Autoindustrie

Aufatmen bei Zulieferern: VW fährt Produktion wieder hoch

Zurück ans Band: In Zwickau geht das erste deutsche Werk von Volkswagen wieder in Betrieb, bei MAN und Audi ebenfalls. An vielen anderen Standorten steht der Neuanlauf erst bevor.

Zurück ans Band: Nach rund fünf Wochen Coronastillstand läuft bei Volkswagen die Autoproduktion langsam wieder an. Den Anfang machte das Werk im sächsischen Zwickau. Dort wird seit November 2019 mit dem vollelektrischen ID.3 das - neben dem Golf 8 - wichtigste neue Modell des Konzerns gebaut.

Auch im benachbarten Motorenwerk Chemnitz fährt VW den Betrieb nun schrittweise hoch. Die Gläserne Manufaktur in Dresden, wo seit vergangener Woche wieder Autos ausgeliefert werden, soll diese Woche folgen - ebenso der Stammsitz Wolfsburg sowie die Fabriken Emden und Hannover. In einigen internen Zulieferwerken der VW-Gruppe wird schon wieder gearbeitet, weitere Autowerke sollen hinzukommen.

Um die Sicherheit der rund 10.000 Mitarbeiter an den drei sächsischen Standorten zu gewährleisten, setzt Volkswagen unter anderem auf verschärfte Hygienestandards und kürzere Reinigungsintervalle. So sollen die Beschäftigten an Arbeitsstationen, an denen Abstände von mindestens 1,5 Metern nicht möglich sind, einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Zudem sollen die Taktzeiten deutlich verlangsamt werden.

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Lieferanten können zumindest etwas aufatmen

Auch einige externe Lieferanten können damit bereits etwas aufatmen. "Insbesondere die Zulieferunternehmen, die Komponenten wie Achsen, Cockpits oder Kabelstränge in Sequenz fertigen und den Fahrzeugwerken direkt vorgelagert sind, brauchen den Wiederanlauf dringend", sagte Dirk Vogel vom Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen (AMZ) der Deutschen Presse-Agentur. Wie werksnahe Dienstleister, beispielsweise aus der Logistikbranche, hätten diese Betriebe kurzfristig keinerlei Alternativen, um sich Aufträge an anderer Stelle zu erschließen.

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Hochfahren auch bei MAN

Im slowakischen Bratislava, wo der VW-Konzern etwa große SUV und Kleinwagen baut, ist die Produktion bereits wieder angelaufen. Besonders wichtig wird zu Beginn kommender Woche dann der Neustart im Wolfsburger Stammwerk, das unter anderem den Golf und Tiguan fertigt. Hier hatte es vor dem Herunterfahren der Produktion am 20. März auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Betriebsrat und Management über den Zeitpunkt des Ausstiegs und Umfang der Schutzmaßnahmen gegeben.

Bald einigte man sich aber darauf, ein möglichst hohes Schutzniveau sicherzustellen, um Sorgen vor Virusansteckungen entgegenzutreten. Wie sich die Produktionsprozesse durch die Anti-Corona-Maßnahmen jetzt im Einzelnen ändern, teilte VW hier noch nicht mit.

Auch die Lkw- und Bus-Tochter MAN startet diese Woche. Nach den deutschen sollen dann weitere europäische und amerikanische Standorte die Arbeit fortsetzen. Das VW-US-Werk Chattanooga (Tennessee) kehrt ab dem 3. Mai schrittweise aus der Pause zurück. Dessen Leiter Tom du Plessis erklärte: "Wir haben die vergangenen Wochen genutzt, um strikte Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen." Der Schritt erfolge im Einklang mit gelockerten Richtlinien der Behörden.

In den USA schickt VW seine Mitarbeiter in  Zwangsurlaub - ohne Geld

Im Gegensatz zu Deutschland, wo für zehntausende Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet worden war, galt für die US-Kollegen meist unbezahlter Zwangsurlaub. Anfang Mai sollen Fabriken in Lateinamerika und Südafrika den Betrieb aufnehmen. In China, dem Ursprungsland der Pandemie, waren zuletzt fast alle Standorte zurück am Netz.

Auch an den westdeutschen VW-Komponenten-Standorten (Braunschweig, Salzgitter, Kassel) wird wieder produziert. In Braunschweig etwa hatten Werkleitung und Betriebsrat in der vorigen Woche jedoch auch mitgeteilt, dass einige Bereiche wohl erst ab 3. Mai weitermachen. Grund seien "Nachfragerückgänge, Versorgungsengpässe und damit verbundene unkontrollierbare Störungen der Lieferbeziehungen aus vom Coronavirus betroffenen Ländern und Regionen".

Hochfahren auch bei Audi

Die Produktionskapazität ist zunächst geringer als sonst. Die VW-Tochter Audi startete an einigen Standorten bereits wieder, das Hauptwerk Ingolstadt soll am Montag hinzukommen. Daimler begann mit dem Wiederanfahren schon am vergangenen Montag (19.4.), im ersten Quartal musste der Konzern einen Gewinneinbruch verkraften. Auch bei VW sackte der Betriebsgewinn laut vorläufigen Zahlen zuletzt ab. BMW hat bisher noch keine Details zum geplanten Wiederanlauf genannt.

In Sachsen ist die Autoindustrie eine wichtige Branche. Größte Herausforderung für die rund 800 Zulieferer mit 75.000 Mitarbeitern sei angesichts internationaler Verflechtungen die Frage, ob und wann alle Teile verfügbar seien. "Deshalb muss der Anlauf schrittweise erfolgen, damit die gesamte Lieferkette nachziehen kann", so Vogel.

Langfristige Einbußen bei Zulieferern erwartet

Langfristig müssten sich vor allem Werkzeugbauer und Entwicklungsdienstleiter auf Einbußen einstellen, meinte der Branchenexperte. Budgets würden bereits drastisch eingedampft, weil den Autoherstellern durch den Shutdown enorme Kosten entstanden seien. Zugleich gebe es erste Überlegungen, wichtige Komponenten wie Elektronik künftig wieder stärker selbst zu fertigen. (dpa/apa/red)

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