Unternehmensnachfolge

Betriebsübergabe: Im Schatten des Alten

Betriebsübergaben sind ein heikler Moment. Übermächtige Gründerväter rauben der Jugend die Luft zum Atmen und nehmen dem Nachwuchs die Lust auf operativen Einsatz. Wie Nachfolgeszenarien trotzdem glücken. Von Piotr Dobrowolski

Manche Übergaben enden vorm Gericht. Manche sogar vor dem Obersten Gerichtshof. Bis dorthin hat Artur Doppelmayr, inzwischen beachtliche 90 Jahre alt, die Entscheidung seines Sohnes bekämpft, das Familienunternehmen Doppelmayr mit der Schweizer Graventa Group zu fusionieren. Um den Rauswurf des Seniors aus dem Aufsichtsrat ging es vor dem Obersten Gerichtshof ebenso wie um die Entlastung des zum Vorstand aufgestiegenen Juniors, der der alte Herr partout nicht zustimmen wollte.

Das Zerwürfnis war absolut klassisch: Während Sohn Michael 2002 mit der neuen Partnerschaft das Unternehmen für die Zukunft absichern wollte, sah der greise Senior durch so viel Änderung sein gesamtes Lebenswerk gefährdet und lief dagegen Sturm: „Ein österreichisches Familienunternehmen, immer zu 100 Prozent in Familienbesitz, soll plötzlich nicht mehr sein, was es immer gewesen war“, beklagt er sein Schicksal.
Auf einmal soll nichts mehr sein, wie es immer war.

Kein seltener Fall, wenn in Familienunternehmen die nächste Generation ans Ruder kommt. Und vor allem dann ein Problem, wenn ein allmächtiger Patriarch an seine Kinder übergibt. „Sehr oft können die Pioniere nicht loslassen“, sagt Rainer Buchner, Wirtschaftspsychologe und als solcher bereits bei unzähligen Betriebsübergaben dabei. Einerseits, sagt er, wollen die Patriarchen, dass die Kinder ihr Lebenswerk fortsetzen, andererseits sollen die Kinder aber bei jeder Entscheidung, den Senior fragen.
 
Zurück aufs Schlachtfeld
 
Im schlimmsten Fall, sagt Buchner, entwickelt der Übergeber dann das Syndrom des Generals: „Ein solcher General wartet nur darauf, dass im Unternehmen etwas schiefläuft und er dann in die Schlacht zurückgeholt wird, um das Vaterland zu retten.“ Das beste Gegenmittel sei, rechtzeitig zu übergeben, sagt Buchner.

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