Unternehmensnachfolge

"Irgendwann kamen wir auch ohne seine Hilfe zurecht"

Betriebsübergaben sind ein heikler Moment. Übermächtige Gründerväter rauben der Jugend die Luft zum Atmen und nehmen dem Nachwuchs die Lust auf operativen Einsatz. Wie Nachfolgeszenarien trotzdem glücken. Von Piotr Dobrowolski

Je jünger der Übergeber ist, desto leichter gelingt es ihm in der Regel auch, einen klaren Schnitt zu machen und nicht bloß pro forma zu übergeben. Annette Klinger, heute Internorm-Chefin, kann sich noch sehr genau an den Tag erinnern, an dem sie das Vorstandsmandat von ihrem Vater übernommen hat: „Mein Onkel und mein Vater haben mir die Schlüssel der Firma gegeben und sind von da an nur noch auf Einladung gekommen.“ Annette Klingers Vater war zu diesem Zeitpunkt 57. Vier Jahre früher hat er die Tochter vor eine ziemlich harte Entscheidung gestellt: „Ich bin jetzt 53, in vier Jahren will ich in Pension gehen. Wenn du noch etwas von mir lernen willst, musst du jetzt kommen.“

Auch Gunther Knill hat vor dem Erreichen des regulären Pensionsalters übergeben, nicht ganz geplant. Ursprünglich wollte der Chef der Knill-Gruppe, die damals einen Umsatz von 90 Millionen Euro bei rund 800 Mitarbeitern machte, bis 65 bleiben. Um die Übergabe gut vorzubereiten, ließ er allerdings schon früh seine beiden Söhne Christian und Georg in unterschiedlichen Teilbereichen des Unternehmens werken. „Wir berichteten an den Vater und irgendwann hat er wohl gemerkt, dass wir ganz gut auch ohne seine Hilfe zurechtkommen“, erinnert sich Georg Knill.

Knill senior reagierte auf die frühe geschäftliche Reife seiner Söhne ganz und gar nicht beleidigt: Er verlegte seine Pension nach vor. Dem Unternehmen schadete es nicht. Die Knill-Gruppe macht heute 250 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 1600 Mitarbeiter.
 
Avocados statt Aufsichtsrat
 
„Dass der Vater sich so leicht damit tat, zurückzutreten, liegt auch daran, dass er immer Interessen neben dem Betrieb hatte“, sagt Georg Knill. Frei nach dem Motto „einmal Unternehmer, immer Unternehmer“ widmete sich Knill senior daher in der Folge unter anderem der Kreation von Parfums, einer Avocadoplantage in Spanien und übte sich in der hohen Kunst des Brotbackens. Anfangs stand er den Söhnen auch noch im Rahmen eines informellen, mit keinerlei Befugnissen ausgestatteten Familienbeirats als Berater zur Verfügung.

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