Telekommunikation

Apple sitzt auf 110 Milliarden Dollar Schulden - um Steuern zu sparen

Apple sitzt aus steuerschonenden Gründen auf einem Schuldenberg von beeindruckenden 110 Milliarden Dollar. Die Steuerreform in den USA bringt den Aktionären des Herstellers jetzt einen wahren Geldregen.

Die US-Steuerreform bringt Apple-Aktionären einen Geldregen: Der iPhone-Konzern schüttet über einen Aktienrückkauf weitere 100 Mrd. Dollar (rund 83 Mrd. Euro) aus. Zugleich blieb das von einigen Analysten erwartete Absacken der iPhone-Verkäufe im vergangenen Quartal aus. Das teure iPhone X war dabei das bestverkaufte Apple-Telefon.

Das brachte Apple einen Quartalsgewinn von 13,8 Mrd. Dollar ein, nach gut 11 Milliarden im Vorjahresquartal.

Zuletzt hatten einige Marktbeobachter schlechtere Zahlen befürchtet, nachdem mehrere Zulieferer schwache Prognosen abgegeben hatten. Es wurde auch immer wieder spekuliert, das über 1.000 Euro teure iPhone X schwächele nach einem ersten Schub im Weihnachtsgeschäft.

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Jetzt betonte Tim Cook, das iPhone X sei das am besten verkaufte Apple-Telefon in jeder Woche des Quartals gewesen. Und im schwierigen chinesischen Markt sei es insgesamt die Nummer eins unter verschiedenen Smartphone-Modellen gewesen.

Der durchschnittliche iPhone-Verkaufspreis erreichte dadurch 728 Dollar. Er lag damit zwar unter dem Rekord von 796 Dollar aus dem Weihnachtsquartal - aber vor einem Jahr lag der Durchschnittspreis noch bei 655 Dollar. Apple heimst damit den Großteil der Gewinne im gesamten Smartphone-Geschäft ein.

Apple verkaufte insgesamt 52,2 Millionen iPhones. Das waren drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor und in etwa so viele wie im Schnitt von Analysten erwartet. Der Umsatz wuchs in dem Ende März abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal um 16 Prozent auf 61,1 Mrd. Dollar.

Die Aktie, die in den vergangenen Wochen angesichts der Sorgen um den iPhone-Absatz unter Druck stand, legte im nachbörslichen Handel zeitweise um rund vier Prozent zu.

Der Umsatz in der Rubrik andere Produkte stieg im Jahresvergleich um 38 Prozent auf 3,95 Mrd. Dollar. Dazu dürfte der vernetzte Lautsprecher HomePod seinen Beitrag geleistet haben. Zugleich waren die Erlöse aber um 28 Prozent niedriger als im Weihnachtsquartal mit laut Analysten sehr starken Verkäufen der Computer-Uhr Apple Watch. Der Konzern nennt keine Absatzzahlen zu beiden Geräten.

Im Service-Geschäft mit Diensten wie Apple Music oder dem Speicherdienst iCloud stiegen die Erlöse um 31 Prozent auf 9,2 Mrd. Dollar. Verschiedene Apple-Angebote hätten jetzt 270 Millionen zahlende Abo-Kunden, sagte Konzernchef Tim Cook. Das sind 100 Millionen mehr als vor einem Jahr.

Trotz des starken Wachstums dieser beiden Geschäftsbereiche war das iPhone immer noch das mit Abstand wichtigste Apple-Produkt und brachte 62 Prozent der Erlöse ein.

Apple bringt den Großteil seiner Auslandsreserven von zum Schluss fast 270 Mrd. Dollar in die USA zurück, weil die Steuerreform dafür deutlich geringere Abgaben vorsieht als bisher. Es wurde bereits erwartet, dass der Konzern damit eine großzügige Ausschüttung an die Aktionäre plant. Bisher addierten sich Apples beschlossene Ausschüttungen an Aktionäre über Rückkäufe und Dividenden auf 300 Mrd. Dollar. Davon wurden noch rund 25 Mrd. Dollar nicht umgesetzt.

Allein im vergangenen Quartal kaufte Apple Aktien im Wert von 23,5 Mrd. Dollar zurück. Diese Maßnahme treibt üblicherweise den Aktienkurs hoch. Und Finanzchef Luca Maestri betonte, dass Apple die Aktie weiterhin für unterbewertet halte und eher zu Rückkäufen statt höheren Dividenden tendiere.

Apple hat jetzt noch insgesamt Geldreserven von 267,2 Mrd. Dollar und 110 Mrd. Dollar Schulden. Der Konzern hatte sich in den vergangenen Jahren Geld für Ausschüttungen an Aktionäre geliehen - weil das billiger war, als die damals geltende US-Steuer von 35 Prozent auf Auslandsgewinne zu zahlen. Erklärtes Ziel ist, die Reserven auf Dauer nur auf Höhe der Schulden zu halten. (dpa/apa/red)

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