Justiz

Automanager Ghosn sitzt jetzt wieder in Haft

Nach nur vier Wochen auf freiem Fuß ist der frühere Chef von Nissan und Renault, Carlos Ghosn, in Japan erneut verhaftet worden. Den Angaben zufolge geht es um einen neuen Verdacht der schweren Untreue und persönlicher Bereicherung.

Nach nur vier Wochen auf freiem Fuß ist der frühere Chef von Nissan und Renault, Carlos Ghosn, wegen neuer Vorwürfe in Japan festgenommen worden. Ermittler suchten den 65-Jährigen in den frühen Morgenstunden in seinem Domizil auf und brachten ihn in die Haftanstalt, die er erst Anfang März verlassen hatte.

Ghosn sprach von einer "ungeheuerlichen und willkürlichen" Festnahme, auch sein Anwalt war erbost.

Ghosn wird bereits in mehreren Punkten finanzielles Fehlverhalten vorgeworfen - so soll er jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den japanischen Autobauer übertragen haben. Die neuen Vorwürfe drehen sich um den Verdacht der schweren Untreue. Es wäre der vierte Anklagepunkt gegen den einstigen erfolgreichen Automanager.

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Ghosn soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen Ende 2015 und Mitte 2018 insgesamt 15 Mio. Dollar (13,3 Mio. Euro) an Nissan-Geldern an eine de facto von ihm kontrollierte Gesellschaft transferiert haben. Davon soll er 5 Mio. Dollar für Privatzwecke abgezweigt und davon unter anderem eine Luxusjacht finanziert und Investitionen in ein Unternehmen seines Sohnes in den USA getätigt haben.

Ghosn sei dafür verantwortlich gewesen, "Nissans Geschäfte zu überwachen" und seine Aufgabe so loyal auszuführen, dass dem Unternehmen keine Verluste entstehen, erklärten die Ermittler. Er habe diese Pflicht allerdings verletzt, "um sich selbst zu bereichern". Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde er nun deshalb wieder festgenommen, weil das Risiko bestehe, er könne "Beweise vernichten".

Ghosn und sein Anwalt reagierten erbost. "Das ist Teil eines neuen Versuchs von einigen Personen bei Nissan, mich zum Schweigen zu bringen, indem Staatsanwälte in die Irre geführt werden", hieß es in einer Stellungnahme. Weshalb sollte er festgenommen werden, wenn nicht zu dem Zweck, ihn zu "brechen", führte er aus. "Sie werden mich nicht brechen."

Sein Anwalt Junichiro Hironaka sagte sichtlich verärgert, die Festnahme seines Mandanten widerspreche dem "Geist des Gesetzes" und sollte in einer "zivilisierten Nation nicht toleriert werden". Er werde dafür kämpfen, dass der Arrest nun nicht auch noch verlängert werde. Außerdem kritisierte Hironaka scharf, dass nicht nur Dokumente und persönliche Notizen von Ghosn beschlagnahmt wurden, sondern auch der Pass und das Smartphone seiner Frau Carole.

Ghosn war am 19. November festgenommen worden. Nach hundert Tagen wurde er gegen eine hohe Kaution und unter strengen Auflagen freigelassen. Der einstige Vorzeigemanager, der auch jahrelang beim französischen Autobauer Renault die Geschicke lenkte, bestreitet alle Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Verschwörung. Er kündigte eine Pressekonferenz für den Donnerstag kommender Woche an, auf der er "die Wahrheit erzählen" werde - was angesichts der erneuten Festnahme nun aber fraglich erscheint.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire sagte zum Fall Ghosn, dieser sei wie jeder andere Verdächtige zu behandeln und es müsse die Unschuldsvermutung für ihn gelten. Auch bei Renault laufen interne Ermittlungen zum Gebaren des früheren Konzernchefs. Dabei gebe es "neue" und "wichtige" Erkenntnisse, die der französischen Justiz übergeben worden seien, sagte Le Maire im französischen Fernsehen. Zu Details äußerte er sich nicht. (afp/apa/red)

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