Bauindustrie

Bauindustrie: Deutschland will 1,5 Millionen billige Wohnungen schaffen

Für Österreichs Bauindustrie ist Deutschland praktisch ein Heimatmarkt - Schilder der Strabag und Porr sieht man überall. Das neue Programm der deutschen Regierung könnte für einen weiteren Aufwind sorgen.

Vor dem deutschen Wohngipfel im Kanzleramt hat eine Reihe von Verbänden mehr Anstrengungen beim sozialen Wohnungsbau gefordert. Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen, der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, des Mieterbunds, der Gewerkschaften und der Bauwirtschaft im Bundeskanzleramt beraten derzeit über Maßnahmen für billigen Wohnraum.

"Wohnungsnot ist zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die gesellschaftspolitisches Konfliktpotenzial birgt", warnte Caritas-Präsident Peter Neher. Mindestens ein Viertel der von der Regierung geplanten zusätzlichen 1,5 Millionen Wohnungen müssten "mit Sozialbindung" sein. Das Deutsche Baugewerbe stellte klar: Die Kapazitäten für mehr Wohnungen seien "vorhanden".

Die Regierung plant eine Wohnraumoffensive, in deren Rahmen zusätzlich insgesamt 1,5 Millionen neue Wohnungen und Eigenheime in der laufenden Legislaturperiode gebaut werden sollen.

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Mindestens 360.000 davon müssten Sozialwohnungen sein, forderte Neher in der "Augsburger Allgemeinen". "Die Politik hat über Jahre das Thema bezahlbare Wohnungen sträflich vernachlässigt." In einer gemeinsamen Erklärung mit den katholischen Verbänden FDK und KSD warnte die Caritas vor allem vor einer Belastung von Familien - sie treffe die Wohnungsnot "mit besonderer Härte". Daher sei eine deutliche Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus nötig.

Auch die AWO forderte ein Maßnahmenpaket für bezahlbaren Wohnraum: "ein höheres Wohngeld, eine wirksamere Mietpreisbremse und einen verstärkten sozialen Wohnungsbau". Zusätzlich müssten auch die "angrenzenden" Aspekte betrachtet werden, nämlich die Energie- und Wasserpreise, forderte die Arbeiterwohlfahrt. Auch das Wohngeld müsse "regelmäßig an die Lebensrealität der Menschen angepasst werden".

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) erklärte, in den vergangenen zehn Jahren seien die Kapazitäten "deutlich aufgestockt" worden. Es seien "mehr als 120.000 neue sozialversicherungspflichtige Vollarbeitsplatze geschaffen" worden, hieß es. Außerdem werde auch wieder mehr ausgebildet: Der Verband rechnet mit einem Plus von rund acht Prozent in diesem Jahr. Die Politik müsse sich "klar zu Qualität und Qualifikation bekennen", das bedeute auch die Wiedereinführung der Meisterpflicht in einzelnen Berufen.

Der Außenhandelsverband BGA dämpfte die Erwartungen an den Gipfel. "Schnelle Lösungen kann es nicht geben", erklärte BGA-Präsident Holger Bingmann, denn es fehle eine "klare und verlässliche Strategie". Wenig hilfreich seien Eingriffe wie die Mietpreisbremse, effektiver seien etwa die schnelle Ausweisung von Wohnungsgebieten und eine Beschleunigung der Genehmigungen. (afp/apa/red)

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