Hintergrund

Bei Exporteuren wächst die Sorge um mögliche Eskalation in Katar

In Politik und Wirtschaft steigt die Sorge vor einer Eskalation der Katar-Krise. Die Härte des Umgangs zwischen arabischen Nationen sei dramatisch, wie es heißt. Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel warnt vor der Gefahr eines Krieges.

In Politik und Wirtschaft steigt die Sorge vor einer Eskalation der Katar-Krise. Experten verwiesen zudem auf drohende Schwierigkeiten für die Banken des Emirats. Ein Vermittlungsversuch von Kuwait blieb zunächst weiter ohne konkrete Fortschritte. Der Iran schickte Flugzeuge und Schiffe mit Lebensmitteln in das Golf-Emirat.

Aggressiver Umgang arabischer Nachbarn untereinander

Während die beteiligten Staaten sich in den vergangenen Tagen weiter anfeindeten, warnte Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel vor der Gefahr eines Krieges. Der kuwaitische Außenminister Scheich Sabah al-Khalid al-Sabah sagte am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur Kuna, Katar habe Verständnis für die Sorgen der anderen Staaten signalisiert. Das Emirate sei weiter bereit zu versuchen, die "Bedenken und Sorgen der Brüder" zu verstehen.

Eine Gruppe von Staaten um Saudi-Arabien werfen Katar Terrorfinanzierung vor und haben das Land isoliert. Das Emirat weist die Anschuldigungen zurück und wird seinerseits vom Iran und der Türkei unterstützt.

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Deutschlands Außenminister Gabriel erklärte: "Es besteht die Gefahr, dass aus dieser Auseinandersetzung ein Krieg werden könnte", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Härte des Umgangs zwischen Brudernationen und Nachbarstaaten sei dramatisch.

Erdogan stellt sich an die Seite von Katar

Am Samstag stellte sich Niger auf die Seite von Saudi-Arabien und gab den Abzug seines Botschafters aus Katar bekannt. Der Iran nahm Versorgungsflüge nach Katar auf, um die Folgen der Blockade zu lindern. "Wir werden jeden Tag 100 Tonnen an Früchten und Gemüse nach Katar liefern", zitierte die Nachrichtenagentur Tasnim den Wirtschaftsverband der Region Fars. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekannte sich ebenfalls erneut zu Katar. Er hatte am Freitag der Verlegung von Truppen in das Emirat zugestimmt.

Die USA unterhalten dort bereits einen wichtigen Militärstützpunkt. Aus Washington waren allerdings zuletzt gemischte Signale gekommen: Während Außenminister Rex Tillerson zur Mäßigung aufrief, stellte sich Präsident Donald Trump danach hinter die Forderung an Katar, es müsse die Terrorfinanzierung einstellen. Saudi-Arabien reagierte zurückhaltend auf Tillerson. Trump hatte auf seiner ersten Auslandsreise in Riad die engen Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien betont. Zudem fordert er eine internationale Isolierung des Iran.

Lebensmittel aus dem Iran

Der Iran schickte unterdessen fünf Flugzeuge mit Lebensmitteln nach Katar. Die Maschinen brachten 90 Tonnen frische Nahrungsmittel, hauptsächlich Obst und Gemüse, in das Emirat, wie ein Sprecher der staatlichen Fluggesellschaft Iran Air sagte. Ein sechstes Flugzeuge sollte demnach in diesen Tagen starten.

In der iranischen Hafenstadt Dajjer, die gegenüber von Katar am Persischen Golf liegt, sollen zudem bald drei Schiffe mit 350 Tonnen Lebensmitteln auslaufen, wie die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf den Hafenchef meldete. Wenn Katar darum bitte, werde es weitere Lieferungen geben, sagte der Sprecher der Fluggesellschaft. Ob es sich um normale Exporte oder Hilfslieferungen handelte, war zunächst unklar.

Finanzhäuser der Region bekommen den Ölpreisverfall zu spüren

In Bankenkreisen wurde mit Sorge auf die Folgen der Blockade für Katars Banken geschaut. Vor allem die Refinanzierung in Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain werde eingeschränkt, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Alle Geldhäuser aus Katar müssten sich strecken, um liquide zu bleiben, ergänzte Branchenexperte Chiradeep Ghosh von der Investmentbank Sico.

Die Banken in der Region leiden unter dem Ölpreisverfall der vergangenen Jahre. Neben den Energie-Reserven Katars ist die Krise auch wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen des Landes von überregionaler Bedeutung. So ist Katar etwa ein strategischer Investor bei Volkswagen und der Deutschen Bank.

Fifa macht sich weiterhin keine Sorgen um die Fußball-WM 2022

FIFA-Präsident Gianni Infantino sieht trotz der jüngsten Entwicklungen keinen Anlass zur Sorge um das WM-Turnier 2022. "Im Moment sehen wir uns mit einer diplomatischen Krise in Katar konfrontiert. Dennoch bin ich überzeugt und optimistisch, dass sich die Lage in der Region wieder entspannen wird", sagte der Chef des Fußball-Weltverbandes der Zeitung "Le Matin Dimanche".

Forderungen nach einer WM-Neuvergabe erteilte Infantino indirekt eine Absage. "Die Aufgabe der FIFA bleibt aber in erster Linie die Pflege des Fußballs und nicht die Einmischung in geopolitische Fragen." Man beobachte die Lage in der Region sorgfältig und stehe in Kontakt mit den Behörden in Katar, ergänzte Infantino. "Falls die FIFA einen Beitrag leisten kann, um in irgendeiner Weise zu helfen, werden wir unsere Hilfe selbstverständlich anbieten." (APA/Reuters/dpa/AFP/red)