Stahlindustrie

Arcelormittal: Stahlnachfrage im Aufwind, Konsolidierung soll weitergehen

Die Konsolidierung der Stahlbranche solle weitergehen, meint Frank Schulz, Deutschland-Chef von Arcelormittal. Der Stahlriese hat zuletzt selbst vier Hochöfen stillgelegt. Beim maroden italienischen Stahlwerk Ilva will Arcelormittal dagegen investieren. Zu Fusionsgesprächen von Thyssenkrupp und Tata Steel heißt es: Kein Kommentar.

Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelormittal hat sich für eine weitere Konsolidierung der Schwerindustrie ausgesprochen. "Wir glauben, dass weltweit und nicht nur in Europa eine Konsolidierung vorankommen sollte", sagte der Deutschland-Chef des Konzerns, Frank Schulz, vor Journalisten in Düsseldorf.

Schulz rechnet auch mit einer weiteren Verbesserung der Stahlkonjunktur: "Wir bleiben optimistisch bezogen auf die weitere Erholung der Stahlnachfrage in Europa und in Deutschland."

Millioneninvestitionen in Deutschland - wie der Neubau eines Hochofens in Bremen

Arcelormittal ist in Deutschland stark vertreten. Der Konzern betreibt Werke in Duisburg, Bremen, Hamburg und Eisenhüttenstadt mit insgesamt knapp 9.100 Mitarbeiter Beschäftigten. Schulz äußerte sich zuversichtlich für die Entwicklung der Geschäfte. Die Abnehmerbranchen seien in guter Verfassung, die Nachfrage und auch die Preise hätten angezogen. "Wir blicken recht optimistisch auf das Jahr 2017 und 2018."

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Entsprechend kündigt der Stahlmanager für das laufende Jahr weitere Investitionen in die deutschen Produktionsstandorte an, darunter die Neueinrichtung eines Hochofens in Bremen für 44 Mio. Euro. Weitere Investitionen seien in die Werke in Duisburg, Eisenhüttenstadt und Hamburg geplant.

Im vergangenen Jahr hatte Arcelormittal insgesamt 113 Mio. Euro in seine deutschen Werke investiert. Der Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,6 Mrd. Euro. Die Rohstahlproduktion der mit einer Auslastung von bis zu 95 Prozent unter Hochdruck arbeitenden Werke lag bei rund 7,8 Mio. Tonnen.

Ilva: Keine Stillegungen geplant

Auch die angestrebte Übernahme des italienischen Stahlwerks Ilva durch Arcelormittal sei ein Teil der Konsolidierung, weil dabei Synergien geschaffen werden sollten. "Wir sind auch überzeugt, dass andere Unternehmen in die Richtung gehen sollten." Zuletzt hat der Weltmarktführer von wieder steigenden Stahlpreisen und einer guten Auslastung der Anlagen berichtet.

Zu den laufenden Fusionsgesprächen zwischen den Rivalen ThyssenKrupp und Tata Steel wollte sich der Manager nicht äußern. Die beiden Konzerne sprechen bereits seit dem vergangenen Jahr über die Zusammenlegung ihrer Stahlgeschäfte, durch die die Nummer zweite in Europa nach Arcelormittal entstehen würde.

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Arcelormittal hat zuletzt selbst vier Hochöfen stillgelegt

Die Branche klagt seit Jahren über Überkapazitäten, verweist dabei aber vor allem auf China - den weltweit größten Stahlproduzenten. Schulz betonte, dass Arcelormittal in den vergangenen Jahren selbst die Konsolidierung vorangetrieben habe. So habe der Konzern vier Hochöfen stillgelegt.

Pläne, das Werk Ilva stillzulegen, gebe es aber nicht, sagte der Manager. Arcelormittal Europe verfüge in Italien bis jetzt über keine reinen Stahlerzeugungsanlagen, setze dort aber acht Prozent seiner Produkte ab. Italien sei nach Deutschland der zweitgrößte Stahlmarkt in Europa. Von dort würden auch Nordafrika und die Türkei beliefert.

Nach Reuters-Informationen hat Arcelormittal zusammen mit dem italienischen Konzern Marcegaglia ein Angebot von 1,6 Mrd. Euro für das seit Jahren Verluste schreibende süditalienische Werk Ilva eingereicht, trifft aber auf Konkurrenz unter anderem durch den indischen Konzern JSW Steel.

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Das Werk nahe der Stadt Tarent hat eine Kapazität von mehr als elf Millionen Tonnen und ist damit das größte in Europa. 2016 wurden dort aber nur 5,8 Millionen Tonnen von dem Werkstoff produziert. Die italienische Regierung hatte Ilva 2015 verstaatlicht. (reuters/dpa/apa/red)