Jobabbau

Bene baut über 100 Mitarbeiter ab

Der strudelnde Büromöbelhersteller Bene hat 127 Mitarbeiter hauptsächlich aus dem Verwaltungsbereich beim AMS zur Kündigung angemeldet, an den internationalen Standorten wird der Mitarbeiterstand um 29 Personen reduziert. Der Bene-Chef Rudolf Payer hofft auf ein Okay der Hauptversammlung zum Einstieg der neuen Investoren.

Möbelindustrie Bene Jobs Kündigungen

Bene braucht dringend Geld und steht vor dem Einstieg von Erhard Grossnigg und Martin Bartenstein als neue Investoren. Dies muss allerdings die Hauptversammlung (HV) absegnen, die am 8. Juni tagt, gab das niederösterreichische Unternehmen am Freitag ad hoc bekannt. Die Zustimmung der Streubesitz-Aktionäre gilt als fraglich, zumal ihnen kein großzügiges Angebot winkt. Scheitert der Einstieg der Investoren, wird es für Bene allerdings eng. Unter den Kleinaktionären regt sich gehöriger Widerstand, da ihnen nur acht Cent je Aktie geboten wird. Zuletzt war das Bene-Papier 22 Cent wert. Anlegerschützer Wilhelm Rasinger geht angesichts eines solchen Angebots das "G'impfte auf", wie er kürzlich meinte.

Bene-Chef Rudolf Payer stellte im APA-Gespräch klar: "Ohne den Einstieg eines Investors ist eine nachhaltige Lösung nicht gegeben. Wir brauchen den Investor." Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Kleinanleger ihre Zustimmung geben werden. Für den Deal sind 75 Prozent der Stimmen nötig. "Den Kleinaktionären ist schon bewusst, wo wir stehen. Das Problembewusstsein ist da", so Payer. Außerdem stehe der Kernaktionär, also die Bene-Privatstiftung, die 42,5 Prozent der Anteile hält, hinter dem Konzept. Das stimme ihn zuversichtlich.

"Externe Manager waren der Anfang vom Ende"

Noch-Aufsichtsratspräsident Manfred Bene beurteilt die geplante Übernahme "grundsätzlich positiv", aber es sei schon "eine extrem schwierige Situation", sagte er Anfang April dem Magazin "Format". Dem Unternehmen fehle der Spirit. "Es braucht auch Leute, die in die Schuhnummern passen, die ich hinterlassen habe. Das wird eine Herausforderung für die neuen Eigentümer", so Bene. Der Unternehmer sieht die Bestellung zweier externer Manager vor neun Jahren als Anfang vom Ende. Sie hätten das Unternehmen "innerhalb kurzer Zeit runtergewirtschaftet, und das nicht in guter Absicht. Ich konnte die beiden gerade noch rechtzeitig entfernen, bevor wir in Konkurs gegangen wären", sagte Bene dem Magazin. Die Aktien der Familienstiftung wurden daraufhin verpfändet.

Der Plan von Grossnigg und Bartenstein sieht nun Folgendes vor: Das Finanzierungspaket umfasst einen Kapitalschnitt mit einer Herabsetzung des Grundkapitals auf rund 1,9 Millionen Euro. Im Zuge dessen werden jeweils 25 bestehende Aktien zu zwei Aktien zusammengelegt. Gleichzeitig wollen die Investoren 18 Millionen Euro an frischem Kapital zuführen, die in neuen Aktien ausgegeben werden. So sollen Grossnigg und Bartenstein zusammen auf über 90 Prozent der Aktien kommen. Bis Ende 2015 wird ein Gesellschafterausschluss durchgeführt, im Zuge dessen insgesamt zwei Millionen Euro in bar an die Aktionäre ausbezahlt werden - macht rechnerisch 8 Cent je Aktie Abfindung.

Über Fusion von Bene und Neudoerfler "keine Diskussion"

Erfolgt die Zustimmung der Hauptversammlung, wird mit einem Closing im Juli gerechnet. Der Deal dürfte auch die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen. Zum Firmenimperium von Grossnigg zählt der Büromöbelhersteller Neudoerfler, der sich mit Bene ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Spitze liefert. Eine Fusion von Bene und Neudoerfler stellte Payer heute erneut in Abrede: "Das ist überhaupt keine Diskussion." Synergien beim Einkauf, in der Verwaltung und IT sind aber zu erwarten. Von weiteren Mitarbeiterkürzungen geht Payer nicht aus.

Payer ist im Dezember 2012 bei Bene angetreten, um das Unternehmen wieder auf solide Beine zu stellen. Sein Vertrag läuft mit Jahresende 2015 aus. Im vergangenen Jahr führte er mit zehn potenziellen Investoren Gespräche. Dabei fiel die Entscheidung letztlich auf Bartenstein und Grossnigg. Sie wollen die Marke Bene weiterführen.

Ergebnisseitig steht Bene etwas besser da als im Jahr davor: Der Nettoverlust halbierte sich von 28,6 auf 13,4 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) war zwar mit 9,5 Millionen Euro weiter negativ, im Geschäftsjahr 2013/14 betrug der Verlust aber noch 24,2 Millionen Euro. Das EBITDA machte 1,9 Millionen Euro aus, nach -12,5 Millionen Euro davor. Der Konzernumsatz verringerte sich von 163,1 auf 158,9 Millionen Euro. Die endgültigen Zahlen veröffentlicht Bene am 1. Juli.

Bei der außerordentlichen Hauptversammlung im Juni sollen unter anderem der geplante Kapitalschnitt mit einer Kapitalherabsetzung des Grundkapitals auf rund 1,9 Millionen Euro, die geplante Kapitalerhöhung um 18 Millionen Euro sowie die Neubestellung des Aufsichtsrates auf der Agenda stehen. (apa)