Unternehmensnachfolge

... oder entspannte Herangehensweise

Betriebsübergaben sind ein heikler Moment. Übermächtige Gründerväter rauben der Jugend die Luft zum Atmen und nehmen dem Nachwuchs die Lust auf operativen Einsatz. Wie Nachfolgeszenarien trotzdem glücken. Von Piotr Dobrowolski

Die Veranstaltung fand allerdings exakt einmal statt: „Ich bin mir da wie ein Alien vorgekommen. Zum Glück hat das mein Vater gemerkt und die Sache gestoppt. Er hat dann aber immer versucht, mein Interesse an der Firma wachzuhalten, in dem er mich bei Teilprojekten mitarbeiten ließ, um meine Meinung fragte, mich mitnahm.“ Dennoch war es für Annette Klinger lange Zeit nicht eindeutig, ob sie in das Familienunternehmen wirklich einsteigen wird oder nicht.

Umso mehr ist sie überzeugt, dass Übergaben nur mit wirklich langfristiger Planung klappen können: „Man sollte sich ganz genau überlegen, wann man Kinder bekommt. Oder noch genauer: Überlegen, wann man in Pension gehen will, und danach die Geburt der Kinder planen.“

Anders als Annette Klinger hat Georg Knill für sich nie ernsthaft eine andere Möglichkeit in Erwägung gezogen, als in den Betrieb des Vaters einzusteigen. Was er nicht zuletzt auf die Vorbildwirkung zurückführt. Schließlich sei er quasi in der Firma aufgewachsen: „Ich habe meine Hausübungen sehr oft bei ihm im Büro gemacht. Und ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie er mich mit zehn das erste Mal auf eine Geschäftsreise mitgenommen hat, nach Barcelona. Das hat mich schon sehr beeindruckt: im Hotel übernachten, englisch sprechen, Verhandlungen.“ Auf die Art habe er auch recht früh den Eindruck bekommen, was ein Firmenchef eigentlich macht. „Denn es gab bei uns zuhause schon den Witz, dass die Arbeit von meinem Vater darin besteht, am Tisch zu sitzen und Zeitung zu lesen.“ Inzwischen, selbst Vater zweier Töchter, agiert er so, wie er es von seinem Vater mitbekommen hat: Die Siebenjährige war heuer das erste Mal in London mit.
 
Gelassene Zukunftsplanung
 
Weil er es von seinem Vater so mitbekommen hat, sorgt sich Christian Kovac hingegen nicht allzu sehr darum, ob seine Kinder eines Tages das Familienunternehmen, die in der Stahlkomponentenfertigung und Immobilien tätige Grazer Kovac-Group, übernehmen werden. Weil er selbst erst nach rund zehnjähriger Tätigkeit als Rechtsanwalt in das Unternehmen des Vaters eingestiegen ist – so spontan übrigens, dass es zunächst für ihn nicht einmal einen Schreibtisch gab –, sieht er die Nachfolgefrage recht entspannt. „Ich weiß, das entspricht jetzt nicht unbedingt der Lehrbuch-Meinung, aber am Ende kommt es auf die handelnden Personen an. Wenn Vater und Sohn miteinander nicht können, dann kannst du planen, so viel du willst – es wird nicht funktionieren.“

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