Stahlindustrie

Auf nach Afrika: Chinas Stahlkonzerne suchen neue Märkte

Chinesische Stahlkonzerne suchen in Afrika und Südamerika nach neuen Abnehmern, seit die Regierung Trump die Billigimporte in die USA eingeschränkt hat.

Chinesische Stahlhersteller strecken wegen des Zollstreits mit den USA ihre Fühler nach Afrika und Südamerika aus. Dort wollen sie sich neue Exportmärkte erschließen, weil die Ausfuhren zu ihren bisherigen Hauptabnehmerländern in Südostasien stark unter Druck geraten sind.

Europas Stahlhersteller erwarten eine Stahlschwemme

In Europa fürchtet man, dass der Stahl aus China noch ganz andere Wege findet: China könnte mehr billigen Stahl auf den europäischen Markt werfen und die hiesigen Hersteller damit stärker in Bedrängnis bringen würde. Der europäische Stahlverband Eurofer warnte vor einer Stahlschwemme in Europa und fordert von der EU-Kommission Maßnahmen zum Schutz der Branche. In den ersten vier Monaten des Jahres seien die Stahlimporte in die EU bereits um acht Prozent nach oben geschnellt.

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"Es wird immer offensichtlicher, dass die Exportmöglichkeiten für chinesische Hersteller aufgrund der bestehenden Handelsgesetze immer begrenzter werden", sagt Analyst Chris Jackson von der britischen Stahl-Beratungsfirma MEPS. US-Präsident Donald Trump hatte im März Zölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren verhängt, die vor allem die Importe aus China - dem mit Abstand größten Produzenten der Welt - drosseln sollen. Zwar erreichten Chinas Stahlexporte im April noch ein Achtmonatshoch, in den ersten vier Monaten des Jahres gingen sie jedoch um ein Fünftel zurück.

US-Stahlhersteller gehen davon aus, dass chinesischer Stahl oftmals auf dem Weg über andere Länder in den USA landet. Das US-Handelsministerium verhängte im vergangenen Monat deshalb Einfuhrzölle auf Stahlerzeugnisse aus Vietnam, die ursprünglich aus China stammten.

Das traf Chinas zweitgrößten Exportmarkt nach Südkorea, in dem chinesische Stahlhersteller auch eigene Lagerhäuser betreiben. Vietnam erklärte, seine Stahlunternehmen würden wahrscheinlich den Kauf von Stahl aus China stoppen, um ihre Lieferungen in die USA nicht zu gefährden.

Südostasien ist komplett überfüllt - jetzt soll Europa drankommen

Die chinesischen Stahlimporte nach Südkorea und Vietnam waren bereits im vergangenen Jahr wegen des härteren Wettbewerbs mit anderen Anbietern wie Russland zweistellig gesunken. Antidumpingzölle, die von südostasiatischen Käufern wie Thailand, Vietnam, Indonesien und Malaysia erhoben wurden, haben die Lieferungen aus Peking ebenfalls gebremst.

"Der südostasiatische Markt wird immer überfüllter. Immer mehr Anbieter suchen nach neuen Märkten, vor allem Südamerika und Afrika", urteilt Steven Yue, Manager bei Hebei Huayang Pipeline, einem chinesischen Hersteller von Stahlrohren. "Wir planen, den südamerikanischen und afrikanischen Markt ab der zweiten Jahreshälfte noch stärker auszubauen."

Südamerika und Afrika machten letztes Jahr zusammen gerade einmal acht Prozent der chinesischen Stahlexporte aus. Dagegen ging ein Viertel der chinesischen Exporte nach Südostasien, im ersten Quartal dieses Jahres fielen sie nach Daten von MEPS jedoch um ein Drittel.

Die Exporte nach Nigeria, Afrikas größter Volkswirtschaft und Top-Abnehmer von chinesischem Stahl auf dem Kontinent, legten im ersten Jahresviertel um 15 Prozent zu. Die Lieferungen nach Algerien verdreifachten sich sogar nahezu. In Südamerika stiegen die chinesischen Lieferungen nach Brasilien um 40 Prozent und fast um das Zehnfache nach Bolivien.

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Im Vergleich zu Asien gibt es in Afrika und Südamerika weniger Länder mit Antidumpingzöllen und Schutzmaßnahmen gegen chinesische Stahlerzeugnisse. Dazu zählen nach Daten der Welthandelsorganisation (WTO) Brasilien, Kolumbien, Chile und Südafrika.

Je tiefer die chinesischen Hersteller aber in diese neuen Märkte vordringen, desto mehr könnten sie mit heimischen Produzenten etwa in Brasilien aufeinanderprallen. Yue vom Stahlrohrhersteller Hebei Huayang glaubt aber, dass die meisten chinesischen Stahlprodukte in Afrika und Südamerika wettbewerbsfähig sind, da es dort an inländischen Produktionskapazitäten mangle.

"Von meinen Freunden haben sich viele dazu entschlossen, Geschäfte mit afrikanischen Ländern zu machen, da sie ein größeres Potenzial mit größerer Nachfrage haben", sagt ein Stahlhändler und -exporteur mit Sitz in der chinesischen Stahlmetropole Tangshan. "Ich glaube, dass das Geschäft in Asien schwierig wird, also suche ich auch nach einem neuen Markt. Wahrscheinlich werde ich mit meinen Freunden nach Afrika gehen." (APA/awp/sda/Reuters/red)