Arbeitsmarkt

Arbeitsmarktservice: Prognose von 800.000 Arbeitslosen "nicht seriös"

Johannes Kopf, Chef des Arbeitsmarktservice, erwartet in den nächsten Monaten steigende Arbeitslosenzahlen. Die Prognose von 800.000 Arbeitslosen sei jedoch "nicht seriös". Nach seinen Worten hatten viele jener Firmen, die jetzt Menschen entlassen, lange vor Corona Probleme oder den Wunsch, Jobs zu streichen.

AMS-Chef Johannes Kopf erwartet in den nächsten Monaten steigende Arbeitslosenzahlen, aber nicht 800.000 Arbeitslose. "In absoluten Zahlen wird sie natürlich steigen - um rund 100.000, möglicherweise 120.000 auf mehr als 500.000", sagte Kopf in der "Kleinen Zeitung". "Die 800.000 halte ich nicht für seriös, die sehen wir gar nicht." Eine aussagekräftige Einschätzung der Auswirkungen der Coronakrise auf dem Arbeitsmarkt sei aber erst nächsten Sommer möglich.

"Viele Firmen hatten schon länger Probleme"

Die jüngsten Stellenstreichungen in Industriebetrieben schätzt der Vorstand des Arbeitsmarktservice nicht als Beginn einer neuen Kündigungswelle ein. "Viele Firmen hatten schon länger Probleme, etwa weil die Automobilbranche kriselt. Oder FACC, wo die Flugzeughersteller schon länger Probleme haben. Swarovski will auch schon länger die Produktion verlagern. Und dass die Doka sich mit einem riesigen Verleihsystem selbst konkurrenziert, ist mir auch bekannt", sagte Kopf. "Mir erscheint es noch zu früh, aus dieser Liste von Unternehmen auf einen wirklichen Einbruch der Beschäftigung in der Industrie zu schließen. Wir sehen noch keine zweite Welle."

Übersicht dazu:
Von FACC über MAN Steyr bis Voestalpine: Kündigungswelle in Österreich >>

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Zur Frage, ob die 250 neuen Mitarbeiter reichen, sagte Kopf: "Es sind nicht so viele, wie wir nach unserer Rechnung eigentlich brauchen, aber wir wollen nicht undankbar sein." Eingestellt werde das Personal vor allem in den Tourismusbundesländern Tirol und Salzburg. Auch die telefonische Erreichbarkeit soll verbessert werden. Das AMS hatte in der ersten Welle der Coronavirus-Pandemie bis zu 160.000 Firmen zu betreuen. Zum Vergleich: In der Wirtschaftskrise 2009 waren 600 Firmen in Kurzarbeit. (apa/red)