Industriekonjunktur

Bank Austria: Abschwung der Industrie hält an

Nach Zahlen der Bank Austria bewegt sich Österreichs Industrie seit acht Monaten unter der Wachstumsschwelle, und im November ist die Produktion weiter gesunken. Das kostet auch Arbeitsplätze.

Der Abschwung in der heimischen Industrie hält an. Die Auftragslage hat sich im November weiter verschlechtert. Die Produktion wurde noch stärker gedrosselt. Das kostet auch Jobs. "Bereits den fünften Monat in Folge haben die befragten Industriebetriebe die Beschäftigung im Vergleich zum Vormonat abgebaut, wenn auch erstmals mit nachlassendem Tempo", berichtet Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

Beschäftigung in der Industrie steigt weiter

Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Beschäftigung in Österreichs Industrie vorerst zwar noch an - der Zuwachs wird aber gedämpft. Da ein negativer Trend eingesetzt hat, wird sich der Anstieg heuer den Erwartungen zufolge im Gesamtjahr von derzeit noch 1,8 Prozent auf rund 1,6 Prozent einbremsen, heißt es im diese Woche veröffentlichten Einkaufsmanagerindex der UniCredit Bank Austria.

Im Jahresdurchschnitt dürften dann heuer rund 625.000 Arbeitnehmer in diesem Sektor tätig sein - um fast 15.000 Personen mehr als 2018. In den Jahren 2017 und 2018 hatte die hohe Dynamik der Beschäftigung in der Sachgütererzeugung maßgeblich zum Rückgang der heimischen Arbeitslosenquote beigetragen.

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Umfrage unter Industrie-Einkaufsmanagern

Der Einkaufsmanagerindex, der auf einer monatlichen Umfrage unter Industrie-Einkaufsmanagern in Österreich basiert, verharrt seit April, also seit acht Monaten, unter der Wachstumsschwelle. Im November stieg er allerdings gegenüber dem Vormonat wieder von 45,5 Zählern auf 46,0 Punkte zum zweiten Mal in Folge leicht an. Diese Verbesserung weise auf "ein Nachlassen des Abschwungs der heimischen Industriekonjunktur gegen Jahresende 2019 hin", so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Positiv bewertet wird die leichte Verbesserung des Einkaufsmanagerindex der Eurozone. Die heimische Industrie schlage die gleiche Richtung wie die gesamteuropäische ein, "hinkt aber dem Durchschnitt der Eurozone etwas hinterher", stellt Bruckbauer fest. Der vorläufige Index für die Eurozone lag im November bei 46,6 Punkten.

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Produktion im November gesunken

Im November fuhren die heimischen Betriebe ihre Produktionsleistung jedenfalls weiter zurück. "Der Produktionsindex sank auf 46,8 Punkte, den zweitniedrigsten Wert seit sieben Jahren", erklärt Pudschedl. Die Industrie habe ihren Ausstoß an die "wieder stärker sinkenden Neuaufträge anpassen müssen". Das rückläufige Neugeschäft trug zu einer Verringerung der Auftragsbestände bei. Und der geringe Bedarf an Vormaterialien und Rohstoffen für die Produktion führte erneut zu einem starken Preisverfall. Doch auch die Verkaufspreise waren rückläufig.

"Einen kleinen Lichtblick" im derzeit miserablen Auftragsumfeld gibt es: der Rückgang der Exportaufträge verlangsamt sich und das Tempo bei der Verkürzung der Lieferzeiten hat sich gegenüber dem Vormonat nicht mehr weiter erhöht. Allerdings habe sich das Verhältnis von Auftragseingang zu Lagerbestand wieder etwas verschlechtert, so die Ökonomen. Der Index der Auftragseingänge sank von 45,3 Zählern auf 44,8 Punkte, während der Index für die Verkaufslager von 49,5 auf 51,2 Punkte anzog. Das rückläufige Neugeschäft kann also mit den stark genug gefüllten Lagern bedient werden. Folglich dürften Produktion und Beschäftigung in den kommenden Monaten wohl weiter nach unten gehen. (apa/red)

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