Elektroindustrie

Auftragseinbruch bei ABB - besonders in der Robotik

Beim Schweizer Industrieriesen ist der Auftragseingang im zweiten Quartal um knapp ein Fünftel gesunken. Insbesondere die Robotiksparte bekommt die Coronakrise deutlich zu spüren.

So hatte sich der neue ABB-Konzernchef Björn Rosengren seinen Start wohl nicht vorgestellt: In seinem ersten vollen Quartal an der Spitze des Elektrotechnikunternehmens sank der Auftragseingang um 18 Prozent auf 6,05 Mrd. Dollar (5,3 Mrd. Euro), wie ABB mitteilte.

Insbesondere in der Roboter-Sparte litt der Konzern unter den Auswirkungen der Coronakrise. Dazu kam die Flaute in der Autoindustrie. Doch inzwischen zeichnet sich ein Silberstreifen am Horizont ab. ABB rechne bereits im dritten Quartal mit einem weniger starken Auftragsrückgang. Der Umsatz des Siemens-Rivalen dürfte sich frühestens im vierten Quartal etwas erholen.

Der operative Gewinn vor Abschreibungen (EBITA) brach auf vergleichbarer Basis um 20 Prozent auf 651 Mio. US-Dollar ein, während die entsprechende Marge auf 10,6 von 11,5 Prozent im Vergleichsquartal zurückging. Sie lag damit aber über der Marge vom ersten Quartal. Besser abgeschnitten als erwartet hat insbesondere der Geschäftsbereich Antriebstechnik. Das Konzernergebnis hat ABB auf 319 Mio. Dollar deutlich erhöht. Umbaukosten hatten das Ergebnis im Vorjahr auf 64 Mio. Dollar gedrückt. Der Umsatz sank auf vergleichbarer Basis um 10 Prozent auf 6,15 Mrd. Dollar.

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Rosengren will in einem ersten Schritt die operativen Margen des Konzerns hochtreiben und hat ein Ziel von 15 Prozent ausgerufen. Der Schwede steht in dem Ruf, hart durchzugreifen, wenn Geschäfte nicht den Erwartungen entsprechen. Im Juni hatte er angekündigt, weitere Teilbereiche auf den Prüfstand zu stellen. Einzelheiten zur Überprüfung des Portfolios will Rosengren, der zuletzt Chef des Spezialmaschinenbauers Sandvik war, im November bekannt geben.

Mit Blick nach vorne bleibt ABB weiter vorsichtig. Wegen der Coronapandemie habe sich der Ausblick rasant verschlechtert und die Weltwirtschaft werde voraussichtlich schrumpfen, so die Einschätzung. Die Auswirkungen von Covid belasteten weiterhin den kurzfristigen Ausblick in vielen Absatzmärkten, insbesondere in der Öl- und Gasindustrie, der konventionellen Stromerzeugung, der Automobil- und Schifffahrtsindustrie sowie dem Haus- und Gebäudesektor. Etwas widerstandsfähiger sieht ABB Absatzmärkte wie Energieverteilerunternehmen, den Verkehrssektor, Rechenzentren und die Nahrungs- und Genussmittelbranche. Insgesamt sei aber nicht abzusehen, wann die Auswirkungen von Covid nachlassen würden. Der Umsatz dürfte dagegen weiter stark beeinträchtigt bleiben und sich frühestens im vierten Quartal etwas erholen.

"Auch wenn die Unsicherheit groß bleibt und wir vor weiteren schwierigen Quartalen stehen, ist unser Weg nach vorn klar: Wir führen unser neues Betriebsmodell wie angekündigt ein, unterziehen unser Geschäftsportfolio einer genauen Prüfung und beginnen mit unserem Aktienrückkaufprogramm", sagte Rosengren, der das Steuer bei ABB im März übernommen hatte. Mit dem Aktienrückkauf startet das Unternehmen am Donnerstag. Damit soll ein Teil des Erlöses aus dem milliardenschweren Verkauf des Stromnetzgeschäfts an die japanische Hitachi an die Eigner zurückgeführt werden. Bei seinen Maßnahmen kann Rosengren auf die Unterstützung der Großaktionäre Investor und Cevian bauen. (reuters/awp/sda/apa/red)

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