Stahlindustrie

Arcelormittal muss Milliardenverlust hinnehmen

Die weltweite Stahlbranche hat ein schwaches Jahr hinter sich - das spürt auch der Stahlriese Arcelormittal: Eine schwache Nachfrage, sinkende Preise und hohe Abschreibungen haben dem Stahlkonzern voriges Jahr einen Milliardenverlust eingebrockt.

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Vor allem in den USA und Europa kämpft der Stahlkonzern Arcelormittal mit Problemen. Der Konkurrent von Thyssenkrupp sieht aber erste Anzeichen, dass sich die Lage zu stabilisieren beginnt und wies dabei auch auf die inzwischen niedrigen Lagerbestände bei Kunden hin.

Die weltweite Stahlnachfrage dürfte 2020 daher leicht steigen, die USA, Europa und Brasilien sollen den Erwartungen zufolge wieder zu einem Wachstum zurückkehren. Die Aktie von Arcelormittal sprang daraufhin zu Handelsbeginn um 11 Prozent nach oben und gab der ganzen Branche Rückenwind.

Sinkende Nachfrage, Überkapazitäten und Preisdruck

Die Stahlbranche hat ein sehr schwaches Jahr hinter sich. Negative Auswirkungen der Handelskonflikte auf die Weltwirtschaft und der Konjunkturrückgang in wichtigen Branchen wie der Autoindustrie sorgten für eine sinkende Nachfrage. Weiter herrschende Überkapazitäten und ein daraus resultierender Preisdruck belasteten die Unternehmen. Dies bekam auch der weltgrößte Stahlhersteller Arcelormittal zu spüren. Unter dem Strich betrug das Minus 2019 rund 2,5 Mrd. US-Dollar (2,27 Mrd. Euro), wie der Konzern mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern noch einen Gewinn von mehr als 5 Mrd. Dollar erzielt.

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Arcelormittal hatte voriges Jahr die Kapazitäten insbesondere in Europa gesenkt. Die Stahlproduktion sank daher 2019 von 92,5 Millionen auf 89,8 Millionen Tonnen. Der Umsatz nahm von 76 Milliarden auf knapp 71 Mrd. Dollar ab. Der für Stahlhersteller wichtige Mittelzufluss blieb jedoch robust, Arcelormittal erzielte einen freien Mittelzufluss von 2,4 Mrd. Dollar.

Erste Entspannungstendenzen

Im vierten Quartal weitete Arcelormittal den Nettoverlust nochmals aus - von 539 Millionen auf knapp 1,9 Mrd. Dollar. Dabei musste Arcelormittal nochmals Abschreibungen auf das US- sowie das europäische Geschäft hinnehmen.

Für das neue Jahr sieht das Management um den Vorstands- und Verwaltungsratsvorsitzenden Lakshmi Mittal erste Entspannungstendenzen. Zwar geht er weiter von schwierigen Marktbedingungen aus. Jedoch sieht Mittal "ermutigende Anzeichen" für eine Verbesserung, insbesondere in den Kernmärkten USA, Europa und Brasilien. Hier erwartet der Konzern für 2020 wieder eine steigende Stahlnachfrage, nachdem die Märkte dort 2019 Prognosen zufolge zum Teil deutliche Rückgänge verzeichneten. Die Lagerbestände von Kunden seien nach dem Abbau in der Vergangenheit auf einem niedrigen Niveau, sie kehrten daher auf den Markt zurück. Dies gehe auch mit einem verbesserten Preisumfeld einher.

Weltweit rechnet Arcelormittal für 2020 mit einem Marktwachstum von einem bis zwei Prozent, nach geschätzten 1,1 Prozent Plus im Vorjahr. Während für die drei großen Kernmärkte mit einer Rückkehr des Wachstums gerechnet wird, zeigt sich Arcelormittal für China vorsichtig. Auch wegen des derzeit grassierenden Coronavirus rechnet der Konzern mit einem sich abschwächenden Wachstum im Vergleich zum Vorjahr.

Für Arcelormittal hat eine robuste Bilanz sowie eine Senkung der Verschuldung Priorität. Für das neue Geschäftsjahr kündigte der Konzern weitere Einsparungen an, die eine Milliarde Dollar erreichen können. (apa/dpa-AFX)