Autoindustrie

Apple will offenbar Sportwagenhersteller McLaren kaufen

Beim Geschäft mit den Daten von Menschen drängen branchenfremde Konzerne wie Google und Apple auch in die Autoherstellung. Bei Apple nehmen die Pläne nun offenbar konkrete Gestalt an: Der Computerhersteller will die Rennwagen-Schmiede McLaren.

Schon seit fast zwei Jahren wird spekuliert, Apple wolle ein Auto bauen. Jetzt fällt erstmals der Name eines Herstellers, an dem der iPhone-Konzern interessiert sein soll: die Rennwagen-Schmiede McLaren.

Es ist das bisher heißeste Gerücht zu Apples Autoplänen: Der iPhone-Konzern zeigt nach Informationen der "Financial Times" Interesse an dem britischen Sportwagen-Anbieter McLaren. Im Gespräch seien eine komplette Übernahme oder eine strategische Beteiligung, schrieb die Zeitung unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen.

Die Gespräche hätten bereits vor einigen Monaten begonnen. Die Verluste schreibende Autofirma, zu der auch ein Formel-1-Team gehört, könne eine bis eineinhalb Mrd. Pfund (bis zu 1,74 Mrd. Euro) wert sein, hieß es.

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Sportwagen mit einem Preis bis zu einer Million Euro

McLaren baut straßentaugliche PS-starke Sportwagen, die mehrere hunderttausend Euro und bis zu einer Million Euro kosten können. Im vergangenen Jahr stellte McLaren 1.654 Fahrzeuge her. Zugleich ist die Firma aber nicht zuletzt durch ihren Formel-1-Rennstall auch stark beim Einsatz innovativer Kunststoff-Materialien und der Autoelektronik.

Insofern müssten aus dem Zusammenschluss nicht zwingend nur unbezahlbare Straßenflitzer hervorgehen. Die Kalifornier seien besonders am Expertenwissen und den Patenten der Briten interessiert. Apple wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren. Auch McLaren lehnte der "Financial Times" zufolge einen Kommentar ab.

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Über Apples Pläne für das Autogeschäft wird schon seit Anfang 2015 spekuliert, während der Konzern selbst sich dazu bedeckt hält. Zuletzt hieß es in Medienberichten, der Fokus verlagere sich eher auf die Entwicklung von Software für Roboterwagen statt der ursprünglichen Pläne für den Bau eines eigenen Elektro-Autos. Das gebe Apple aber mehr Flexibilität, wenn der Konzern sich doch dafür entscheide, sich mit einem etablierten Autobauer zusammenzutun oder einen zu kaufen, schrieb der Finanzdienst Bloomberg im Juli.

Vor zehn Tagen berichtete die "New York Times" dann, Apple habe angefangen, selbstfahrende Autos zu testen. Die Roboterwagen seien auf eingeschränkten Strecken in abgeschirmter Umgebung unterwegs.

Apple investiert eine Milliarde Dollar in Fahrdienstanbieter

In diesem Jahr investierte Apple bereits überraschend eine Milliarde Dollar (894 Mio. Euro) in den chinesischen Fahrdienst-Vermittler Didi Chuxing. Konzernchef Tim Cook sprach von einer strategischen Investition in den Uber-Konkurrenten.
Bei dem genannten Preisniveau für McLaren wäre das der zweitgrößte Zukauf von Apple nach der Übernahme des Kopfhörer-Anbieters Beats Electronics samt angeschlossenem Musik-Streamingdienst für 3 Mrd. Dollar.

Apple sitzt auf Geldreserven von 230 Mrd. Dollar. Über 90 Prozent davon lagern außerhalb der USA, vor allem in Irland.

Die EU-Kommission forderte von Apple gerade erst, potenziell mehr als 13 Mrd. Euro Steuern an Irland nachzuzahlen, weil die Steuervereinbarungen mit dem Land als illegale Beihilfe eingestuft wurden. (APA/dpa/Reuters/red)

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