Anlagenbau

Anlagenbauer TGW spürt starken Rückenwind - und den Mangel an Fachkräften

Der in Wels ansässige Logistikanlagenbauer TGW konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr seine Ergebnisse deutlich nach oben schrauben. Zugleich setzt dem Hersteller der Mangel an Fachkräften immer stärker zu. TGW hat deshalb eine breite eigene Bildungsinitiative gestartet - inklusive der Gründung einer eigenen Privatschule.

"Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich der Trend bei Wachstum und der Profitabilität fortgesetzt. Wir könnten noch dynamischer wachsen, würden wir mehr Fachkräfte aus technischen Studienrichtungen finden", meint Georg Kirchmayr, Chef des Welser Anlagenbauers TGW.

Der Welser Logistikanlagenbauer TGW hat im abgelaufenen Geschäftsjahr (per 30. Juni) seinen Umsatz um fast 12 Prozent auf 531,8 Mio. Euro und das Ebit um 40 Prozent auf 40,9 Mio. Euro gesteigert.

Das teilte der Geschäftsführer des Unternehmens, Georg Kirchmayr, in einer Pressekonferenz in Linz mit. Im Jahr davor hatte es einen Sprung beim Umsatz um fast plus 30 Prozent und beim Ebit um fast plus 90 Prozent gegeben.

Eckdaten zum Unternehmen

TGW bietet verschiedene innerbetriebliche Logistiklösungen in der Größe von kleinen Fördertechnik-Anwendungen bis zu komplexen Logistikzentren an und konzentriert sich dabei auf den Textil- und Lebensmittelhandel sowie General Merchandise und E-Commerce. Zu den Kunden zählen unter anderem Amazon, Adidas, Esprit, Conrad, Zalando und Coop.

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"Durch den boomenden E-Commerce-Sektor haben wir einen Rückenwind, der sich wohl auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird", ist Kirchmayr überzeugt. Die Zahl der Mitarbeiter des Familienunternehmens, dessen Anteile in einer Stiftung platziert sind, ist zuletzt von 2.350 auf 2.600 gestiegen. Rund die Hälfte davon wird in Österreich beschäftigt. Niederlassungen gibt es in 14 Ländern, Produktionsstätten in drei Kontinenten. Nahezu der gesamte Umsatz wird außerhalb von Österreich gemacht.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres habe man Aufträge mit einem Volumen von 254 Mio. Euro an Land gezogen. Darunter ein Projekt in der Größenordnung von Coop, eine Verteilzentrale in der Schweiz um 100 Mio. Euro, das nun bald abgeschlossen sein wird. Der Firmenchef geht von einem neuerlichen Wachstum von mehr als 10 Prozent aus.

Kampf um die Jugend in Oberösterreich

Allerdings werde das Wachstum durch den von Kirchmayr schon häufiger beklagten Fachkräftemangel begrenzt. "Unser Fachbereich ist sehr spezialisiert, es gibt nur ganz wenige Ausbildungszweige, die künftige Mitarbeiter adäquat auf unsere Branche vorbereiten. Natürlich ist die Ausbildung ein wichtiger Aspekt beim Thema Fachkräftemangel. Techniker sind äußerst gefragt, was sich an den ausgeschriebenen Stellen zeigt. Über ein Drittel der in Österreich ausgeschriebenen technischen Stellen befindet sich in Oberösterreich. Der ‚War of Talents' ist bei uns also ganz besonders intensiv."

Generell gefällt es Kirchmayr nicht, dass es "im Industriebundesland Nummer eins mit seinem enormen Bedarf an Technikern" so wenige Absolventen in den MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, gebe.

Trotz aller Förderungen: MINT-Fächer schaffen es nicht, genug junge Menschen zu begeistern

Bis 2018 werden am TGW-Standort in Wels 250 Experten für die Bereiche Steuerungstechnik, Informatik, Mechatronik, Projektmanagement, System Design und Bilderkennung bzw. Bildverarbeitung gesucht – für diese Bereiche ist ein MINT-Hintergrund erforderlich.

Zur automatischen Kommissionierung von Versandpaketen werden Greifroboter eingesetzt, die die verschiedenen Teile erkennen und wissen müssen, wo sie liegen und wie sie anzufassen sind. Das sei ohne derartige Kompetenzen nicht zu machen.

Zum Fachkräftemangel meint Kirchmayr: "Langsam glaube ich nicht, dass sich dabei signifikante Änderungen ergeben werden".

TGW startet selbst breit angelegte Bildungsinitiativen

Deshalb hat das Unternehmen eigene Bildungsinitiativen ergriffen: Eine Privatschule wurde gegründet, in Zusammenarbeit mit Linzer Kepler-Universität gibt es ein Stipendienprogramm für Master-Studierende der Statistik, Mathematik und Wirtschaftsinformatik mit einem Angebot auf Festanstellung bei erfolgreichem Abschluss.

Außerdem werden 120 Lehrlinge in Österreich ausgebildet, in einer eigenen "Akademie" werden unter anderem Führungskräfte geschult, ein Personaltausch zwischen den Standorten soll auch das Verständnis für andere Kulturen fördern.

Weil der Standort der Zentrale in Wels zu klein geworden ist, sollen im benachbarten Marchtrenk ein Bürokomplex für mehr als 500 Mitarbeiter und eine Fertigung mit 13.000 Quadratmetern gebaut werden: Spatenstich demnächst, Fertigstellung bis Mitte 2018, Investitionskosten 55 Mio. Euro.

Jüngster Metaller-KV "vertretbar", die Prozente "völlig wurscht"

Zum jüngsten Lohnabschluss in der heimischen Maschinen- und Metallwarenindustrie sagte Kirchmayr: "Ich meine, er ist vertretbar". Allerdings kritisierte der Firmenchef zugleich das "inszenierte Theater" - "die Prozente sind völlig wurscht, ein Nebensatz in der Geschichte. Ich nehme das hin und mache das Beste daraus". Wichtiger wäre es aber, dass die Sozialpartner über die Überregulierung und Arbeitszeitverkürzung reden. (red/apa)

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