Exportwirtschaft

Besuch in Abu Dhabi: Ein verschenkter Lipizzaner - und ein Milliardendeal für OMV

Beim Besuch in Abu Dhabi hat Kanzler Sebastian Kurz einen Lipizzaner an die Tochter des Kronprinzen bin Zayed al-Nahyan verschenkt. Die OMV durfte sich im Gegenzug an zwei Ölfeldern in Abu Dhabi beteiligen - mit einem Volumen von rund 1,24 Milliarden Euro.

Mit einem Lipizzaner als Geschenk war er angereist, mit einem unter Dach und Fach gebrachten OMV-Deal ging es wieder nach Hause. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich mit seinem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zufrieden. Diese seien ein "wichtiger strategischer Partner" in der Golfregion.

Kurz erörterte mit Kronprinz Scheich Mohammed bin Zayed al-Nahyan auch politische und geostrategische Fragen wie den Kampf gegen die jihadistische Terrorgruppe "Islamischer Staat" und lud ihn nach Wien ein. Die VAE seien federführend im Kampf gegen Terrorismus und Radikalismus, lobte der ÖVP-Chef. Es sei wichtig, dass es solche Staaten gebe. "Wir profitieren davon."

Zudem habe ihm der Kronprinz versichert, dass er "unsere Position zur illegalen Migration" unterstütze, kam der Bundeskanzler auch auf ein Dauerbrennerthema der schwarz-blauen Regierung zu sprechen. "Er ist froh, dass es Politiker in Europa gibt, die der Meinung sind, dass man Migration steuern und bei Fehlentwicklungen sogar gegensteuern muss."

Ein Lipizzaner für die Tochter des Kronprinzen

Dem Kronprinzen, der sich bei Zusammentreffen mit der österreichische Delegation meist hinter einer großen verspiegelten Sonnenbrille verbarg, verehrte Kurz einen Lipizzaner aus der Spanischen Hofreitschule als Geschenk. Vorerst bloß in Form eines Fotos und einer Swarovski-Figur. Das richtige Pferd soll in den kommenden Wochen folgen. Der Kronprinz habe sich sehr gefreut, erzählte Kurz. Seine Tochter werde in Tränen ausbrechen, wenn sie davon höre, habe ihm der Prinz versichert. Nachsatz von Kurz: "Vor Freude."

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ebenfalls ÖVP) freute sich, dass 230 Unternehmen aus Österreich in den VAE "erfolgreich tätig" seien und diese auch als Brückenkopf zu anderen Ländern in der Golfregion nützen würden. Die Investitionen Österreichs in den VAE seien zuletzt um 23 Prozent gestiegen. Jetzt gelte es, gemeinsam vermehrt in den Bereichen Forschung und Entwicklung zusammenzuarbeiten und dies in der Industrie umzusetzen.

Eckdaten zu Österreichs Firmen in VAE

Zwar gingen nur rund zwei Prozent von Österreichs Exporten in die Golfregion, das sei aber mehr als beispielsweise nach Lateinamerika, stellte Richard Bandera, Handelsdelegierter der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), fest. Botschafter Andreas Liebmann fasste die Lage in den VAE zusammen: "Das Interesse an Österreich ist groß."

Die VAE sind der größte Handelspartner für Österreich in der Golfregion. Die Exporte erreichten 2017 eine Höhe von 610 Millionen Euro. Hauptexportprodukte aus Österreich sind Maschinen, Baugewerbe, Nahrungsmittel, Holz und Papier, aber der Vorarlberger Fruchtsaftproduzent Rauch und Red Bull sind in der Region äußerst aktiv. Letzteren macht in dem VAE die hohe Zuckersteuer zu schaffen.

Chancen gibt es in den Vereinigten Arabischen Emiraten für österreichische Firmen auch im Solarenergiebereich, in den die VAE in Zukunft tüchtig investieren wollen. Der Medizintechnik-Konzern Vamed unterzeichnete ebenfalls einen Vertrag, der künftig nachhaltigere Kooperationen ermöglichen soll. Vamed ist in den VAE an drei großen Spitalsprojekten beteiligt.

Wo Österreich zuletzt gut im Geschäft war, bekamen Kurz und Schramböck im Verlauf des Sonntags im neuen Louvre-Museum von Abu Dhabi zu sehen, das im Herbst des Vorjahres seine Tore geöffnet hatte. "In der Kuppel des Louvre ist Waagner-Biro drin", sagte der Handelsdelegierte Bandera. Selbiges gilt auch für manche Gebäude der Formel 1-Strecke von Abu Dhabi.

Milliardendeal der OMV

Der börsennotierte Mineralölkonzern OMV unterzeichnete am Sonntag offiziell einen bereits länger vereinbarten Vertrag zum Erwerb von 20 Prozent an zwei Offshore-Ölfeldern von der Abu Dhabi-Ölgruppe ADNOC. Der Kaufpreis für die Konzession sowie die dazugehörige Infrastruktur beträgt 1,5 Mrd. US-Dollar (1,22 Mrd. Euro).

"Das ist ein Meilenstein, der nicht möglich gewesen wäre, wenn sich die politische Beziehungen nicht so positiv entwickelt hätten", erklärte OMV-Chef Rainer Seele. Dass mit Christian Kern (SPÖ) im Vorjahr und nun mit Kurz binnen kurzer Zeit zwei Bundeskanzler die VAE besucht hätten, sei eine große Hilfe gewesen.

"Jetzt hat der Einstieg in eine laufende Produktion begonnen", so Seele. Zu rechnen sei mit einer "stabilen Produktion von 40.000 Barrel pro Tag". Das sei ein Zehntel, von dem was wir derzeit haben."  Hier alle Eckdaten zum neuen Milliardendeal der OMV in Abu Dhabi >>

Die OMV möchte sich auch an der viertgrößten Raffinerie der Welt, die im Besitz Abu Dhabis ist, beteiligen. "Das ist auch ein Zeichen, dass die Chemie zwischen den Ländern stimmt. Wir wollen die Infrastruktur ausbauen und den Raffineriesektor erweitern", sagte Seele. "Wir würden hier gerne noch mehr machen." Die VAE seien eine "Insel der Stabilität in der Region." Auch Kurz sprach von einem "Anker der Stabilität".

Hintergrund zu VAE: Am Krieg im Jemen beteiligt

Allerdings sind auch die VAE in erhebliche regionale Konflikte verstrickt. Neben dem Engagement im Jemen-Krieg sind die Emiratis auch federführend in die Katar-Krise involviert. Diese war Anfang Juni 2017 ausgebrochen, als Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten und andere Staaten ihre Beziehungen zu Katar abgebrochen und die Grenzen dicht gemacht hatten.

Diese Staaten beschuldigen Katar, extremistische Organisationen wie die Muslimbruderschaft, die Hamas als deren Ableger, den "Islamischen Staat" (IS) sowie Al Kaida zu unterstützen. Sowohl ideell als auch finanziell. Das Emirat am Persischen Golf mit der Größe Oberösterreichs ist 2022 Gastgeber der Fußball-WM-Endrunde. (APA/red)

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