Energiespeicher

Auch Siemens sucht nach dem idealen Stromspeicher

Wie sich überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien speichern lässt, beschäftigt derzeit viele Unternehmen. Auch Siemens befasst sich mit dem Thema und ist überzeugt, dass Elektrolyse die Lösung ist.

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Hierzulande ging kürzlich die Pilotanlage "Wind2Hydrogen" am Standort der OMV im niederösterreichischen Auersthal in Betrieb, sie soll zur Lösung der Speicherung beitragen. Das Projekt zielt darauf ab, Strom aus erneuerbaren Quellen in Wasserstoff umzuwandeln, zu speichern, ins Erdgasnetz einzuspeisen oder als hochreinen Wasserstoff für die Mobilität zu nutzen.

Denn Wind und Sonne bringen Photovoltaik-Anlagen und Windrädern untertags viel Strom, in der Nacht - vor allem einer windstillen - fehlt dann der Strom. Dafür hat bisher noch niemand so richtig eine Lösung gefunden, Ansätze gibt es aber einige. Sie reichen von Batterien für zuhause über die Produktion von Wasserstoff wie beim heimischen Pilotprojekt bis hin zu einem Ausbau der Netzkapazitäten.

Elektrolyse als Möglichkeit

Siemens ist dabei weiterhin von der Elektrolyse als eine Möglichkeit zur Stromspeicherung überzeugt, wie ein Siemens-Forscher dem Handelsblatt sagte: "Es gibt viele Bausteine, doch die Elektrolyse ist ein wichtiger davon", so Armin Schneller. Das Unternehmen hat deshalb kürzlich gemeinsam mit Linde in Mainz ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Windstrom per Elektrolyse in Wasserstoff verwandelt wird. Doch hier gibt es Kritik: "Anders als von manchen Akteuren suggeriert, brauchen wir Power-to-Gas gar nicht, um die aktuellen Probleme der Energiewende zu lösen", meinte Lukas Emele vom Berliner Öko-Institut. Es sei günstiger, den Ausbau der Stromnetze voranzutreiben. Olaf Wollersheim vom Karlsruher Institut für Technologie verwies darauf, dass bei der Rückverstromung 70 Prozent der ursprünglichen Energie verloren gingen.

Diese Kritik versteht auch Siemens-Forscher Schnettler. Demnach wäre der Ausbau der Stromnetze, um die großen Kapazitäten erneuerbarer Energie aufzunehmen, grundsätzlich der günstigste Weg. Siemens wäre froh, die Netze stärker ausbauen zu können, dazu fehle aber die Akzeptanz in der Bevölkerung. Zudem seien die Energiewende und in Folge die Dekarbonisierung ein weltweites Projekt, das zu einem massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien führen werde. "Soviel Netzausbau können wir gar nicht realisieren. Also müssen wir lokale Speicherlösungen bereitstellen." Eine solche hat Siemens in Mainz verwirklicht - diese Anlage ist laut Unternehmensangaben mit einer Spitzenleistung von bis zu sechs Megawatt weltweit die größte ihrer Art. 

Derzeit würden sich viele Verfahren wegen der niedrigen Öl- und Gaspreise zwar nicht rechnen, man müsse hier aber langfristig denken und sehen, was in zehn bis 20 Jahren passiere. Bis dahin brauche man eine großindustrielle Umsetzung der Elektrolyse beziehungsweise elektrochemischer Speichersysteme. Um dies zu schaffen, müsse man jetzt mit Modellprojekten beginnen. "Unsere Forschungsschwerpunkte liegen aktuell auf der Steigerung des Gesamtwirkungsgrades, der Prozess-Stabilität sowie der Skalierbarkeit", so Schnettler.

Großindustrielle Speicheranlagen als großvolumiger Markt

Die Rückverstromung etwa durch den Einsatz des Wasserstoffes in Kraftwerken sei laut Schneller nur bedingt sinnvoll und heute kein Business Case. Sinnvoll aber sei die Produktion von Wasserstoff zum Beispiel für Brennstoffzellenfahrzeuge und von anderen chemischen Grundstoffen. "Für diese Produkte gibt es bestehende Märkte, die eine wirtschaftliche Umwandlung beispielsweise von Kohlendioxid in Kombination mit Erneuerbaren Energien kurzfristig sicherstellen", erläuterte Schnettler. Hier steckt auch laut Boston Consulting ein attraktiver Markt dahinter - weltweit sollen bis 2030 über 150 Milliarden Euro an Investitionen in Großindustrielle Speicheranlagen fließen.