Hintergrund

Auftakt der Industriellen Revolution: James Watts Dampfmaschine wird 250

Ein Instrumentenbauer aus Schottland meldet vor genau 250 Jahren ein Patent für eine Dampfmaschine an. Es ist der Beginn der Industriellen Revolution. James Watt legt damit den Grundstein für unsere gesellschaftlichen Strukturen und unseren Wohlstand ebenso wie für die Zerstörung des Planeten.

Bei der berühmtesten Erfindung von James Watt denkt man üblicherweise an einen Buben, der vor einem offenen Kamin einen Teekessel beobachtet. Der Dampf hebt den Deckel - und der Erfinder Watt hat eine zündende Idee. Er entwirft die erste Dampfmaschine.

So anschaulich dieses Bild auch ist: Der historischen Wahrheit entspricht es nicht ganz. Denn James Watt (1736-1819), ein gelernter Instrumentenbauer aus Schottland, hat die Dampfmaschine nicht erfunden, sondern "nur" entscheidend verbessert. Bis dahin hatten Dampfmaschinen nur einen sehr niedrigen Wirkungsgrad und konnten nur zum Antrieb von Wasserpumpen in Kohleminen verwendet werden.

Das Patent Anfang Jänner 1769

Das Patent für seine Erfindung erhielt Watt vor genau 250 Jahren - am 5. Jänner 1769. Die Beschreibung klingt denkbar nüchtern: "Eine Methode, um den Dampfverbrauch in Dampfmaschinen zu verringern - der separate Kondensator." Doch dieses Datum sollte in die Geschichte eingehen - als Beginn der Industriellen Revolution.

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Die Grundlage für unsere heutige Welt

Denn im Grunde haben Dampfmaschine und Kohlebergbau nichts weniger als den Grundstein für unsere moderne Welt gelegt. Der großindustrielle Einsatz dieser Technik und dieses Energieträgers brachte zunächst die Verelendung breiter Bevölkerungssschichten mit sich, und sorgte später für Wohlstand - und beschleunigte entscheidend das Entstehen moderner Gesellschaftsstrukturen.

Andererseits begann mit der Industriellen Revolution auch die gnadenlose Ausbeutung der Ressourcen des Planeten. Damit hat auch der von Menschen verursachte Klimawandel in der Industriellen Revolution seinen Ursprung. Heute verstärkt sich dieser Klimawandel jedes Jahr - ohne dass abzusehen ist, wie das Abwenden einer globalen Katastrophe gelingen kann.

Der steinige Weg vom Geistesblitz zur funktionierenden Maschine

Die Idee, dass bahnbrechende Erfindungen wie das Rad, der Buchdruck oder die Dampfmaschine durch einen einzigen genialen Einfall zustande kommen, ist ein Mythos. Dessen ist sich Ben Russell sicher.

Der Kurator für Maschinentechnik am Science Museum in London blickt über den riesigen Eingangsbereich des Museums, in dem gleich mehrere der beeindruckenden Dampfmaschinen von Watt stehen. Wichtige Entwicklungen entstünden in einem komplexen Umfeld - und selbst dann sei noch viel harte Arbeit notwendig. Einen Geistesblitz in eine funktionierende Maschine zu verwandeln, sei "ein ziemlicher Alptraum".

Watt brauchte sieben Jahre, um aus seiner Erfindung ein marktfähiges Modell zu entwickeln. Voraussetzung dafür war neben Geld vor allem das Know-how, um die notwendigen Metallteile zu produzieren. Doch das stellte sich als schwierig heraus. "Ein großer Teil des Maschinenbaus, wie wir ihn heute kennen, musste nebenbei erfunden werden", erzählt Russel.

Doch Watt setzte sich am Ende durch - nicht zuletzt durch die Hilfe des Unternehmers Matthew Boulton aus Birmingham, der ein metallverarbeitendes Unternehmen führte und die besten Spezialisten an der Hand hatte. Gemeinsam installierten sie Hunderte dampfbetriebene Wasserpumpen, vor allem in Cornwall, wo Kupfer und Zinn gefördert wurden. Und sie wachten mit Argusaugen darauf, dass niemand ihr Patent verletzte. Nebenbei gab es aber noch viele andere, die mit ähnlicher Technik arbeiteten.

Wie bei Apple: Ein Geschäftsmodell aus dem 21. Jahrhundert

Dass Watt bis heute als Erfinder der Dampfmaschine gilt, hat nach Ansicht von Ellie Swinbank vom National Museum in Edinburgh auch mit geschicktem Marketing zu tun. Sie sieht dabei Parallelen zum Computer- und Smartphone-Hersteller Apple. "Ich bin eine frustrierte Apple-Nutzerin", sagte sie. "Es ist so schwierig, das mit anderer Technik zu vereinbaren, und ich habe das Gefühl, dass sie alles genau beobachten, was mit ihrem Produkt zu tun hat." Ähnlich habe es Watt gemacht. Die Maschinen von Boulton & Watt wurden ausschließlich verleast, und die Firma kümmerte sich selbst um die Instandhaltung.

Watt entwickelte die Dampfmaschine weiter, bald konnte sie auch in anderen Branchen wie in der Textil-Herstellung eingesetzt werden. Ein sich selbst erhaltender Kreislauf von technologischem Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum war in Gang gesetzt. Doch er kam nicht ohne Nachteile: Menschen wurden arbeitslos, verarmten und verhungerten, weil Maschinen ihre Arbeit schneller und besser erledigten. Die unersättliche Nachfrage nach Kohle und anderen fossilen Brennstoffen zerstörten Umwelt und Gesundheit.

Ein Rätsel für Historiker

Ein Rätsel für die Historiker: Watt schreckte zeitlebens davor zurück, eine Hochdruck-Dampfmaschine zu bauen. Er hatte wohl Angst vor der Explosionsgefahr und hielt die Technik nicht für beherrschbar. Aber er lag falsch. Die Technik wurde später zum Inbegriff der Dampfmaschine selbst und machte den mobilen Einsatz in Lokomotiven und anderen Fahrzeugen erst möglich.

Doch wäre ein wenig Watt'sche Vorsicht auch heute manchmal angebracht? Ja, glaubt Russell. "Die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung wird schneller, schneller und schneller", sagt er und stellt in Frage, ob wir damit als Menschen und als Gesellschaft überhaupt noch mithalten können.

(dpa/apa/red)

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