Baustoffindustrie

Baustoffindustrie - Großprojekte als Hoffnungsträger

Großaufträge wie das Rapid-Stadion sichern das Ergebnis der Branche, so der Fachverband der heimischen Stein- und keramischen Industrie. Der Standardmarkt entwickelt sich dagegen nach wie vor rückläufig.

Baustoffindustrie Asamer Robert Schmid Manfred Asamer Andreas Pfeiler

Die Stein- und keramische Industrie verzeichnete im vergangenen Jahr mit einem Umsatz von 3,32 Milliarden Euro ein mageres Plus von 0,26 Prozent . "Wie schon in den Jahren zuvor sicherten Großaufträge wie das Rapid-Stadion und die Tunnelbauprojekte Koralm, Brenner und Semmering das Ergebnis", so Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie.

Der Standardmarkt entwickle sich nach wie vor rückläufig. Vor allem der Straßenbau und die -sanierung müsse, besonders in ländlichen Regionen, forciert werden. Der Beschäftigtenstand von knapp 14.000 konnte einen Zuwachs von 1,48 Prozent verbuchen.

Die größten Rückgänge mussten die Natursteinindustrie (-10,61 Prozent), die feinkeramische Industrie (-7,69 Prozent) und die Putz- und Mörtelindustrie (-5,41 Prozent) hinnehmen. Umsatzsteigerungen gab es in den Segmenten Beton- und -fertigteilindustrie (+6,61 Prozent), Schleifmittelindustrie (+5,48 Prozent), Transportbetonindustrie (+5,31 Prozent) und Ziegelindustrie (+4,16 Prozent) zu verzeichnen.

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"Momentan retten uns auch die niedrigen Energiepreise. Erst wenn diese wieder auf ein normales Niveau ansteigen, wird uns die Rechnung präsentiert werden", so Robert Schmid, Obmann-Stellvertreter des Fachverbandes. In diesem Zusammenhang rechnet er auch mit dem Energieeffizienzgesetz ab: "Vor allem für kleine Betriebe stellt allein die Verwaltung der Energieeffizienz eine große Belastung dar". Für 2016 rechnet der Fachverband mit einer Steigerung der Ökostrompauschalen von bis zu 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Bei der Herstellung von Baustoffen liegen die Energiekosten bei etwa 60 Prozent, in unserer Branche ist Energieeffizienz ohnehin unerlässlich", sagt Pfeiler und fordert eine Überarbeitung des Ökostromregimes. Obwohl allen in der hohen Politik bewusst sei, dass die aktuellen Regulierungen kontraproduktiv sind, würden keine Änderungen vorgenommen. Auch auf EU-Ebene gebe es im Energiesektor massive Benachteiligungen gegenüber osteuropäischen Ländern.

Eine besondere Herausforderung für die Branche stellt auch das stetige Bevölkerungswachstum und die damit steigende Nachfrage nach Wohnraum dar, "auf die wir mit einem Dach über dem Kopf antworten wollen", so Manfred Asamer, Obmann des Fachverbands.

Laut dem Fachverband wird seit Jahren zu wenig gebaut. Zusätzlich zu den ohnehin benötigten Wohnungen, würden laut Schätzungen 40.000 bis 50.000 Asylberechtigte (einschließlich Familiennachzug) dauerhaft in Österreich bleiben und langfristig Wohnraum brauchen. Dabei sei es wichtig, nachhaltig und qualitativ hochwertig zu bauen, es brauche durchdachte Wohnbaupläne.

Aktuelle Sonderbauprogramme der Länder für Einkommensschwache oder neue Mitbürger, die auf schnelle Billigbauweisen setzen, seien nur kurzfristig günstiger. Durch die niedrigeren Qualitätskriterien und Bauanforderungen entstünden auf lange Sicht Mehrkosten, im Endeffekt kämen diese Projekte teurer als nachhaltige Wohnkonzepte.

Darüber hinaus dürfe es bei der Vergabe von großen Aufträgen keine politisch motivierte Bevorzugung einzelner Bauweisen und verpflichtende Quoten für die Verwendung bestimmter Baustoffe geben. Die Kriterien für Ausschreibungen müssten für alle gleich und transparent sein.

Umsatzsteigerungen erhofft sich die Branche durch das geplante Wohnbaupaket, jedoch dürfe es dadurch nicht zu einer Substituierung der Wohnbauförderung kommen. "Wir rechnen damit, dass die Wohnbauoffensive erst im zweiten Halbjahr am Markt ankommt", sagt Pfeiler zum Ausblick für 2016 und erwartet ein leichtes Plus unter fünf Prozent. (APA)