Stahlindustrie

Arcelormittal: Über 10.000 Mitarbeiter von Ilva im Streik

Die über 10.000 Mitarbeiter des italienischen Stahlwerks Ilva sind in den Streik getreten. Sie protestieren gegen den Kahlschlag, den der weltweit größte Stahlkonzern Arcelormittal plant.

Die über 10.000 Mitarbeiter des italienischen Stahlwerks Ilva sind in den Streik getreten. Sie protestieren gegen den Unternehmensplan des weltweit größten Stahlkonzerns Arcelormittal, der Ilva im vergangenen Jahr übernommen hat. Arcelormittal stellt den Abbau von knapp 4.700 Jobs bis 2023 als Bedingung für die Fortsetzung der Produktion in Italien.

Arcelormittal will gehen - oder tausenden Mitarbeitern kündigen

Ilva-Mitarbeiter beteiligten sich an einer Demonstration in Rom, zu der die größten italienischen Gewerkschaften aufgerufen haben. Den Plänen von Arcelormittal zufolge soll die Zahl der Mitarbeiter in den 2018 übernommenen Stahlwerken in Italien von 10.789 auf 6.098 schrumpfen. Schon 2020 sollen 2.891 Stellen gestrichen werden. Die Stahlproduktion soll von heute 4,5 Mio. auf 6 Mio. Tonnen Stahl im Jahr 2021 steigen.

Der Konzern hatte vor zwei Wochen einen Produktionsstopp in Italien ab dem 20. Dezember angekündigt.

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Plan für Ilva: Millionen Tonnen Stahl mehr, tausende Mitarbeiter weniger >>

Italiens Regierung kündigt Strafmaßnahmen an

Dagegen wehrt sich jedoch die italienische Regierung. Der Arcelormittal-Plan sei unannehmbar, sagte Premier Giuseppe Conte. Er stellte in Aussicht, dass ein Unternehmen mit staatlicher Beteiligung bei Ilva einsteigen könnte.

Dieser Plan wird von den italienischen Gewerkschaften begrüßt. "Die Ilva-Stahlwerke sind für Italiens Industriesystem strategisch. Daher ist einen Einstieg des Staates in das Unternehmen sinnvoll", meinte Gewerkschaftschef Maurizio Landini.

Übernahme 2018

Arcelormittal hatte 2018 zugestimmt, das verlustreiche Stahlwerk Ilva zunächst zu mieten, dann zu kaufen und einschließlich des Kaufpreises 4,2 Mrd. Euro zu investieren. Anfang November teilte der Konzern aber mit, aus dem Übernahmevertrag aussteigen zu wollen. Er begründete den Schritt mit einer Entscheidung des Senats, die Immunität aufzuheben, die die Betreiber bei Verstößen gegen Umweltbestimmungen genießen würden.

Beobachter: Arcelormittal steckt selbst in einer schweren Krise

Experten meinen, Arcelormittal, ein transnationaler Konzern mit Sitzen in Indien und Luxemburg, sei selbst mit einer schweren Krise konfrontiert. Deswegen habe sich der Konzern zum Verzicht auf seine Pläne in Italien entschlossen.

Nach heftigem Protest seitens der Regierung wegen der Rückzugspläne stellte Arcelormittal einen Unternehmensplan für Italien mit dem massiven Jobabbau vor. Dagegen kündigten die Gewerkschaften den Streik an. (APA/red)

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