Autoindustrie

Betriebsräte: Das "Herz von Opel" ist in Gefahr

Der französische Mutterkonzern PSA prüft einen Verkauf von Teilen des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim - also ausgerechnet jenes Konzernbereichs, in dem jedes neue Auto des deutschen Herstellers entsteht. Entsprechend schmerzhaft ist die Nachricht für das gesamte Unternehmen.

Ein knappes Jahr nach der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern stehen beim deutschen Autobauer Opel wichtige Unternehmensteile zur Disposition. Das Opel-Management schließt Partnerschaften für den Bereich Forschung und Entwicklung mit über 7.500 Mitarbeitern nach einer Mitteilung ausdrücklich nicht aus, laut einem Zeitungsbericht denkt PSA sogar über einen Teilverkauf nach: Opel: Franzosen wollen Teile des Forschungszentrums verkaufen >>

Die Arbeitnehmer reagierten empört: "IG Metall und Gesamtbetriebsrat werden einen solchen Angriff auf das Herz der Marke Opel nicht kampflos hinnehmen", teilte der Gesamtbetriebsrat in Rüsselsheim mit. Die IG Metall mahnte, Opel dürfe nicht "zur verlängerten Werkbank" des neuen Eigners werden.

Der Zwist belastet auch Gespräche über einen Tarifvertrag, mit dem Eckpunkte eines Sanierungsplans für Opel fixiert werden sollen. Für den Donnerstag zitierten die Arbeitnehmervertreter Opel-Chef Michael Lohscheller zu einer Betriebsversammlung. Die deutsche Regierung betonte, Ziel müsse es sein, die Forschung in Deutschland zu erhalten.

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PSA-Chef Tavares lobt deutsche Ingenieurskunst

PSA Peugeot Citroen hatte Opel im vergangenen August von der ehemaligen Konzernmutter GM übernommen. Bereits unter der 88-jährigen Regentschaft des US-Konzerns hatte die chronisch defizitäre Marke mit dem Blitz zahlreiche Sparprogramme durchgemacht. Werke in Bochum und Antwerpen wurden geschlossen, Tausende von Stellen fielen weg. Der auf Rendite setzende PSA-Chef Carlos Tavares hatte auch für Opel einen entschiedenen Kurs angekündigt, aber gleichzeitig vor allem die deutsche Ingenieurskunst gepriesen.

PSA einigte sich dann im vergangenen Mai mit den Arbeitnehmern nach langem Streit auf Eckpunkte für eine Sanierung - die Franzosen wollen Opel bis 2020 profitabel machen. PSA sagte Investitionen zu und der von den Franzosen verlangte Personalabbau soll der Übereinkunft zufolge auf 3.700 Stellen begrenzt werden.

Für alle anderen der insgesamt mehr als 18.000 Beschäftigten in Deutschland wurde ein Kündigungsschutz bis Juli 2023 vereinbart. Opel-Chef Lohscheller zufolge soll ein entsprechender Tarifvertrag noch in dieser Woche besiegelt werden. Das steht jedoch auf der Kippe. Ein Sprecher der IG Metall sagte auf die Frage, ob Zeitplan und Gespräche durch die jüngsten Ereignisse belastet werden: "Dies könnte so eintreten."

Für die Entwicklung bei Opel hatte sich auch die deutsche Regierung stark gemacht: "Wir legen Wert darauf, dass Forschung und Entwicklung in Deutschland weiter stattfinden - und zwar in nennenswertem Umfang", sagte der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) noch im April. Man verfolge die Entwicklung bei Opel sehr genau, sagte nun ein Sprecher seines Ministeriums.

Mitarbeiter kündigen erbitterten Widerstand an

Die Berichte über einen möglichen Teilverkauf der Forschung und Entwicklung riefen die Arbeitnehmer auf den Plan. Im Zuge der Sanierungsgespräche habe das Management Verkaufspläne verneint, teilten sie mit. Gebe es aber tatsächlich seit längerem Verkaufspläne oder sogar Gespräche, seien die Arbeitnehmer getäuscht worden. Lohscheller solle dies bei der Betriebsversammlung aufklären. "Die IG Metall ist von der Meldung über einen möglichen Verkauf des Opel-Entwicklungszentrums oder einzelner seiner Teile völlig überrascht worden", sagte der Bezirksleiter der deutschen Gewerkschaft IG Metall Mitte, Jörg Köhlinger. Lohscheller unterstrich dagegen, das Management habe mit den Arbeitnehmern seit Dezember 2017 erörtert, "dass wir strategische Partnerschaften im Engineering als Option prüfen".

"Unser Engineering ist und bleibt Kern von Opel", sagte Lohscheller weiter. Das Zentrum in Rüsselsheim solle auch zukünftig alle Opel-Modelle entwickeln und die Aufgaben der 15 Kompetenzzentren für die gesamte PSA-Gruppe übernehmen. Zugleich fielen aber Auftragsarbeiten für die frühere Mutter GM weg. Deshalb könne es auch zu "strategischen Partnerschaften" kommen. Die Zeitung "Le Monde" hatte berichtet, PSA könnte vier Bereiche veräußern, die insgesamt mit 500 Mio. Euro bewertet würden. PSA sei wegen der Verkaufspläne bereits an die französischen Firmen Altran, Akka und Segula sowie die deutsche Bertrandt herangetreten. Eine Bertrandt-Sprecherin erklärte, Opel sei bereits sei vielen Jahren Geschäftspartner und Kunde. Darüber hinaus wolle sich der Ingenieurdienstleister nicht äußern.

Marktanteil in Europa bei knapp sechs Prozent

Opel ist auch unter dem neuen Eigner noch nicht so recht in Schwung gekommen. In den ersten vier Monaten lag der Marktanteil von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall nach Daten des Herstellerverbandes ACEA in Europa (EU und EFTA) bei 5,7 (Vorjahreszeitraum: 6,3) Prozent. Das ist etwa die Hälfte dessen, was Volkswagen auf die Waage bringt. Mit VW konnten sich die Rüsselsheimer einst messen. Dabei haben die Franzosen Erfahrung mit Konzernumbauten: Nachdem PSA 2014 selbst noch mit Kapitalspritzen gestützt werden musste, legt das Unternehmen nach einer Rosskur inzwischen Rekordrenditen vor. (reuters/apa/red)

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