Industriekonjunktur

Bank Austria: Erholung der Konjunktur erst ab dem Sommer

Eine breite Erholung der Konjunktur in Österreich wird es aus Sicht der Ökonomen der Bank Austria aber erst im zweiten Halbjahr geben. Die Arbeitslosigkeit bleibt demnach noch zwei Jahre höher als vor der Krise. Für heuer rechnen die Ökonomen mit 3 Prozent Wirtschaftswachstum.

Im Dezember hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich kurzzeitig aufgehellt - eine breite Erholung wird es aus Sicht der Ökonomen der Bank Austria aber erst im zweiten Halbjahr geben. Für das Gesamtjahr 2021 erwarten sie mehr als 3 Prozent Wirtschaftswachstum - nach vermutlich 7 Prozent BIP-Rückgang im abgelaufenen Jahr. Nach einem schwachen Start sollte heuer beginnend mit der warmen Jahreszeit eine rasche Erholung folgen.

Die Corona-Pandemie habe Österreichs Wirtschaft weiter im Griff, erklärten die Experten. Durch die neuerliche Verschärfung des Lockdown nach den Weihnachtsfeiertagen habe es einen erschwerten Start ins Jahr 2021 gegeben, von dem vor allem Marktdienstleister wie Beherbergungsbetriebe und Gastronomie betroffen seien. Vergleichsweise begünstigt seien dagegen Industrie und Bausektor ins neue Jahr gegangen.

BIP: Nach minus 7 Prozent im Vorjahr heuer plus 3 Prozent erwartet

Der Bank-Austria-Konjunkturindikator verbesserte sich im Dezember auf ein Minus von lediglich 1,1 Punkten - nach minus 2,5 Zählern im November -, doch zeige das nur eine kurzfristige generelle Stimmungsverbesserung vor der neuerlichen Maßnahmenverschärfung Ende Dezember an.

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Über den größten Teil des Winters sei wegen der Pandemie noch von einer schwachen, teils rückläufigen Wirtschaftsentwicklung auszugehen. "Erst mit dem wärmeren Wetter und der flächendeckenden Durchimpfung der Bevölkerung im Laufe des kommenden Sommers werden die beschränkenden wirtschaftlichen Maßnahmen weitgehend verschwinden können", hieß es noch vor der an diesem Wochenende möglichen Ankündigung einer Verlängerung des Lockdown über den 25. Jänner hinaus.

Gegenbewegung ab dem zweiten Quartal

Nach den weiter schwierigen Bedingungen über den Winter sei im zweiten Quartal eine von Basis- und Nachholeffekten angetriebenen Gegenbewegung der Konjunktur zu erwarten. Erst danach könnte auf Basis einer breiten und dann auch nachhaltigen Stimmungsverbesserung im zweiten Halbjahr eine grundlegende wirtschaftliche Erholung einsetzen können, so der Bank-Ökonom Walter Pudschedl: "Mit hoher Dynamik ab dem Spätsommer ist für 2021 ein Wirtschaftswachstum von über 3 Prozent in Sicht." Für 2022 hält man einen BIP-Anstieg von 5 Prozent für möglich, unterstützt durch fiskal- und geldpolitische Maßnahmen.

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Ende 2020 dürfte Österreich erneut in eine Rezession geschlittert sein, sodass die Wirtschaftsleistung im gesamten Vorjahr um über 7 Prozent eingebrochen sein dürfte, nimmt Chefökonom Stefan Bruckbauer an. Damit wäre der BIP-Rückgang im Corona-Jahr 2020 etwa doppelt so stark gewesen wie im Finanzkrisenjahr 2009. Zum Vergleich: Beim Haupthandelspartner Deutschland ist die Wirtschaft 2020 nur um 5 Prozent eingebrochen, und im vierten Quartal dürfte sich die dortige Wirtschaft zumindest seitwärts bewegt haben, aber nicht zurückgefallen sein, hat das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekanntgegeben.

Arbeitslosigkeit wohl bis Ende 2022 höher als vor Corona

Der heimische Arbeitsmarkt, der sich über den Winter weiter verschlechtert hat, wird nach Einschätzung der Ökonomen noch länger unter den Covid-Folgen zu leiden haben, denn die wirtschaftliche Erholung wird erst zeitverzögert wirken. Nach einer ersten Entspannung am Arbeitsmarkt ab dem zweiten Quartal 2021 sei erst 2022 mit einer spürbaren Verbesserung zu rechnen. Ende 2022 werde die Arbeitslosenquote noch rund einen Prozentpunkt über dem Niveau von vor der Coronakrise liegen. Für 2020 geht Pudschedl von im Schnitt 9,9 Prozent Arbeitslosenquote aus, für heuer von 9,6 Prozent und für 2022 von 8,7 Prozent.

Die Inflation sehen die Bank-Austria-Experten 2021 mit im Schnitt 1,5 Prozent ebenso gering wie 2020. Mit Beschleunigung der Wirtschaftserholung erwarten sie aber für 2022 einen Anstieg der Rate auf 1,9 Prozent. (apa/red)

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