Bauindustrie

Bahnbau: Auf dem Balkan kommen wieder chinesische Firmen zum Zug

Ein Bauauftrag in Serbien in Höhe von mehr als 940 Millionen Euro soll an zwei chinesische Firmen gehen. Gegen die Vergabe eines anderen Großauftrags in Kroatien an Chinesen geht gerade die Strabag wegen "ungewöhnlich niedriger Preise" gerichtlich vor.

Zwei chinesische Firmen sollen nun auch offiziell mit der Errichtung einer Schnelleisenbahnverbindung im Norden Serbiens beauftragt werden. Der entsprechende Vertrag soll am Samstag am Rande des Treffens der Staatschefs von 16 Staaten Mittel- und Osteuropas und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang in Sofia unterzeichnet werden.

Wie die serbische Verkehrsministerin Zorana Mihajlovic mitteilte, handelt es sich um einen Bauauftrag im Wert von 943 Mio. Euro. Mit den Bauarbeiten an der knapp 110 Kilometer langen Strecke werden die chinesischen Firmen China Railway International und China Communications Construction Company beauftragt.

Neue Bahnstrecke zwischen Belgrad und Budapest

Seit letztem November sind die zwei Firmen bereits bei der Errichtung der knapp 40 Kilometer langen Strecke zwischen Belgrad und Stara Pazova, Vojvodina, engagiert.

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Beide Strecken sind Teil der geplanten Eisenbahnverbindung zwischen Belgrad und Budapest. In Serbien sollen dafür 188 Bahnkilometer gebaut werden. Die Projektfinanzierung soll laut früheren Medienberichten durch Kredite der chinesischen Exim-Bank und einen russischen Kredit in der Höhe von 370 Mio. Euro erfolgen.

Strabag hat Großauftrag in Kroatien an Chinesen verloren

Im benachbarten Kroatien ist der größte heimische Baukonzern Strabag bei der Bewerbung um ein großes Brückenprojekt leer ausgegangen und hat derzeit rechtliche Schritte dagegen eingelegt.

Insgesamt drei Unternehmen bewarben sich für den Bau einer strategischen Brücke, die in Süddalmatien das Festland mit der Halbinsel Peljesac verbinden soll. Den Zuschlag erhielt das chinesische Konsortium unter der Leitung des staatlichen Bauunternehmens China Road and Bridge Corporation (CRCB) mit dem günstigsten Angebot von knapp 280 Millionen Euro (2,08 Milliarden Kuna).

"Ungewöhnlich niedrige Preise"

Laut kroatischen Medien hat China erstmals einen so großen Auftrag für ein Infrastrukturprojekt in der EU erhalten. Das Angebot der Strabag habe sich auf 352,4 Millionen Euro (2,62 Milliarden Kuna) belaufen.

Laut der kroatischen Zeitung "Jutarnji list" hat sich die Strabag wegen "unrealen und ungewöhnlich niedrigen Preisen", die das chinesische Unternehmen für einzelne Bauarbeiten angegeben habe, beschwert.

Großteil der Kosten zahlen Geberländer der EU - also auch  Österreich

Für den Bau der 2,4 Kilometer langen und 55 Meter hohen Peljesac-Brücke inklusive Zu- und Abfahrtsstraßen sind Gesamtkosten von insgesamt 420 Millionen Euro vorgesehen. Die EU-Kommission hat im Vorjahr eine Mitfinanzierung in Höhe von 357 Millionen Euro genehmigt.

(apa/red)

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