Zulieferindustrie

Bei FACC stehen Aufträge von fünf Milliarden Euro in den Büchern

Der oberösterreichische Flugzeugzulieferer FACC hat im Augenblick wirklich keinen Grund zur Klage - und will auch künftig von der gerade laufenden Konsolidierung in der Luftfahrtbranche profitieren. Langfristig würden an österreichischen Standorten bis zu 700 neue Mitarbeiter benötigt, so Konzernchef Machtlinger.

Im Bild Konzernchef Machtlinger. Mehr zur Führung des Herstellers: Robert Machtlinger holt drei neue Manager an Bord >>

Der börsennotierte oberösterreichische Flugzeugzulieferer FACC will von der Konsolidierung in der Luftfahrtbranche profitieren und in den nächsten Jahren kräftig wachsen. "Wir wollen konsolidieren und nicht konsolidiert werden", sagte FACC-Vorstandschef Robert Machtlinger in Wien.

Bis zum Jahr 2020 will Machtlinger den FACC-Umsatz von 706 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2016/17 auf 1 Mrd. Euro pushen. Dann visiere man 1,5 Mrd. Euro Umsatz an. Aktuell sucht FACC rund 100 Mitarbeiter, langfristig soll die Mitarbeiterzahl in Österreich um 500 bis 700 Mitarbeiter steigen. Zuletzt lag der Personalstand bei 3.303 Mitarbeitern, nach 3.341 ein Jahr davor.

FACC, Andreas, Perotti, Robert, Machtlinger, Aleš, Stárek, Ales, Starek © FACC / APA Fotoservice

Im Bild v.l.n.r.: Konzernsprecher Andreas Perotti, Konzernchef Robert Machtlinger, Finanzchef Aleš Stárek.

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Gute Auslastung für die nächsten sieben Jahre

FACC sei in den nächsten sieben Jahren "gut ausgelastet", sagte Machtlinger. Der Auftragsbestand beträgt aktuell rund 5,2 Mrd. Dollar (4,4 Mrd. Euro). In jedem modernen Flugzeug - etwa von Airbus, Boeing, Embraer, Bombardier - sind Komponenten von FACC verbaut.

Für die Airbus-A320-"Airspace"-Kabine liefert FACC etwa Komponenten im Wert von 500 Mio. Euro ab Ende 2018. Euro. Der oberösterreichische Flugzeugzulieferer ist Spezialist für Steuerflächen, Verkleidungen, Flügelkomponenten und bietet auch Komponenten für Flugzeug- und Triebwerkshersteller an.

Comac, FACC, C919, Flugzeugindustrie, China © Xu Xun / FACC

Nach dem heuer absolvierten Jungfernflug des ersten chinesischen Mittelstreckenjets C919 wollen die Chinesen jetzt Platzhirsche Airbus und Boeing angreifen - an Bord ist Technologie von FACC: Chinesische Konkurrenz für Boeing und Airbus - mit Komponenten aus Oberösterreich >>

Die Flugzeugbauer erwarten in den kommenden Jahre gute Geschäfte: Bis zum Jahr 2036 soll das globale Passagieraufkommen um jährlich fünf  Prozent wachsen und 41.000 neue Flugzeuge werden benötigt. FACC will vor allem vom Wachstum in den Zukunftsmärkten China und Indien profitieren.

Jedes fünfte heute gebaute Flugzeug werde in China eingesetzt, so der FACC-Chef. Auch bei den Airlines gebe es durch moderate Spritkosten und moderne Flotten steigende Gewinne. Die Insolvenz von Air Berlin und Alitalia sei eine Marktbereinigung.

Durch den Einstieg von Airbus bei Bombardier erwartet sich Machtlinger keinen zunehmenden Preisdruck. Mehr zu dem Deal: Airbus übernimmt bei Bombardier die Mehrheit im Bereich Mittelstreckenflieger >>

Digitalisierung und 3D-Druck: Neue Produkte geplant

Um weiter stark zu wachsen, will FACC neue Produkte für die Flugzeugbauer anbieten und innovative Produktionsmethoden anwenden: Dazu gehören unter anderem integrale Leichtbaulösungen zur Reduktion der Teilevielfalt, sich anpassende Oberflächenstrukturen um Treibstoff zu sparen, 3D-Druck und neue Prüfverfahren sowie Automatisierung und Digitalisierung in der Gesamtprozesskette.

FACC war zu Jahresbeginn 2016 Opfer eines millionenschweren Cyber-Betruges geworden, der zu einem umfassenden Vorstandsumbau geführt hat. Firmengründer und CEO Walter Stephan wurde von den chinesischen FACC-Eigentümern vor die Tür gesetzt. Aufgrund von gefälschten Emails ("Fake President Incident") wurden damals 41,9 Mio. Euro überwiesen.

Kein Kommentar zum Streit mit dem Gründer des Unternehmens

FACC hat bereits mit der Bilanz 2016/17 den Schadensfall verdaut. "Wir arbeiten mit unseren Anwälten und Versicherungen an der Aufarbeitung des Falls", betonte Machtlinger. Man tue "alles mögliche", damit Gelder zurückfließen. Wenn in der Causa in den nächsten Monaten oder Jahren etwas passiere, werde man dies mitteilen. Den laufenden Rechtsstreit mit dem Firmengründer und ehemaligen Chef Stephan wegen seiner Absetzung wollte man von FACC nicht kommentieren. (apa/red)