Atomkraft

Bau des Atomkraftwerks Hinkley Point ist besiegelt

London und Paris haben den milliardenschweren Bau des umstrittenen AKW Hinkley Point vertraglich fixiert. Die Gegner des Projekts sind mit Klagen gegen Staatshilfen für den Meiler gescheitert.

Nach jahrelangen Verhandlungen haben Großbritannien und der französische Stromkonzern EDF einen Vertrag zum Bau des Atomkraftwerks Hinkley Point C unterschrieben. Es ist der erste AKW-Bau in Großbritannien seit Jahrzehnten. Minister beider Länder und aus China nahmen an der Zeremonie in London teil. Auch ein chinesisches Unternehmen ist am milliardenschweren Projekt beteiligt.

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Die britische Regierung hatte dem Projekt erst kürzlich zugestimmt. Energieminister Greg Clark meinte, Hinkley Point sei ein wichtiger Schritt zur künftigen Energieversorgung mit geringer CO2-Belastung. Das Bauprojekt ist unter anderem wegen milliardenschwerer Staatssubventionen umstritten. Österreich und andere Staaten haben vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) dagegen geklagt.

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Kurz vor der Unterzeichnung des Vertrags wurde jedoch bekannt, dass der Ökostromanbieter Greenpeace Energy mit einer Klage gegen das AKW scheiterte. Die Klage sei vom EU-Gericht in Luxemburg für unzulässig erklärt worden, teilte der Energieableger der Umweltorganisation am Donnerstag mit. Das Gericht in Luxemburg hatte zunächst keine Informationen zum Stand des Rechtsstreits. Greenpeace Energy und weitere Ökostromanbieter wollen die Subventionen gegen den Reaktor stoppen. Möglich sind nun noch Rechtsmittel vor dem EuGH, wie ein Gerichtssprecher auf Anfrage bestätigte.

Der EDF-Verwaltungsrat hatte kürzlich Bedingungen der britischen Regierung akzeptiert. So soll der Konzern seine Kontrollbeteiligung an dem Kraftwerk vor der Fertigstellung nicht ohne Zustimmung der Londoner Regierung verkaufen können.

EDF hatte den Deal bereits im Juli nach langen Diskussionen abgesegnet, die britische Regierung hatte das Projekt daraufhin aber überraschend nochmals überprüft. Mitte September gab sie grünes Licht, stellte aber Bedingungen. So soll EDF seine Kontrollbeteiligung an dem Kraftwerk vor der Fertigstellung nicht ohne Zustimmung der Regierung verkaufen können.

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EdF freut sich über ein "Atom-Comeback" in Europa >>

Das Projekt mit zwei Reaktoren vom Typ EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) an der Westküste Englands soll nach früheren Angaben rund 21,5 Milliarden Euro kosten, rund ein Drittel soll der chinesische Partner China Nuclear Power Corporation (CGN) übernehmen. Im März war der EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob das Unternehmen die Milliardeninvestition bewältigen kann.

In Hinkley Point gibt es zwei ältere Reaktorblöcke aus den 1950er und 1960er Jahren. Einer ist abgeschaltet, der zweite soll mindestens bis 2017 weiterbetrieben werden. (APA/dpa/AFP/red)

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