Nutzfahrzeuge

Auftragsrekord und Gewinnplus bei MAN-Mutterkonzern Traton

Während MAN die Schließung des Werks in Steyr vorbereitet, meldet sein Mutterkonzern einen Gewinnanstieg und stark steigenden Auftragseingang bei Lastwagen. Die Schließung des Werks in Oberösterreich werde trotzdem kommen, so Konzernchef Matthias Gründler.

Bei der VW-Nutzfahrzeugholding Traton, Mutterkonzern von MAN, brummt das Geschäft wieder. Nach einem deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg im ersten Quartal und zwei Drittel mehr Lastwagen-Bestellungen als im Vorjahresquartal zeigte sich Vorstandschef Matthias Gründler für 2021 "etwas optimistischer". Zu Spekulationen über Nachverhandlungen mit einem Investor für das MAN-Werk in Steyr stellte Gründler klar: "Wir sind klar auf dem Weg, Steyr zuzumachen."

In Steyr in Österreich sei Traton klar auf dem Weg, den Standort zu schließen, sagte Gründler. MAN werde jedoch weiter mit dem Investor WSA des früheren Magna-Chefs Siegfried Wolf sprechen.

Wolf hatte zuletzt die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) mit ins Boot genommen. "Das jetzt vorliegende Konzept erscheint uns schlüssig, dass damit der Standort MAN erhalten werden kann", hieß es von dem Institut. Jetzt bleibe abzuwarten, wie die weiteren Verhandlungen laufen. Die Belegschaft in Steyr hatte mehrheitlich gegen ein erstes Offert von WSA gestimmt.

White Paper zum Thema

Tausende Arbeitsplätze verschwinden auch in Deutschland

MAN streicht jetzt in Deutschland 3.500 Stellen und das Lkw-Werk in Steyr mit 2.300 Mitarbeitern wird geschlossen. Für den Stellenabbau und die erforderlichen Maßnahmen bei MAN Truck & Bus veranschlagte Traton von Jänner bis März 362 Millionen Euro an Kosten. Für das Werk in Steyr wurden dagegen noch keine gesonderten Kosten verbucht.

Der Quartalsumsatz von Traton stieg um 15 Prozent auf 6,5 Mrd. Euro, der Gewinn von 96 Mio. auf 127 Mio. Euro. Die Restrukturierung der seit Jahren schwächelnden Tochter MAN belastete das operative Ergebnis von Traton mit 362 Mio. Euro. Lieferengpässe nicht nur bei Halbleitern bremsten zwar die Produktion im zweiten Quartal, aber für das Gesamtjahr rechne er mit einem erheblichen Umsatzzuwachs, sagte Gründler in München.

Aktuell zu MAN Steyr:
MAN Steyr: Hesoun fordert Erhalt des Industriestandorts >>

"So rasch, wie die Pandemie vor einem Jahr das Nutzfahrzeuggeschäft getroffen hat, so rasch geht es nun mit den Bestellungen unserer Kunden wieder aufwärts", sagte Gründler. Die Traton-Töchter MAN, Scania und VW Caminhoes steigerten ihre Lkw-Auslieferungen im ersten Quartal in allen Regionen um insgesamt 36 Prozent auf 57.000. Der Auftragseingang - der im Herbst zu Auslieferungen führen wird - stieg sogar um 62 Prozent auf 79.000 Lastwagen. Anders läuft es im kleineren Busgeschäft: Der Absatz fiel um ein Viertel, der Auftragseingang um die Hälfte auf 3.000 Busse. "Reisebusse sind derzeit nicht gefragt", sagte Finanzvorstand Christian Schulz.

Die Übernahme des US-Lastwagenbauers Navistar soll "zur Jahresmitte, im frühen dritten Quartal" abgeschlossen sein. Damit will Traton auf einem der größten und profitabelsten Märkte für schwere Lastwagen endlich Fuß fassen. Navistar schrieb im ersten Quartal rote Zahlen.

Vom Umsatz blieben Traton im ersten Quartal 7,9 Prozent als bereinigtes operatives Ergebnis; im Gesamtjahr sollen es zwischen 5 und 7 Prozent sein. Dabei seien die Kosten der MAN-Restrukturierung und die Navistar-Übernahme nicht berücksichtigt.

Bernd Osterloh ist als Personalvorstand zu Traton gewechselt

Welche Aufgaben der neue Traton-Personalvorstand Bernd Osterloh neben den Personalvorständen von MAN und Scania übernehmen soll, sagte Gründler nicht. Osterloh werde sich in den nächsten 100 Tagen seine Aufgaben selbst definieren. Der 64-Jährige ist nach 16 Jahren an der Spitze des VW-Konzernbetriebsrats überraschend in den Traton-Vorstand gewechselt und richtet sich dort auf drei Jahre ein.

Gründler rechnet mit einer weiteren Verschärfung der CO2-Vorgaben der EU und forderte umgekehrt von der Politik Kaufprämien für Elektro-Lastwagen, eine am CO2-Ausstoß ausgerichtete Lkw-Maut und zügig ein europaweites Ladenetz. Im Gegensatz zum großen Konkurrenten Daimler setzt Traton auch für schwere Lastwagen im Fernverkehr voll auf Batterietechnik. Die Energieeffizienz sei weitaus höher als bei Brennstoffzellen mit Wasserstoff, und die Energiekosten machten bei Lastwagen über 35 Prozent der Gesamtkosten aus, sagten Traton-Experten. (dpa-afx/dpa/reuters/apa/red)