut werden sollen. Doppelmayr und Altvorstand Hanno Ulmer wollen sich dann innerhalb der Doppelmayr Holding verstärkt strategischen Aufgaben widmen.

Doch obwohl der schon leicht angegraute Junior Michael bereits an seiner eigenen Nachfolge werkt, kann der 90-jährige Senior immer noch nicht von den Fehden der Vergangenheit lassen. Einige Gerichtsverfahren zwischen den beiden sind nach wie vor offen. Auf Nachfragen zum Thema reagiert Unternehmenssprecher Ekkehard Assmann inzwischen allerdings mit fast schon gelangweilter Gelassenheit: „Das sind Familienangelegenheiten, wir kommentieren das nicht, zumal es auch keinerlei Einfluss auf die Tätigkeit des Unternehmens hat.“

Verwandte tecfindr-Einträge