Lenzing, AMAG, Semperit

B&C Industrieholding: Tojners Taktik

Investor Michael Tojner versucht, angeblich mit einer Gruppe prominenter Industriepartner, die B&C Industriestiftung zu übernehmen. Diese hält substanzielle Anteile an AMAG, Lenzing und Semperit. Die Pläne Tojners stehen juristisch auf äußerst wackeligen Beinen. Doch darauf dürfte es letztlich gar nicht ankommen.

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Objekt der Begierde: Sitz der B&C Stiftung im Wiener Palais Ephrussi. Dem Stiftungszweck entsprechend investiert sie ihre Erträge wieder in heimische Industrie- und Mittelstandsbeteiligungen sowie in Technologie-Start-Ups.

Vom Eisverkäufer vor dem Schloss Schönbrunn zum Self-Made Milliardär: Michael Tojner ist immer für eine Story gut, auch wenn die Schlagzeilen zuletzt eher negativen Drall bekommen haben: Sein Heumarkt-Turm gilt als Bedrohung für das Wiener Weltkulturerbe und seine Airbnb-Appartments in Sozialwohnungen machten keinen schlanken Fuß. Ende Oktober schaffte es ein neues Projekt des gebürtigen Steyrers auf die Wirtschaftsseiten. „Tojner will Stiftung von Amag, Lenzing und Semperit knacken“, titelte die Wiener Tageszeitung „Der Standard“. Der schillernde Investor schickt sich an, im Verbund mit einer Gruppe von durchaus honorigen Industriellen die B&C Privatstiftung zu übernehmen.

Filetstück

Die B&C-Privatstiftung ist die 100-Prozent-Mutter der B&C-Industrieholding, in der sich die Mehrheitsanteile an drei Filetstücken der österreichischen Industrielandschaft sammeln: 52,7 Prozent an der Amag, 50 Prozent und 2 Aktie an Lenzing und 54,2 Prozent an Semperit. Dazu kommen noch kleinere Anteile undd Beteiligungen an Technologieunternehmen und Start ups. Für potentielle Investoren besonders interessant ist dabei die Wertigkeit der B&C-Beteiligungen. 2017 schütteten die drei börsennotierten Beteiligungen Amag, Semperit und Lenzing zusammen 118,5 Mio. Euro an österreichische Investoren aus. Aliquot flossen mehr als die Hälfte davon an die B&C. Folgt man den Medien – der sonst gar nicht medienscheue Michael Tojner hat das Vorhaben in der Öffentlichkeit nie kommentiert und war auch für INDUSTRIEMAGAZIN nicht zu sprechen – will der Investor in Summe gerade mal 250 Millionen bewegen, um gemeinsam mit der UniCredit das Ruder in Österreichs größter Industrie-Stiftung zu übernehmen. Dass diese Summe aus den Rücklagen der B&C-Holding bezahlt werden sollen, nennt Stiftungsvorstand und Holding-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Hofer schon mal „dreist“. Das Interview mit Wolfgang Hofer sowie seine persönliche Einschätzung zur juristischen Lage des Übernahmeversuches der B&C Stiftung lesen Sie hier.

Juristisches Glatteis

Hält man einen Ausdruck der B&C-Stiftungsurkunde in Händen, ist man als Laie enttäuscht. Gerade einmal elf Seiten regeln den Rechtscharakter einer sich selbst gehörenden Stiftung, die als Mehrheitsaktionärin in Österreich 5.000 Menschen in Lohn und Brot hält (global 15.000). Die B&C-Verfassung hat in den Nuller-Jahren zahlreichen Versuchen von außen standgehalten, Zugriff auf die Gesellschafterrechte der Stiftung zu erlangen. Vor allem die UniCredit setzte nach dem Abgang von Gerhard Randa viel daran, wieder die Kontrolle über die einstmals in die Stiftung eingebrachten Unternehmen zu gewinnen. Als dies nichts fruchtete, entschloss sich Mailand, gegen einen Obolus von 1,2 Mrd. auf die „subsidiären“ Bezugsrechte zu verzichten. Schon damals mit im Bieterkarussell: Michael Tojner. Er hat ein eigenes Gebot gelegt – und ist nicht zum Zug gekommen.

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Recycling einmal anders

Die sturmerprobte Stiftungsurkunde soll der Hebel werden, mit dem Tojner die B&C-Stiftung knacken will. Dem Vernehmen nach gibt es einen Vorvertrag mit der UniCredit in Mailand, in dem diese ihn zu einem Aktionär der Bayrischen Hypo- und Vereinsbank macht - der eigentlichen Stifterin und 100prozent-Tochter der UniCredit. Als solcher wird er laut Stiftungsurkunde zum Begünstigten. Tojner argumentiert: Nur weil die UniCredit einst auf die Genussrechte verzichtet hätte, müsse er als neuer Begünstigter dies nicht auch tun. Vom INDUSTRIEMAGAZIN befragte Juristen halten dies Anschauung für interessant, aber unhaltbar: Es gebe einfach keinen klagbaren Rechtsanspruch, heißt es.

Druck aufbauen

B&C-Stiftungsvorstand Wolfgang Hofer glaubt ob dieses wackeligen juristischen Ansatzes, dass die Tojner-Gruppe nicht an einen Schlagabtausch vor Gericht interessiert ist. Eine juristische Beilegung des Ansinnens dauere lange und binde viele Kräfte. Die Taktik sei viel einfacher: „Sie wollen uns mürbe machen.“

Die „Battle of Headlines“ hat schon begonnen: Die Beauftragung der Kanzlei Grohs Hofer (Hofer ist dort Hälfte-Partner) durch die B&C wird dabei ebenso zum Thema gemacht wie der personelle Umfang von Stiftung und Holding, die in Summe 27 Mitarbeiter umfasst. Die staatliche Beteiligungsverwaltung ÖBIB komme mit der Hälfte aus, heißt es. Der niederschwellige Gebrauch des Wortes „Selbstbedienungsladen“ lässt dabei nicht auf sich warten.

Die Aufsichtsratshonorare für die B&C-Holding beliefen sich laut Geschäftsbericht 2017 auf 150.000 Euro. Und die Stiftungsvorstände Hampel, Hofer und Fida erhalten laut Urkunde eine „angemessene Entlohnung“, die vom Firmenbuchgericht bestimmt wird. Stiftungsrechtler setzen dies mit der Höhe eines Aufsichtsratsgehaltes an. Eines ist sicher: Die B&C-Stiftungsvorstände und Holding-Aufsichtsräte sind keine selbstlosen Missionare der heimischen Industrie. Aber die monierten Rechtsvertretungskosten, Stiftungssaläre und Aufsichtsratshonorare sind ein wahres Pipifax im Vergleich zu jenen Beträgen, die Tojner & Co abziehen wollen. 

Die ominöse Gruppe

Das Wirtschaftsmagazin „Trend“ berichtet, dass Michael Tojner bei dem "Projekt B&C“ eine illustre Investorengruppe um sich geschart hat: KTM-Boss Stefan Pierer, Andritz-Chef Wolfgang Leitner, Martin Ohneberg (Henn GmbH, Chef der Industriellenvereinigung Vorarlberg) und Krone-Chef Christoph Dichand werden dabei genannt. Dementi gab es bei einem INDUSTRIEMAGAZIN-Rundruf von keinem der Angeführten. Im Dunkeln bleibt aber ihre Aufgabe. Ohne Investitionen – die Übernahme soll sich die B&C ja selbst bezahlen – braucht es keine Investoren. Falls es mit Tojner keine Nebenabreden gibt, ist für die Industriellen kein unternehmerisches Risiko auszumachen. Bleibt die Vermutung, dass die einflussreichen Wirtschaftsgrößen nur für Image und politischen Rückenwind an Bord geholt wurden. Im Gegenzug winkt ihnen im Erfolgsfall ein nicht unbeträchtlicher Anteil am Genussrecht, das bislang in der Holding nahezu zur Gänze reinvestiert wurde.

Ein Bummerl für Wien?

Wolfgang Hofer kündigt im INDUSTRIEMAGAZIN-Interview an, auf Grund der Causa die Bankverbindungen der B&C-Gruppe mit der Bank Austria aufzulösen. Ein Finanzpartner, dem man nicht vertrauen könne, sei bei internationalen Geschäften nicht tragbar. Für die Wiener Tochter der UniCredit ist die Situation damit mehr als schwierig. Sie profitiert von der Allianz der Mailänder mit Michael Tojner in keiner Weise, verliert aber drei große Industriekunden. Die Wiener Banker finden sich dabei  zwischen den gleichen Stühlen wie ihr einstiger Chef Erich Hampel, der als Aufsichtsratsvorsitzender der Bank Austria Österreich und als Vorsitzender des B&C-Stiftungsvorstandes in dem Fall einen wahren Wust an Interessenskonflikten vor sich herschiebt. Im Stiftungsvorstand der B&C hat er in der Sache sämtliche Stimm- und Informationsrechte ruhend gestellt. Er kann nicht mitreden und erfährt nichts. Wie die Bank Austria mit ihrem Aufsichtsratspräsidenten verfährt, wurde von der Bank nicht kommentiert.  

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