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Bank Austria: Abschwung der Industrie verlangsamt sich

Die Talfahrt der heimischen Industriekonjunktur hält an - hat sich aber zuletzt deutlich verlangsamt, so Daten der Bank Austria signalisiert. Im April setzte demnach die Erholung ein. Trotzdem wird heuer die Produktion laut Prognosen des Finanzhauses um zehn Prozent sinken.

Das Tempo des Abschwungs der heimischen Industrie und des Job-Abbaus dort infolge der Coronakrise geht bereits deutlich zurück. Die Betriebe würden die Produktionsleistung etwas weniger stark reduzieren, da auch der Rückgang des Neugeschäfts langsamer erfolge, erklärten Ökonomen der Bank Austria. Auch der Beschäftigungsabbau gehe zwar weiter, aber in einem geringeren Ausmaß.

Deutliche Verbesserung im Mai

Nach dem Rekordtief im April hat sich der Bank-Austria-Einkaufsmanagerindex im Mai um fast 9 Punkte verbessert, ist mit 40,4 Punkten aber noch immer weit vom Wachstumsbereich entfernt. Auch der Index der Produktionserwartungen hat sich nach einem Tiefpunkt im April um mehr als 10 auf 40,6 Punkte erholt.

Fürs zweite Halbjahr erwarten die Experten des Instituts einen spürbaren Aufschwung, der den Rückgang der Industrieproduktion im Gesamtjahr auf unter 10 Prozent begrenzen sollte. Falls die Pandemie nicht wieder auflebt, sollte 2021 die heimische Industrie "wieder klar auf Wachstumskurs segeln können", heißt es.

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Konjunkturelle Talfahrt geht vorerst weiter

Trotz der historisch stärksten monatlichen Verbesserung im Mai hält die im März begonnene Talfahrt der heimischen Industriekonjunktur weiter an. Der Einbruch habe sich mit den ersten Lockerungsmaßnahmen im Mai zu verlangsamen begonnen, so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. Der Rückgang bei Produktion und Neugeschäft gegenüber April sei weiter stark, erfolge aber etwas gedrosselt.

Im Mai sei der Produktionsindex gestiegen und liege aktuell zumindest wieder etwas höher als am Höhepunkt der Finanzkrise zur Jahreswende 2008/09. Der starke Anstieg der Fertigwaren-Lagerbestände und die Preisrückgänge im Ein- und Verkauf würden auf eine ungebrochen schwierige Nachfragesituation hinweisen. Die Neuaufträge aus dem In- und Ausland seien auch im Mai stark gesunken. Verantwortlich dafür seien Betriebsschließungen von Abnehmern, logistische Probleme und eine Zurückhaltung der Kunden wegen der herrschenden Verunsicherung. Besonders zurückhaltend seien Abnehmer aus dem Ausland.

Auftragspolster schmelzen

Die Auftragspolster der heimischen Betriebe nahmen - angesichts der anhaltenden Flaute im Neugeschäft - trotz der starken Produktionsrücknahme und vereinzelten Fertigungsunterbrechungen im Mai ab. Die Zahl der Neuaufträge war in diesem Monat somit geringer als die Zahl der erledigten Aufträge.

Den Job-Abbau zur Anpassung der Produktionskapazitäten an den Nachfragerückgang haben die heimischen Betriebe im Mai fortgesetzt. Laut Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl beträgt die Arbeitslosenquote des Sektors fast 6 Prozent und liegt damit mehr als 2 Prozentpunkte über Vorjahr. Verglichen mit der Gesamtwirtschaft sei die Arbeitslosenquote der Industrie während der Krise aber weniger stark gestiegen und derzeit auch nur halb so hoch wie dort.

Während im Dienstleistungssektor nach den ersten Lockerungen der Arbeitsmarkt etwas Dynamik gewonnen habe, werde sich die Erholung in der Industrie zäher gestalten. Mit im Schnitt 5 Prozent werde die Industrie-Arbeitslosenquote 2020 zwar deutlich unter den erwarteten rund 11 Prozent der Gesamtwirtschaft liegen, aber deutlich über den 3,7 Prozent des Vorjahres. (apa/red

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