Chemische Industrie

BASF muss mit einem langen Produktionsausfall rechnen

Nach der riesigen Explosion auf dem weltgrößten Chemieareal sind Teile der Produktion von BASF weiter lahmgelegt - mit Folgen für weitere Industriekonzerne. Analysten rechnen mit Ausfall von bis zu zwölf Wochen. Die Zahl der Todesopfer ist offenbar auf drei gestiegen.

Chemische Industrie BASF Lanxess Evonik Wacker Chemie Unfälle

Der Chemieriese BASF kann womöglich wochenlang bestimmte Produkte nicht herstellen. Nach der Explosion vom Montag sind große Teile des größten Chemiestandorts der Welt lahmgelegt. Die Unglücksstelle am Ludwigshafener Landeshafen war auch zwei Tage später noch nicht zugänglich. Personalchefin Margret Suckale hatte bereits erklärt, dass die Einschnitte in die Produktion substanziell seien.

Die wichtigsten Infos dazu hier: Gewaltige Explosion bei BASF - mehrere Menschen vermisst

BASF fertigt in Ludwigshafen aus Rohstoffen wie Ethylen und Propylen Ausgangsstoffe für zahlreiche andere Materialien wie Kunststoffe, Lacke oder Kleber. Wie lange die Anlagen, darunter die zwei zentralen Steamcracker, stillstehen, sei momentan nicht abzuschätzen, sagte eine Firmensprecherin.

White Paper zum Thema

Die Einsatzkräfte seien noch vor Ort, die Bewältigung des Unglücks mit zwei Todesopfern und einem weiterhin Vermissten habe Priorität. Welche Produktgruppen genau betroffen seien, werde der Konzern aus Markt- und Wettbewerbsgründen ohnehin nicht preisgeben.

Produktionsstopp bis Ende 2016 möglich

Analysten rechnen damit, dass die Fertigung in Ludwigshafen womöglich über das Jahresende hinaus ruht. Bis Staatsanwaltschaft und BASF selbst den Schaden untersucht haben, die Leitungen repariert und abgenommen sind, dürften Wochen vergehen. Die Ludwigshafener verwiesen auf ihre umfassende finanzielle Absicherung. "BASF verfügt über eine Sachversicherung für eigene Schäden sowie eine Haftpflichtversicherung für Schäden bei Dritten", teilte das Unternehmen mit.

NordLB-Experte Thorsten Strauß äußerte sich mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen deshalb gelassen. "Die finanziellen Belastungen für das Unternehmen dürften sich in Grenzen halten, da die Schäden größtenteils versichert sein sollten. Entsprechend moderat blieb die Börsenreaktion auf den Vorfall", erklärte der Experte. In den vergangenen Tagen bewegte sich die BASF-Aktie im Dax kaum.

Offene Frage nach Auswirkungen für andere Industriebetriebe

In welchem Umfang Zulieferer und BASF betroffen sind, ist noch weitgehend unklar. Der Münchner Industriegaskonzern Linde beliefert die Kurpfälzer, erwartet aber keine Konsequenzen. "Selbst wenn Produktion heruntergefahren werden sollte, ist vertraglich festgesetzt, welche Mengen abgenommen werden müssen", erklärte ein Linde-Sprecher.

Lanxess und Wacker Chemie sehen sich in nicht betroffen. Evonik blickt indes banger auf den Schaden. "Mögliche Folgen des Ereignisses für Lieferketten werden geprüft", erklärte ein Sprecher des Chemiespezialisten. Branchenexperten rechnen damit, dass von dem Ausfall vor allem die US-Konkurrenten Dow Chemical und LyondellBasell Industries sowie die österreichische Borealis profitieren werden.

Offenbar drittes Opfer nach Explosionsunglück bei BASF gefunden

 

Zwei Tage nach dem schweren Explosionsunglück bei BASF in Ludwigshafen haben Taucher in einem Hafenbecken offenbar das vermisste dritte Todesopfer gefunden. Die männliche Leiche sei am Mittwoch geborgen worden, teilte die Polizei mit. Die Identifizierung stehe allerdings noch aus, die zuständige Staatsanwaltschaft Frankenthal habe die Obduktion des Leichnams angeordnet.

Aus noch ungeklärter Ursache war es am Montag auf dem Gelände eines BASF-Werkshafens bei Reparaturarbeiten an einer Rohrleitungstrasse für verflüssigte leicht brennbare Gase wie Propylen und Ethylen zu einer verheerenden Explosion gekommen, die Brände und weitere Detonationen auslöste. Zwei BASF-Werksfeuerwehrleute starben dabei. Acht Menschen wurden nach Angaben des Chemieunternehmens teilweise schwerst verletzt, 17 weitere leicht.

Die Einsatzkräfte hatten das vermisste mutmaßliche dritte Todesopfer von vornherein in dem Hafenbecken unweit des Unglückszentrums vermutet. Ein Tauchereinsatz sollte nach deren Angaben vom Dienstag aber erst beginnen, nachdem das Areal rund um die explodierten Pipelines vollständig gesichert war. Dafür mussten sie unter anderem zunächst abwarten, bis alle Chemikalienreste aus den geborstenen Rohren abgeflossen waren.

Die Staatsanwaltschaft in Frankenthal leitete wegen des Unglücks Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein. Die Mitarbeiter haben am Mittwoch der Opfern in einer Schweigeminute gedacht. (Reuters/AFP/APA/red)