Luftfahrt

Betriebsrat von Air Berlin: "Alle Mitarbeiter werden gekündigt"

Für die Beschäftigten der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin wird die Lage immer ernster. Der Betriebsrat richtet in einem internen Papier dramatische Worte an die Mitarbeiter.

Für die Beschäftigten der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin wird die Lage immer ernster: Der Betriebsrat stellt sich auf massenhafte Entlassungen ein. Das geht aus einer Mitarbeiterinformation des Betriebsrats Nord hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. In dem internen Papier heißt es: "Alle Mitarbeiter werden gekündigt!!!"

Auswirkungen auf FlyNiki unklar

Ziel sei es, die nötigen Verhandlungen noch im Oktober "final abzuschließen". Der Sprecher der Airline, Ralf Kunkel, wollte sich dazu nicht äußern. Inwieweit diese Aussage auf die österreichische Fluggesellschaft FlyNiki zutrifft, ist unklar.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte dies scharf: "Wir sind entsetzt und erwarten, dass Air Berlin zügig Stellung nimmt zu den Kündigungsvorwürfen. Man spielt nicht mit dem Schicksal von tausenden Beschäftigten!", sagte Christine Behle, Mitglied des Verdi-Bundesvorstandes.

Betriebsrat Nord vertritt Mitarbeiter in Berlin

Der Betriebsrat Nord vertritt unter anderem die Mitarbeiter der Verwaltung am Standort Berlin. Nach Angaben von Gewerkschaften sind das in der Hauptstadt etwa 1.000 Mitarbeiter. Die "Bild"-Zeitung berichtete auf ihrer Internetseite, dass den Beschäftigten, die noch für den Flugbetrieb gebraucht würden, zum 28. Februar nächsten Jahres gekündigt werden solle.

Betriebsrat: Abwicklung der Mitarbeiter "im Schweinsgalopp"

Die bisher zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft mit mehr als 8.000 Beschäftigten hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Vorerst geht der Flugbetrieb weiter, weil der Bund mit einem Kredit einsprang.

Der Betriebsrat empfiehlt in seinem Schreiben: "Alle Kollegen sollten zur Jobbörse gehen und/oder sich bei den entsprechenden Suchmaschinen (...) anmelden." Die Abwicklung von Air Berlin und der Arbeitsplätze werde "im Schweinsgalopp" umgesetzt. Zuvor sollen sich die Fronten zwischen der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat verhärtet haben.

Konzernchef macht Mitarbeitern Hoffnung

Nach dpa-Informationen will Air Berlin diese Woche Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern führen.

Air Berlins Generalbevollmächtigter Frank Kebekus und Vorstandschef Thomas Winkelmann verhandeln mit der Lufthansa und mit Easyjet über den Verkauf, das Geschäft soll bis zum kommenden Donnerstag (12. Oktober) unter Dach und Fach gebracht werden. Die Lufthansa will insgesamt 93 der noch 134 Flugzeuge übernehmen, Easyjet 27 bis 30.

Zuletzt hatten Kebekus und Vorstandschef Winkelmann den Beschäftigten noch Hoffnung gemacht: Es gebe gute Kaufinteressenten für die Fluggesellschaft und sie könnten 80 Prozent der beschäftigten übernehmen.

Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass die Angebotsfrist für die Techniksparte der insolventen Fluggesellschaft zum zweiten Mal verlängert wurde. Angebote sind nun noch bis zur übernächsten Woche möglich, wie ein Sprecher sagte. Ursprünglich sollte die Frist Mitte September enden, dann am vergangenen Freitag.

Probleme mit Easyjet

Die Verhandlungen zwischen der insolventen Fluglinie Air Berlin und dem britischen Konkurrenten Easyjet über den Kauf von bis zu 30 Flugzeugen drohen nach einem Zeitungsbericht zu scheitern. Die Tageszeitung "B.Z." berichtet unter Berufung auf Air-Berlin-Kreise, die Briten hätten ihr ursprüngliches Angebot von rund 50 Millionen Euro reduziert. Außerdem gebe es Streit zwischen Easyjet und Lufthansa um Landerechte in Düsseldorf und Berlin.

Gewerkschaft Verdi: Jetzige Situation ist "absurd"

Verdi hatte zudem mitgeteilt, man habe mit Air Berlin und deren Techniksparte einen sogenannten Rahmentarifsozialplan ausgehandelt. Damit seien die Voraussetzungen für eine Auffanglösung für die Beschäftigten geschaffen, so die Gewerkschaft. Die nun eingetretene Situation bezeichnete Gewerkschafterin Christine Behle als "absurd".

Eine Transfergesellschaft sei möglich, sagte Behle dem RBB - "allerdings fehlt das Geld, weil die Erwerber blockieren". Zugleich kritisierte sie, dass Air Berlin nicht bereit gewesen sei, die Frage der Finanzierung einer solchen Gesellschaft mit in die Verhandlungen mit Kaufinteressenten zu nehmen. "Offensichtlich wurden die Verhandlungen durch den Druck der Erwerber an dieser Stelle blockiert. Das ist verantwortungslos."

(red/dpa/reuters/apa)