Erneuerbare Energien

Begehrte Papiere beim Börsengang der RWE-Tochter Innogy

Innogy ist der größte Börsengang in Deutschland seit Jahren und spült Milliarden in die Kassen des Mutterkonzerns RWE. Innogy bündelt die Geschäfte mit Ökostrom, Netzen und Vertrieb.

Für die von der Energiewende gebeutelten Versorger wachsen die Bäume auch nach ihrer Aufspaltung nicht in den Himmel. Die RWE -Ökostromtochter Innogy legte ein verhaltenes Debüt an der Frankfurter Börse hin. Vorübergehend rutschten die Aktien sogar unter den Ausgabepreis von 36 Euro, den sie zum Handelschluss wieder erreichten.

RWE hatte 25 Prozent der Anteile der Ökostromtochter an die Börse gebracht. Der Konzern hatte erklärt, auf Dauer die Mehrheit behalten zu wollen. Terium will sich künftig auf den Chefposten bei Innogy konzentrieren. Sein bisheriger Stellvertreter Rolf Martin Schmitz soll die Führung von RWE übernehmen.

RWE ist in Österreich an der Kärntner Kelag beteiligt. Seit 2010 sitzt Österreichs Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Aufsichtsrat.

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Einstieg in das Geschäft mit Windkraft in den USA geplant

Innogy bündelt die zukunftsträchtigen Geschäfte mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen und dem Vertrieb. Bei RWE bleiben die schwächelnden Kohle- und Gaskraftwerke. Der größte Börsengang in Deutschland seit dem Jahr 2000 brachte fünf Milliarden Euro ein. Drei Milliarden fließen in die Kasse von RWE, zwei Milliarden an Innogy.

Die Tochter will Terium zufolge nun unter anderem in den USA in den Markt mit Windkraftanlagen einsteigen. "In den USA muss jetzt jeder Bundesstaat einen gewissen Prozentsatz erneuerbarer Energien vorweisen können", sagte er der Zeitung. Bisher konzentriere sich alles auf die windigen Hochebenen von Texas. "Wir wollen in andere Bundesstaaten gehen. Wir suchen dort die Bedingungen, mit denen wir in Deutschland Erfahrung gesammelt haben. Das bedeutet: kleinere Parks auf Flächen mit schwierigen Windprofilen."

Preisspanne voll ausgereizt

Innogy hatte die Preisspanne angesichts starker Nachfrage nach den Papieren voll ausgereizt. Innogy-Chef Peter Terium verteidigte den Schritt: "Wir sind sehr, sehr zufrieden. Das ist gut für die Kasse von Innogy, das ist gut für die Kasse von RWE", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters in Frankfurt. Die RWE-Aktie ging um 7,4 Prozent in die Knie und war damit stärkster Verlierer im Leitindex Dax.

Größter Börsengang in Deutschland seit 2000

Mit fünf Milliarden Euro ist Innogy der größte Börsengang in Deutschland seit dem Jahr 2000. Damals hatten die Post und Infineon jeweils mehr als sechs Milliarden Euro eingesammelt. Zum Emissionspreis wird Innogy mit 20 Milliarden Euro bewertet und gilt damit als heißer Anwärter für den Einzug in den Nebenwerteindex MDax noch in diesem Jahr. Die hochverschuldete RWE kommt im auf weniger als neun Milliarden.

Den Erlös teilen sich Innogy und RWE. "Die zwei Milliarden sind ein sehr wesentlicher Beitrag für unseren 6,5-Milliarden-Euro-Investitionsplan", sagte Terium, der ausgiebig die schwere Börsenglocke geläutet hatte. Mit dem Geld will er vor allem die Verteilnetze ausbauen, die das "Rückgrat der Energiewende" seien.

"RWE hat ein paar Milliarden auf der hohen Kante. Die werden sie vielleicht auch brauchen", sagte der Niederländer, der bis zum Börsengang auch RWE-Chef war. Denn die Verhandlungen mit dem Bund über die Umsetzung des Atomausstiegs laufen noch. "Wir sind da jetzt abgesichert."

Doch Experten verweisen darauf, dass die Wachstumsaussichten von Innogy mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen und dem Vertrieb begrenzt sind. Gleiches gelte für die Eon -Kraftwerkstochter Uniper, die seit Mitte September an der Börse ist. Größter Gewinnbringer von Innogy sind die Strom- und Gasnetze. Die vom Staat zugesagten Renditen werden ebenso sinken wie bei der Windenergie, auf die Innogy beim Ökostrom setzt. "Von Innogy sind zwar stabile Geschäfte zu erwarten, aber keine Wachstumssprünge", sagt Thomas Deser, Portfoliomanager bei Union Investment.

Finanzfirmen aus Großbritannien und den USA ordern

Deshalb hatten Innogy und die Investmentbanker die Aktie der RWE-Tochter auch als Dividendentitel vermarktet - mit Erfolg. Investmentfonds, Pensionskassen und andere große Anleger hatten Aktien für deutlich mehr als zehn Milliarden Euro geordert, die meisten aus den USA und Großbritannien. Ein Insider sagte, die Emission sei zu 36 Euro dreifach überzeichnet gewesen. Der US-Vermögensverwalter Blackrock hatte schon im Vorfeld fest zugesagt, Papiere für 940 Millionen Euro abzunehmen. 70 bis 80 Prozent des bereinigten Gewinns sollen schon für dieses Jahr ausgeschüttet werden - das ist eine Rendite von 4,2 Prozent, wie Banker vorrechnen.

"Der Ausgabepreis war aus meiner Sicht nicht zu ambitioniert", sagte Joachim von der Goltz, der den Börsengang für die Schweizer Investmentbank Credit Suisse begleitet hat. "Es galt, die Interessen abzuwägen zwischen Innogy, RWE und den Investoren." Zeitweise mussten die begleitenden Banken den Kurs stützen, um ihn auf dem Ausgabepreis zu halten. Die Federführung beim Börsengang hatten Goldman Sachs und die Deutsche Bank.

RWE behält 75 Prozent - weitere Verkäufe möglich

RWE hält nach dem Börsengang noch mindestens 75 Prozent an Innogy. Der Konzern habe auch einen Teil des Zukunftsgeschäfts verkauft, sagt der Geschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW, Thomas Hechtfischer. "RWE bekommt durch Innogy Zugang zu frischem Kapital. Zuvor hat keiner RWE mehr einen Cent gegeben, da unklar war, wieviel davon in die Atomrückstellungen fließen." Den Konzern drücken Schulden von 28 Milliarden Euro. Hinzu kommen milliardenschwere Lasten aus dem Atomausstieg und dem Braunkohletagebau.

Allerdings hat Konzernchef Peter Terium zuletzt auch eine Abgabe des Mehrheitsanteils nicht ausgeschlossen. "Das war die interne Auflage, die wir uns selbst gemacht haben. Und wir sind jederzeit in der Lage, die interne Auflage auch wieder zu ändern, wenn wir das wollen", sagte der Manager in einem Interview der "Welt am Sonntag".

Eine Abgabe der Aktienmehrheit sei aber nicht notwendig. "RWE kann so kurzfristig nicht raus, braucht es auch nicht. Es gibt dem Kapitalmarkt jetzt ein Stück Ruhe, dass wir einen Anker-Aktionär haben, der nicht im Verdacht steht, den Markt bald mit Aktien zu überfluten."

Auch Eon spaltet sich auf

Auch Eon will sich auf Ökostrom konzentrieren und hatte im September die Kraftwerkstochter Uniper abgespalten, deren Aktien aber an die eigenen Aktionäre verteilt. Die Uniper-Aktie liegt mit 10,83 Euro nicht weit über dem ersten Kurs von 10,02 Euro. Experten sehen die Börsengänge beider Energieversorger trotzdem positiv.

"Der Börsenplatz Deutschland ist durch die großen Transaktionen dieses Jahres wieder deutlich stärker in den Fokus auch ausländischer Investoren gerückt", erklärte EY-Börsengangs-Experte Martin Steinbach. Deutsche Fonds zeichneten bei Innogy gerade einmal ein Zehntel des Emissionsvolumens. (reuters/apa/red)

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