Mitarbeiter gesucht

Auftragspolster in Milliardenhöhe: FACC sieht sich auf gutem Weg

FACC will die Zahl der Mitarbeiter massiv ausbauen: Der Orderbestand des oberösterreichischen Zulieferers liegt derzeit dank des weltweiten Booms der Luftfahrtindustrie bei 4,5 Milliarden Euro. Das ist genug, um die Werke jahrelang ausgelastet zu fahren.

Von der weltweit boomenden Luftfahrtindustrie profitiert auch der Innviertler Zulieferer FACC. "Bis 2034 gibt es 31.400 Neuflugzeuge und die FACC ist auf jedem Flugzeug vertreten", berichtete der interimistische Unternehmenschef Robert Machtlinger vor Journalisten in Wien.

Im laufenden Jahr vergrößert sich der Auftragspolster den Angaben zufolge um 150 bis 170 Mio. Euro auf insgesamt 4,5 Mrd. Euro. "Wir haben einen sehr hohen 'Order-Backlog' - unsere Werke sind sieben bis acht Jahre ausgelastet", so der Vorstandsvorsitzende. Mehr als die Hälfte der Aufträge kommt von Airbus, weitere knapp 30 Prozent kommen von Boeing, unter den restlichen 20 Prozent finden sich Konzerne wie Bombardier als Besteller.

In den vergangenen Jahren habe die FACC 300 Mio. Euro in ihre Standorte investiert. "Die hohen Investitionen in neue Produkte wie etwa für den A-380 haben den Peak überschritten", räumte Machtlinger ein. Heuer fließen noch einmal 50 Mio. Euro in die Produktentwicklung und die Standorterweiterung. "In den nächsten vier Jahren sehen wir einen Investitionsbedarf von 45 bis 50 Mio. Euro", umriss der CEO den weiteren Plan.

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Neben dem millionenschweren Investitionsprogramm inklusive Ausbau der Produktion wird auch laufend Personal aufgestockt: "In den ersten Monaten haben wir den Mitarbeiterstand heuer erheblich erhöht - wir stellen 20 bis 25 Mitarbeiter pro Woche ein", sagte Machtlinger. Derzeit beschäftigt FACC rund 3.100 Arbeitnehmer, 2.900 davon in Österreich. Bis Ende August gebe es heuer 250 Neueinstiege quer durch die gesamte Belegschaft - vom Einkauf über den Vertrieb bis hin zur Technik.

Nachbesetzungen stehen auch im Vorstand und im Aufsichtsrat an: "Ales Starek wird per 1. Oktober als Finanzvorstand zur Verfügung stehen", so Machtlinger. Der 45-jährige Tscheche soll die Nachfolge der chinesischen Ex-Finanzchefin Minfen Gu antreten, die das Unternehmen im Februar nach dem "Fake President"-Betrugsskandal verlassen musste. "Der Vorstand ist europäisch-westlich besetzt - man kann davon ausgehen, dass das so bleiben wird", meinte der CEO auf Nachfrage.

Als Ersatz für Gregory Peters, der sein Aufsichtsratsmandat Ende Mai unmittelbar nach der Abberufung des FACC-Gründers Walter Stephan kurzfristig zurücklegte, George Maffeo vorgeschlagen worden, der erstens aus der Luftfahrtbranche und zweitens aus dem kanadisch-amerikanischen Raum komme. Die Entscheidung fällt auf der Hauptversammlung übermorgen, Freitag.

Machtlinger selbst, der auch Technik-Vorstand ist, hat die Stelle des Ex-Konzernchefs Stephan im Mai als Interims-CEO angetreten. "Ich bin auch vom Aufsichtsrat eingeladen, mich für die Stelle langfristig zu bewerben", gab er heute bekannt. Derzeit werden aber auch noch andere mögliche Kandidaten angesehen. Die Entscheidung werde "definitiv noch heuer" getroffen.

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Die Zahlen: Umsatz und Gewinn legen stark zu

Der Flugzeugzulieferer FACC hat Umsatz und Betriebsgewinn im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 kräftig ausgebaut. Die Verkaufserlöse stiegen im Jahresabstand um 21 Prozent auf 164,9 Mio. Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verdoppelte sich von 1,2 auf 2,6 Mio. Euro. Der Cashflow war aber mit "etwas über 20 Mio. Euro im Minus", wie CEO Robert Machtlinger auf Anfrage sagte.

"Wir planen, den Cashflow noch im laufenden Geschäftsjahr ins Positive zu drehen", so der Konzernchef. Ob für das Geschäftsjahr 2016/17 eine Dividende gezahlt werde, sei "stark abhängig vom Cashflow und der Entwicklung".

"Wir sind zurück auf Wachstumskurs - nach zwei Jahren mit geringen Wachstumsraten", sagte der Vorstandsvorsitzende heute, Mittwoch, bei der Präsentation der Quartalsergebnisse in Wien. Das war im Wesentlichen den Hochläufen neuer Projekte geschuldet. Der Markt sei "nach wie vor dynamisch und gut". "Wir rechnen mit einer nachhaltig hohen Nachfrage in den nächsten Jahren", so die Langzeitprognose des Konzerns.

Dividende winkt, sobald Cashflow wieder positiv ist

Die Begebung einer Anleihe sei "nicht nötig und überhaupt nicht geplant", so Machtlinger. "Das war nie in Diskussion", bekräftigte Investor-Relations-Chef Manuel Taverne. Im ersten Quartal erreichten die Nettofinanzverbindlichkeiten der FACC 206,1 Mio. Euro - nach 171,9 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2015/16 und 102,6 Mio. Euro im Jahr davor. Die Eigenkapitalquote lag im ersten Quartal stabil bei 43,4 Prozent (2015/16: 43,8 Prozent).

Bis 2020 will die FACC beim Umsatz die Marke von 1 Mrd. Euro knacken. Ergebnisseitig sei eine EBIT-Marge von 5 und 10 Prozent in allen Divisionen das Ziel, so Machtlinger. (APA/red)