Chemische Industrie

Berüchtigte Finanzfirma Elliott ist jetzt auch bei Bayer an Bord

Bayer richtet nach der riesigen Übernahme des amerikanischen Agrarchemieriesen Monsanto einen Sonderausschuss für die Probleme mit Glyphosat ein. Zugleich veröffentlicht die aktivistisch auftretende Finanzfirma Elliott des Investors Paul Singer ihre milliardenschwere Beteiligung auch an diesem Industriekonzern.

Der von Glyphosat-Klagen überzogene deutsche Bayer-Konzern geht auf seine Kritiker zu und überdenkt seine Prozessstrategie. Ein eigener Ausschuss im Aufsichtsrat soll sich nun mit der Frage befassen, wie man die Klagewelle in den USA wegen des umstrittenen Unkrautvernichters in den Griff bekommt. Auch ein externer Top-Anwalt wurde angeheuert.

An der Börse nährte das vergangene Woche die Hoffnung, Bayer könne womöglich doch schon bald auf einen milliardenschweren Vergleich einschwenken, um praktisch alle Glyphosat-Klagen auf einmal vom Tisch zu räumen. Die schwer gebeutelten Aktien des deutschen Pharma-und Agrarchemiekonzerns stiegen um bis zu 8,4 Prozent auf 60,70 Euro und steuerten damit auf den größten Tagesgewinn seit gut zehn Jahren zu.

Finanzfirma Elliott entert Bayer

Vor allem der Hedgefonds Elliott hatte den Druck auf die Bayer-Führung zuletzt offenbar erhöht. Der Investor legte seine Beteiligung bei Bayer - rund zwei Prozent - erstmals offen und begrüßte zugleich die eingeleiteten Maßnahmen an der Prozessfront. Einer mit der Sache vertrauten Person zufolge drängt Elliott zunächst nicht auf radikale Veränderungen wie etwa eine Aufspaltung des Konzerns.

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Elliott ist durchaus bekannt für sein harsches Vorgehen gegenüber angezählten Vorständen. Der Hedgefonds des US-Investors Paul Singer hatte zuletzt unter anderem bei Thyssenkrupp, beim Energiekonzern Uniper und beim Anlagenbauer GEA das Management unter Druck gesetzt.

Bei Bayer tritt Elliott im Moment noch recht zahm auf. Dass eine Aufspaltung mittelfristig durchaus eine Option ist, deutete Elliott in seiner Stellungnahme vom Mittwochabend aber schon an. Darin hieß es: Der niedrige Aktienkurs von Bayer spiegle den signifikanten Wert der einzelnen Geschäftseinheiten beziehungsweise die bestehende Wertschaffungsmöglichkeit von mehr als 30 Mrd. Euro nicht wider. Elliott forderte Bayer daher auf, auch "langfristige Wertschöpfungsmaßnahmen" zu prüfen. Ein Bayer-Sprecher sagte dazu: "Das Unternehmen ist sehr gut positioniert, um dauerhaft profitables Wachstum zu schaffen."

"Ein Vergleich an sich wäre gut"

"Ein Vergleich hat vorerst Priorität", betonte der Insider. Danach könne man dann schauen, was noch getan werden müsse, um mehr Wert für die Aktionäre zu heben.

Zuspruch kam auch von der Deka, dem Fondshaus der Sparkassen, das zu den größeren Bayer-Investoren gehört. "Durch die direkte Einschaltung des Aufsichtsrats ist ein neues Eskalationsniveau erreicht, das auch hoch notwendig war", erklärte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka. "Die bisherige Strategie von Bayer führte nicht zum Erfolg, die Unsicherheit war sehr hoch und das Vertrauen des Kapitalmarktes gering."

Analyst Markus Mayer von Baader Helvea erklärte, die angekündigten Maßnahmen könnten eine Indikation für eine schneller als erwartete Lösung in den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten sein. In den USA sieht sich Bayer wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids mit etwa 13.400 Klägern konfrontiert. Seit der 63 Mrd. Dollar (aktuell rund 553 Mrd. Euro) schweren Übernahme des US-Saatgut-Konzerns Monsanto - aus dessen Haus Glyphosat stammt - hat die Bayer-Aktie rund 40 Prozent verloren.

"Ein Vergleich an sich wäre gut", sagte Markus Manns von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, ebenfalls ein Großinvestor bei Bayer. Es dürfe aber keine Einigung um jeden Preis geben. "Was die Höhe einer Einigung angeht, ist Bayer noch in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition, weil man drei Prozesse verloren hat." Ein anderer Top-Investor warnte denn auch vor überstürzten Schritten. "Ein Vergleich jetzt würde sehr teuer werden. Bayer sollte zunächst die Berufungsverfahren abwarten", hieß es von einem der zehn größten Anteilseigner.

Aktionäre verweigern Konzernchef Baumann die Entlastung

Bayer hatte sich auf der Hauptversammlung Ende April eine schwere Schlappe eingefangen: Werner Baumann war als erster amtierender Vorstandschef eines Dax-Konzerns von den Aktionären nicht entlastet worden. "Jetzt hat sich der Aufsichtsrat immerhin zusätzliche Expertise in Form eines Beraters gesichert", sagte Manns. Doch zufrieden ist Union Investment damit noch nicht. Der Aufsichtsrat brauche weiterhin mehr Expertise insbesondere im Bereich Landwirtschaft und Ernährung, bekräftigte er.

Zunächst holt sich Bayer nun den US-Anwalt John Beisner von der Kanzlei Skadden ins Haus, der den Aufsichtsrat zum Rechtskomplex Glyphosat beraten soll. Beisner, der ein Experte für Produkthaftungsklagen ist und etwa für den US-Pharmakonzern Merck & Co beim Skandal um das Schmerzmittel Vioxx arbeitete, soll an den Sitzungen des neuen Aufsichtsratsausschusses teilnehmen. (reuters/apa/red)