Stahlindustrie

Betriebsräte von Tata Steel Europe: Scharfe Kritik an Thyssenkrup

Vertreter der Arbeitnehmer in den europäischen Werken des indischen Stahlriesen Tata Steel kritisieren den Kurs von Thyssenkrupp. Vor allem die Zugeständnisse von Thyssen an die Europäische Union sorgen für Unmut.

Die Arbeitnehmervertreter von Tata Steel Europe haben scharfe Kritik an Thyssenkrupp und dem Verlauf des Stahlfusionsverfahrens geäußert. Die gegenüber der EU-Kommission gemachten Zusagen für eine Freigabe der Pläne verstärkten die Besorgnis, dass es sich nicht um eine Partnerschaft unter Gleichen handle, teilte der Europäische Betriebsrat mit.

Der Betriebsrat unterstütze nicht das Zusagenpaket der Konzerne an die Wettbewerbshüter in Brüssel. Er werde das Bündnis nur dann weiter tragen, wenn dies im Interesse der Beschäftigten an allen Standorten sei. Davon sei man derzeit nicht überzeugt. Experten würden nun zu Rate gezogen, um die Zusagen genau einzuschätzen.

Offizieller Sprecher von Tata Steel widerspricht den eigenen Betriebsräten

Thyssenkrupp wollte dies nicht kommentieren. Ein Sprecher der Tata Steel-Gruppe erklärte, die Zusagen würden den Bedenken der EU-Kommission gerecht. Die Vorschläge unterstützten zugleich die industrielle Logik des Joint Ventures und seien im Interesse aller Anteilseigner und der Beschäftigten.

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Thyssenkrupp und Tata wollen den zweitgrößten Stahlkonzern Europas nach ArcelorMittal mit rund 48.000 Beschäftigten schmieden. Die EU-Kommission hatte Bedenken angemeldet, woraufhin die Konzerne den Verkauf von Geschäften angeboten haben. Einem Insider zufolge haben sie unter anderem vorgeschlagen, im Bereich feuerverzinkter Stahl für die Automobilindustrie zwei Anlagen in Spanien und Belgien zu verkaufen. Beim Verpackungsstahl biete Tata die Abgabe zweier Anlagen in Belgien und Großbritannien an. Die EU-Kommission will spätestens im Juni über den Fall entscheiden.

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Der Betriebsrat von Tata kritisierte, dass die Machtverhältnisse im Joint Venture nicht ausgeglichen sein könnten und Tata bei künftigen strategischen Entscheidungen den Kürzeren ziehen könnte. Ursprünglich hatten die Konzerne angekündigt, dass auf beiden Seiten bis zu 2.000 Jobs wegfallen könnten. Sollten die jetzigen Zusagen umgesetzt werden, könnten dies bei Tata sogar mehr sein, während Thyssen womöglich besser wegkommen könnte, kritisierten die Arbeitnehmervertreter von Tata. Sie forderten die Führung von Tata zu raschen Gesprächen auf.

Die Unternehmen treiben seit drei Jahren die Pläne voran, die auch bei den Beschäftigten von Thyssenkrupp anfangs auf große Ablehnung gestoßen waren. Personalvorstand Oliver Burkhard zog sie schließlich mit weitreichenden Beschäftigungs- und Standortgarantien auf seine Seite.

Gleichwohl wollen auch die deutschen Arbeitnehmervertreter und die IG Metall am Ende des Prozesses noch mal das Ergebnis genau unter die Lupe nehmen. Zwar könnten sie im Aufsichtsrat überstimmt werden, dass Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff das Vorhaben gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter durchsetzen würde, gilt aber als unwahrscheinlich. (reuters/apa/red)