Antriebstechnik

ATB Spielberg: Neue Investoren könnten Kündigungen verhindern

Beim steirischen Antriebstechniker ATB hat sich der frühere Eigentümer Mirko Kovats und dann eine Hamburger Industrieholding gemeldet - nun laufen Gespräche über einen Einstieg. Damit könnte vielleicht eine Kündigung fast aller Mitarbeiter doch noch verhindert werden.

Für die steirische ATB Antriebstechnik in Spielberg könnte es eine andere Lösung als Kündigung nahezu aller Beschäftigten und Abtransport der Maschinen geben. Nach dem früheren Eigentümer Mirko Kovats interessiert sich auch die Hamburger Innovation Holding (HIH).

Mirko Kovats und Hamburger Holding haben angeklopft

Betriebsratschef Michael Leitner zeigte sich aufgeschlossen und appellierte an die ATB-Gläubiger, am Erhalt des Standorts mitzuwirken. Zum Interesse des früheren Eigentümers Mirko Kovats am Werk in Spielberg sagte der Belegschaftsvertreter, er habe mit diesem einen Gesprächstermin. Kovats wolle sich auch das Werk ansehen, das hänge aber von der Genehmigung der Geschäftsführung ab.

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Betriebsratschef Leitner bestätigte Medienberichte, wonach sich die HIH bei ihm und bei Insolvenzverwalter gemeldet habe, um Interesse zu deponieren. "Axel Bauer und sein Partner Peter Rasenberger haben echtes Interesse. Wir haben recherchiert und die Sache sieht gut aus, mit den beiden wird keine Technologie abfließen. Sie haben schon einige Auffangmodelle erfolgreich durchgezogen", sagte Leitner zur APA.

Bauer und Rasenberger wollten sich Leitner zufolge noch dem Insolvenzverwalter, dem Brucker Advokaten Gernot Prattes in Verbindung setzen und sich auch das Werk ansehen. Für die rund 400 Beschäftigten hatte seit dem Frühjahr Kurzarbeit geherrscht.

Betriebsratschef: Abtransport von Maschinen wäre nicht richtig

Leitner zeigte sich auch überzeugt, dass es nicht rechtens wäre, vor den vorgesehenen Sitzungen im Zuge des Insolvenzverfahrens Maschinen abzutransportieren oder zu verkaufen. Die Werksferien beginnen in der kommenden Woche und dauern zwei Wochen. "Ich bin in dieser Zeit nicht in den Ferien, ich und etliche meiner Kollegen werden ein wachsames Auge auf das Werk und die Maschinen haben", kündigte der Betriebsratschef Maßnahmen an. Ein Verkauf der Maschinen in ein polnisches oder serbisches Werk vor den Gremiensitzungen, um die Insolvenz zu finanzieren, sei nach Auffassung Leitners nicht zulässig.

Appelliert wurde vonseiten der Belegschaftsvertretung auch an die Gläubigerschaft, nichts zuzustimmen, was den Standort aushöhle. "Die über 800 Gläubiger müssten ja auch ein Interesse daran haben, den Standort Spielberg mit der Produktion zu erhalten, auch um weiter liefern zu können", so Leitner. Die Gläubiger kommen großteils aus dem Raum Steiermark und Österreich sowie Italien.

Antriebstechnik, ATB, Spielberg, Betriebsversammlung, nach, Pleite © APA/GPA-DJP

Betriebsversammlung bei ATB vergangene Woche: Einstimmig für Streik und gegen Abtransport von Maschinen nach China.

Mitarbeiter zum Streik bereit

Ende vergangener Woche haben bei einer Betriebsversammlung der ATB die rund 330 teilnehmenden Mitarbeiter Kampfmaßnahmen beschlossen. "Der Streikbeschluss war einstimmig. Wir werden diesen Kahlschlag nicht einfach erdulden", so Betriebsratsvorsitzender Leitner. Auch der ÖGB hat die Streikfreigabe bereits erteilt.

Chinesen wollen alle Maschinen abtransportieren

Laut Daniel Gürtler von der Gewerkschaft GPA-djp werde diese Woche noch abgewartet, ob sich ein Investor für das insolvente Unternehmen findet. Ansonsten könnte es zum Streik kommen. Dieser könnte laut einer Aussendung notwendig werden, denn der derzeitige Eigentümer, die chinesische Wolong-Gruppe, plane den Abtransport der Produktionsmaschinen während des Betriebsurlaubs im August. "Das ist nicht rechtmäßig und wird von uns mit allen Mitteln bekämpft werden", so die beiden Gewerkschafter Heribert Grasser (Pro-Ge) und Christian Jammerbund (GPA-djp).

Die Mitarbeiter des steirischen Antriebsherstellers forderten einstimmig eine Änderung des derzeitigen Sanierungsplanes, bei dem ein Großteil der Beschäftigten den Arbeitsplatz verlieren würde. Betriebsrat und Belegschaft wollen ein "tragfähiges Fortführungskonzept für den Standort sowie eine seriöse Suche nach Investoren bzw. nach einem möglichen neuen Eigentümer".

Insolvenz Ende Juli

Die Eröffnung der Insolvenz erfolgte am 28. Juli, die Gläubigerversammlung und Berichtstagsatzung ist mit 19. August festgesetzt. Die Prüfungstagsatzung wurde auf den 7. Oktober, die Sanierungsplantagsatzung auf den 21. Oktober gelegt. (apa/red)

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