Österreich

Aufhellung der heimischen Konjunktur setzt sich fort

Industrie und Exporte stärken die aktuelle Konjunkturentwicklung. Das geringste Wachstum gibt es derzeit in Niederösterreich, das stärkste in Vorarlberg und Tirol. Stark belastend bei den Arbeitslosenzahlen wirkt die steigende Zuwanderung.

Der Konjunkturmotor läuft in Österreich heuer besser als voriges Jahr, auch geht erstmals seit 2011 die Arbeitslosenrate leicht zurück. Heuer werden Industrie und Exporte die Wirtschaft stärken, 2016 hatten Dienstleistungen und Bau für Wachstum gesorgt. In den einzelnen Bundesländern ist die Entwicklung dabei jedoch auch heuer durchaus unterschiedlich.

Alle Bundesländer bis aufs Burgenland werden heuer ein höheres regionales Wirtschaftswachstum aufweisen als 2016, erklärten die Ökonomen der UniCredit Bank Austria am Mittwoch. Spitzenreiter sollen dabei Vorarlberg und Tirol mit je 2,4 Prozent BIP-Plus sein, während auch OÖ, Salzburg, Steiermark und Burgenland beim Wachstum noch über dem Österreich-Schnitt von 1,8 Prozent liegen dürften. Schlusslichter dürften NÖ und Wien sein, noch hinter Kärnten.

Impulsgeber sind 2017 der verstärkte Rückenwind durch den globalen Aufschwung und die noch immer spürbaren Effekte der Steuerreform, wobei Industrie- und exportorientierte Bundesländer heuer verbesserte Bedingungen vorfinden und die Dienstleistungen weitgehend in Fahrt bleiben. 2016 war eine Industrieausrichtung kein Vorteil, denn es konnten vor allem Dienstleistungshochburgen das günstigere Umfeld nutzen. Dynamikgewinner waren 2016 die Steiermark und Kärnten, während Vorarlberg und Burgenland mit je 2,4 Prozent BIP-Plus die absoluten Spitzenreiter waren, gegenüber 1,5 Prozent im Österreich-Schnitt. Schlusslicht war 2016 Niederösterreich, das als einziges Bundesland gegenüber dem Jahr davor sogar an regionaler Wirtschaftsleistung verloren hat.

Die Arbeitslosigkeit stabilisierte sich in Österreich bereits 2016 - nur noch in Wien gab es eine weitere Zunahme, allerdings auf 13,6 Prozent Arbeitslosenrate, um 4,4 Prozentpunkte mehr als noch 2011. Wien hatte in den letzten Jahr die schlechteren Karten - und hat sie noch immer: Die Bundeshauptstadt trug fast die Hälfte zum bundesweiten Arbeitslosigkeitsanstieg in diesen fünf Jahren bei, jedoch kaum aus konjunkturellen Gründen, sondern wegen des durch die Zuwanderung kräftig steigenden Arbeitskräftepotenzials.

Die Migration betrifft aber primär Ausländer am Arbeitsmarkt negativ (durch Verdrängungseffekte), aber kaum Inländer, wie es vor Journalisten hieß. In den übrigen Bundesländern war hauptsächlich die Wirtschaftswachstumsdifferenz ausschlaggebend am Arbeitsmarkt: So konnte etwa in Tirol und Vorarlberg die hohe Beschäftigungsdynamik in Industrie und Tourismus die dortige starke Ausweitung des Arbeitskräfteangebots auffangen. In Wien dagegen waren laut Bank-Austria-Experten von den 4,4 Prozentpunkten Anstieg lediglich 2,8 Prozentpunkte konjunkturbedingt, der Rest strukturbedingt.

Wien sei zweifellos strukturell etwas schwieriger aufgestellt und einer der herausforderndsten Arbeitsmärkte Österreichs, wiewohl die Arbeitslosenrate heuer auf 13,3 Prozent sinken werde (in Österreich gesamt auf 8,7 Prozent), sagte Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer in einem Pressegespräch. Der Druck speziell bei Niedrigqualifizierten sei "die Herausforderung für die Politik auch in den nächsten Jahren", das hätten mittlerweile aber "alle Parteien erkannt". Für die Wirtschaftspolitik gebe es immer Chancen, etwas zu verändern, doch sei vieles etwa beim Dienstleistungs- und Industriestandort Wien oder Niederösterreich auch "naturgegeben". Vieles an Industrie wandere ab aus Österreich, hier gelte es, mit wichtigen Signalen dagegenzuhalten.

Die auf Oktober vorgezogenen Neuwahlen werden die heimische Konjunktur "relativ wenig" betreffen, ist Bruckbauer überzeugt. Denn vor allem wirke sich die bessere Stimmung der Verbraucher aus, die weltwirtschaftliche Erholung sowie die Stabilisierung im Euroraum: "Die breite Bevölkerung hat nicht unbedingt das Gefühl, dass wir in einer schweren Krise stecken." Andererseits sei es aber schon gut, dass die heimischen Wahlen 2018, wenn Österreich im zweiten Halbjahr den EU-Vorsitz innehabe, schon vorbei seien.

An aktuellen Konjunkturrisiken verweisen die Bank-Austria-Volkswirte auf die US-Entwicklung unter dem neuen Präsidenten Trump - Stichwort mögliche Handelsbeschränkungen - sowie den geplanten britischen EU-Austritt (Brexit). Mögliche Auswirkungen auf Österreich und unsere Bundesländern gebe es hauptsächlich indirekt, doch sind etliche Regionen beim Export schon besonders exponiert, etwa Salzburg, Kärnten, die Steiermark, Wien und OÖ bei den Ausfuhren in die USA und die Steiermark in Bezug auf UK.

So gehen zwar von den gesamten Austro-Exporten 6,7 Prozent in die USA und 3,1 Prozent nach UK, doch sind dies bei Salzburg 11,0 bzw. 2,9 Prozent und bei der Steiermark 7,2 bzw. 4,6 Prozent. Umgekehrt machen am gesamten heimischen BIP 3,7 Prozent die Warenexporte aus, bei Salzburg sind es bezogen aufs regionale BIP aber 5,1 Prozent (davon 4,0 Prozentpunkte in Richtung USA) und bei Oberösterreich sogar 5,6 Prozent (davon 3,7 Prozentpunkte USA), so Bruckbauer. (apa/red)