Metaller-KV

Arbeitgeber wollen lieber über den Standort reden als über Geld

Zur Stunde verhandeln die Sozialpartner in der Maschinen- und Metallwarenindustrie über die neuen Kollektivverträge. Die Arbeitgeber wollen lieber über die großen Trends der Gegenwart sprechen als über Löhne - Vertreter der Arbeitnehmer verweisen darauf, dass dies nicht die richtige Plattform dafür sei.

Die Sozialpartner in der Maschinen- und Metallwarenindustrie setzen zur Stunde ihre Kollektivvertragsverhandlungen in der zweiten Runde fort.

Mit den Metallern wird traditionell die Herbstlohnrunde eingeleitet. In diesen Wochen verhandeln die sechs Fachverbände der Metallindustrie für ihre rund 180.000 Beschäftigten sowie das Metallgewerbe mit 200.000 Arbeitnehmern. Danach folgt der Handel mit einer halben Million Arbeitnehmern. Der Kollektivvertrag regelt den Mindestlohn, unter dem kein Arbeitgeber bezahlen darf. Er darf aber überzahlen, das ist dann der sogenannte "Ist-Lohn".

In den Verhandlungen der Metaller wollen die Vertreter der Arbeitgeberseite heuer das traditionsreiche Feilschen um die Lohnerhöhung auf neue Beine stellen und allgemein über den Wirtschaftsstandort reden.

Davon halten die Arbeitnehmervertreter nichts, denn bei den KV-Gesprächen gehe es ums Geld, für alles andere gebe es andere Plattformen. "Für die Standortdebatte ist das nicht der richtige Ort, wir wollen bei den Verhandlungen den Menschen mehr Geld bringen", so Arbeitnehmervertreter Rainer Wimmer (Pro-GE) zur APA. Und sein Co-Verhandler Rudolf Wagner (GPA) ergänzte: "Wir haben seit über einem Jahr die Plattform 'Industrie 4.0' wo wir über all die Standortfragen reden können." In dieser Plattform ist neben den Sozialpartnern auch noch das Infrastrukturministerium vertreten.

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Aktuell dazu:
Herbstlohnrunde der Metaller: Arbeitnehmer fordern drei Prozent mehr >>

Christian Knill, Obmann des Fachverbandes der Maschinen-, Metallwaren - und Gießereiindustrie, bekräftigte heute vor Verhandlungsbeginn, dass er aus den eingefahrenen Wegen ausbrechen möchte. Es sei überholt, nächtelang nur über einen Prozentsatz zu feilschen. Vielmehr müsse man über Weiterbildung reden um den Anforderungen der Digitalisierung der Industrie gerecht zu werden. Dazu gehörten etwa neue Berufsbilder. Und auch wenn es beim Thema Arbeitszeit eine Einigung im heurigen Sommer gegeben hat, sei das Thema "noch nicht ganz vom Tisch", so Knill im Gespräch mit der APA.

FMMI verweist auf große Unterschiede in der Branche

Knill wiederholte die jahrelange Forderung der Industrie nach einer stärkeren Verlagerung der KV-Gespräche auf die Betriebsebene. Denn in der Branche gebe es große Unterschiede. Dies ignorierten aber die Gewerkschaften, sie würden sich nur an den besten zehn Prozent orientieren. Die Gewerkschaften hingegen sehen in Betriebs-Kollektiverträgen den Versuch der Arbeitgeber, die Solidargemeinschaft der Arbeitnehmer zu spalten und so deren Schlagkraft zu schwächen.

Schnelle Einigung unwahrscheinlich

Eine Einigung heute gilt als ausgeschlossen, es werde heute auch keine Verhandlungsrunde bis tief in die Nacht geben, hieß es aus Verhandlungskreisen. GPA und Pro-GE fordern drei Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Freizeitoption, also die Möglichkeit, auf die KV-Erhöhung zu verzichten und dafür ein paar Tage Extraurlaub zu erhalten. Im Vorjahr gab es bei einer vergleichbaren Inflationsrate 1,5 Prozent mehr Lohn. (apa/red)