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Beide Vorstände des Brennerbasistunnels offenbar im Streit abberufen

Der Bau des Brennerbasistunnels kostet viele Milliarden - und ist alles andere als unumstritten. Im Vorstand der BBT-Gesellschaft kam es jetzt offenbar zum Streit zwischen dem österreichischen Vorstand Bergmeister und seinem italienischen Kollegen Zurlo.

Im Bild Konrad Bergmeister beim feierlichen Tunnelanschlag beim Baulos H51 diesen Sommer. (Arge Porr, Hinteregger, Condotte und Itinera)

Die beiden Vorstände des Brennerbasistunnels (BBT), Konrad Bergmeister und Raffaele Zurlo, sollen laut dem Nachrichtenportal salto.bz abberufen worden sein. Die Entscheidung des Aufsichtsrats soll bereits am 28. Juni gefallen sein. Grund dafür dürften Streitigkeiten zwischen dem österreichischen und dem italienischen Vorstand sein. Die BBT-Gesellschaft gab vorerst keine Stellungnahme dazu ab.

Italienischer Vorstand blockiert offenbar Projekte auf österreichischer Seite

Die Auseinandersetzung der beiden Vorstände soll sich um Einflussnahme und Finanzierung drehen. Zurlo soll Vorhaben auf der österreichischen Seite des BBT blockiert haben und sich stets auf das unterschiedliche Vergaberecht in Italien berufen haben. In dem Streit sollen auch Interessenkonflikte von Bergmeister bezüglich eines von ihm gegründeten privaten Ingenieurbüros sollen hier eine Rolle spielen.

Offenbar Kostenexplosion beim Baulos der Strabag

Zudem soll es bei den Bauarbeiten im Baulos Tulfes-Pfons in Tirol zu einer Kostenexplosion gekommen sein. Für dieses Baulos ist der österreichische Marktführer Strabag mit seinen italienischen Konsortialpartnern Salini und Impregilo verantwortlich.

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Die Staatsanwaltschaft Bozen hat laut dem Bericht bereits Vorermittlungen dazu aufgenommen. Zurlo soll Anfang Juni einen Brief an die Aufsichtsräte geschrieben haben, in dem er berichtete, dass er bezüglich eben dieser Causa von der Staatsanwaltschaft vernommen wurde.

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Unterschiedliche Vergaberechte als größtes Problem

Bergmeister dagegen wolle laut salto.bz das Ende des dualen Systems der BBT-Gesellschaft durch eine Statutenänderung erreichen, um sich vom italienischen Vergaberecht abzukoppeln. In der Folge soll der Aufsichtsrat Ende Juni die Abberufung der beiden Vorstände abgesegnet und Ende Juli eine Statutenänderung beschlossen haben. Am 14. September soll der Aufsichtsrat bereits zwei neue Vorstände nennen. Dabei sollen wieder ein Österreicher und ein Italiener zum Zug kommen.

Wie die "Tiroler Tageszeitung" in ihrer Online-Ausgabe dagegen berichtet, setze der Aufsichtsrat jedoch noch auf "einvernehmliche Lösungen", eine Abberufung Bergmeisters stehe "nicht zur Diskussion". Es solle versucht werden, im September die Wogen zwischen den beiden wieder zu glätten. Laut "TT" soll Bergmeister schon Anfang Juli zugesagt haben, als Vorstand zurückzutreten, nicht jedoch Zurlo. (apa/red)

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