Außenhandel

Angst vor einer zweiten Coronawelle in China

Das jahrzehntelange Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat durch die Coronakrise ein jähes Ende gefunden. Nun wächst die Sorge wegen einer drohenden zweiten Coronawelle - doch ökonomisch gebe es auch ermutigende Signale, sagen Beobachter.

Das jahrzehntelange Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat durch die Coronakrise ein jähes Ende gefunden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach im ersten Quartal um 6,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum ein - der erste Rückgang überhaupt seit dem Start der Quartalsstatistik 1992, wie das Statistikamt in Peking mitteilte.

Ende 2019 hatte es noch zu einem Wachstum von 6 Prozent gereicht, ehe die Virusepidemie ab Jänner zu Ausgangsbeschränkungen, Werks-und Geschäftsschließungen sowie Massenkündigungen führte und damit die Konjunktur in die Knie zwang. Auch wenn es erste Anzeichnen für eine Belebung gibt, droht der Volksrepublik heuer das schwächste Wachstum seit dem Ende der Kulturrevolution 1976: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt ein Plus von 1,2 Prozent voraus.

"Es gibt auch ermutigende Signale: Die Industrieproduktion und die Investitionen haben sich im März bereits spürbar von ihrem vorangegangenen Einbruch erholt", sagte der Chefvolkswirt von Union Investment, Jörg Zeuner. Allerdings bleiben die Verbraucher vorsichtig: Die Einzelhandelsumsätze brachen im März um 15,8 Prozent ein. "Einige neue lokale Covid-19-Fälle verstärken die Besorgnis über eine neue Welle der Virusverbreitung", erklärte Commerzbank-Ökonom Hao Zhou die Zurückhaltung der Konsumenten. Analysten gehen davon aus, dass wegen der Krise fast 30 Millionen Chinesen heuer ihren Job verlieren werden. Auch das dürfte einer kräftigen Belebung der Binnenkonjunktur im Weg stehen.

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Das erhöht den Druck auf die chinesische Führung, weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Folgen der Pandemie zu ergreifen. Die Zentralbank dürfte bereits am Montag erneut ihren Leitzins senken, um mit billigerem Geld die Wirtschaft anzuschieben. Die Regierung hat bereits ihre Ausgaben hochgefahren, Steuern gesenkt und Sonderanleihen der Kommunalverwaltungen für Großprojekte erlaubt. Die Zentralbank verlangt zudem von den Geschäftsbanken weniger Rücklagen, so dass das dadurch frei werdende Geld in die Wirtschaft gepumpt werden kann. "Alles in allem wird die Zentralbank noch viel mehr tun", erwartet Commerzbank-Experte Zhou.

Nicht zuletzt die deutsche Wirtschaft setzt große Hoffnungen darauf, dass ihr mit Abstand wichtigster Handelspartner wieder Tritt fasst. So setzt der Autobauer Volkswagen auf sein starkes China-Geschäft, das nach der Eindämmung des Virus dort bereits angelaufen ist. Von den deutschen Unternehmen wird die wirtschaftliche Lage in Europa und den USA mittlerweile schlechter eingeschätzt als in China. "Womöglich gehen die Unternehmen hier davon aus, dass der Höhepunkt der Coronapandemie bereits hinter ihnen liegt", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, zur Umfrage des DIHK unter 4.000 Firmen.

Das Statistikbüro in Peking geht davon aus, dass das langfristige Wachstum nicht von den kurzfristigen Auswirkungen der Corona-Krise beeinträchtigt wird. Der Ausbruch des neuartigen Virus Ende sei zwar die schwierigste Notsituation seit der Gründung der Volksrepublik, aber die wirtschaftlichen Fundamente seien intakt, sagte ein Sprecher.
Die Volksrepublik hatte wegen der Epidemie das öffentliche Leben massiv eingeschränkt, wobei viele Unternehmen nicht mehr arbeiten konnten. Mit dem Rückgang der Infektionszahlen wurden diese Beschränkungen wieder gelockert.

Die Epidemie, die Ende 2019 in der Provinzhauptstadt Wuhan begann, hat sich inzwischen zu einer Pandemie ausgeweitet: Weltweit wurden mehr als zwei Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 140.000 starben. (reuters/apa/red)

Hintergrund:
Wie China der Welt eine globale Seuche beschert hat >>

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