Maschinenbau

Andritz: Weniger Umsatz und mehr Gewinn in der Flaute

Die schwache Weltwirtschaft belastet den steirischen Anlagenbauer Andritz. Doch angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen "sind wir mit dem Ergebnis zufrieden", so Konzernchef Wolfgang Leitner.

Hier die jüngsten Zahlen von Andritz in einer Grafik - zur Vergrößerung ins Bild klicken.

Der börsennotierte Anlagenbauer Andritz erhofft sich für das zweite Halbjahr mehr Neuaufträge im Hydro-Bereich, um den bisherigen Rückstand aufholen zu können. Als globale Schwächeregionen sieht Konzernchef Wolfgang Leitner China, Brasilien und Chile an, Nordamerika und Europa dagegen liefen gut, sagte er. Direkte Brexit-Effekte erwartet er nicht, aber womöglich indirekt über EU und Euro.

Auftragspolster von über drei Milliarden Euro

Im Wasserkraft-Bereich stünden heuer noch interessante Vergaben an, für die man sich gute Chancen ausrechne, so Leitner vor Journalisten. Bei dem aktuell in Brasilien abgeblasenen Tapajos-Großwasserkraftwerk war man nicht dabei, es war noch nicht einmal genehmigt, geschweige denn ausgeschrieben. Der Hydro-Auftragspolster von Andritz lag zur Jahresmitte mit 3,33 Mrd. Euro um 11 Prozent unter dem Vorjahreswert, insgesamt sank der Orderstand um vier Prozent auf 7,08 Mrd. Euro. Das sei ein ausreichend hohes und unverändert gutes Niveau. In der Hauptsparte Hydro sei die Projekt- und Investitionstätigkeit verhalten, es gebe aber selektive Vergaben größerer Vorhaben.

Einige neue Wasserkraftprojekte seien in fortgeschrittener Planung, Modernisierungen seien wegen der niedrigen Strom- und Energiepreise aber bis auf weiteres verschoben, so der Anlagenbauer. Neue Aufträge kamen bis Juni wegen des anhaltend fordernden Umfelds nur 591 Mio. Euro (-26 Prozent) herein, der Umsatz sank um 7 Prozent auf 807 Mio. Euro. Die Margen lagen aber höher, beim EBITDA bei 8,9 (8,5) Prozent.

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Im zweitgrößten Segment Pulp & Paper sieht Leitner eine relativ kontinuierliche Entwicklung, doch seien Investments bei Industriekesseln verhalten, vor allem zur Energiegewinnung, und neue Zellstoffwerke wurden im zweiten Quartal keine vergeben. Die Zellstoffwerk-Modernisierungen und -Erweiterungen liefen solide. Bei 980 Mio. Euro Umsatz (-6 Prozent) und unverändert 916 Mio. Euro Neuaufträgen legte die EBITDA-Marge der Sparte auf 9,2 (7,8) Prozent zu.

Gute Entwicklung im Bereich Metallumformung

Im Metals-Sektor läuft es laut Leitner im Bereich Metallumformung, in dem die deutsche Tochter Schuler tätig ist, weiterhin recht gut - die Investitionstätigkeit der klassischen Stahlindustrie dagegen sei weiter sehr niedrig. In der Metallumformung habe es im zweiten Quartal einzelne Aufträge von Automobilherstellern gegeben, für die "bei Gewichtseinsparungen weltweit führende" Schuler einen von Daimler zur Modernisierung und einen für eine Anlagen-Neuinvestition bei Tesla. Der Metals-Auftragseingang legte bis Juni um 29 Prozent auf 769 Mio. Euro zu, der Umsatz lag mit 704 Mio. Euro um fast 12 Prozent tiefer. Die EBITDA-Marge gab auf 7,5 (7,6) Prozent nach.

Im Segment Separation ist die Marktentwicklung laut Leitner unverändert differenziert. Während es im Umwelt-, Klärschlamm- und Chemieindustrie-Bereich sowie bei Mineralstoffen eine zufriedenstellende Aktivität gebe, sei die Lebensmittelindustrie eher schwach, speziell die Milchwirtschaft, also die Molkereien. Der Auftragseingang blieb bis Juni mit 290 Mio. Euro aber etwa gleich hoch, die Erlöse sanken um ein Zehntel auf 270 Mio. Euro, die EBITDA-Marge wuchs auf 5,3 (5,0) Prozent; dennoch sei die Rentabilität noch immer nicht so hoch, wie man sie haben wolle.

Für die verbleibenden Monate des Jahres 2016 rechnet Leitner insgesamt mit einem leicht niedrigeren Umsatz, aber einer Fortsetzung der guten Rentabilitätssituation. In Hydro werde man einiges bei den Aufträgen aufholen können gegenüber dem ersten Halbjahr, bei Pulp & Paper sei die Auftragslage verhalten, bei Metals dagegen gut. Im Bereich Separation rechne er mit einer Fortsetzung des leicht nach oben gerichteten Trends, so Leitner.

Leitner: Nordamerika/Europa laufen gut, China, Brasilien schwächeln

In Summe machte Andritz im ersten Halbjahr mit weniger Umsatz etwas mehr Gewinn. Die Erlöse sanken um 8,1 Prozent auf 2,76 Mrd. Euro, das Konzernergebnis nach Abzug nicht beherrschender Anteile stieg dagegen um 5,5 Prozent auf 120,2 Mio. Euro. Der Auftragseingang um ersten Halbjahr lag mit 2,57 Mrd. Euro um 0,5 Prozent unter Vorjahr. Der Auftragsstand per 30. Juni betrug 7,07 Mrd. Euro, 3,4 Prozent niedriger als Ende 2015.

Der Mitarbeiterstand wuchs im Jahresabstand um 3,0 Prozent auf 25.737 (24.992). Grund für das Plus war die erstmalige Konsolidierung der deutschen AWEBA Werkzeugbau Aue in Sachsen mit 580 Mitarbeitern sowie der Yangzhou Metal Forming Machine Tool in Yadon (China) mit 991 Mitarbeitern. Insgesamt waren für Andritz in China zuletzt 3.108 Leute tätig, in Deutschland 6.540 und in Österreich 3.360. Von den Beschäftigten entfallen 69 Prozent auf Europa und Nordamerika - und 31 Prozent auf Emerging Markets, wobei man diesen Anteil steigern wolle.

10 bis 15 Prozent der Andritz-Umsätze entfallen auf China, bei den Neuordern zuletzt sogar knapp ein Fünftel. Natürlich sei das Risiko in China höher als woanders, die China-Stimmung sei aber leicht positiv. Leitner: "Für China sind wir eine Spur optimistischer als vor einem halben Jahr." Für einen Abschwung spreche wenig, aber auch wenig für einen Boom.

Durch den Austritt Großbritanniens aus der EU - den Brexit - sieht Andritz laut Leitner "keine besonders dramatischen Auswirkungen". Schon in den letzten Jahren sei "in England in unserer Branche wenig investiert" worden. Als Markt für Andritz werde die Auswirkung "sehr gering" sein. In Großbritannien verfolge man ein größeres Wasserkraftprojekt, ob das - mit GE zusammen - zustande komme, hänge auch von Förderungen ab. Über indirekte Brexit-Effekte via EU oder Euro könne man aber philosophieren. Abgesehen davon sei die "Perspektivlosigkeit" der EU nicht positiv für Wirtschaft und Euro.

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Im Halbjahresbericht heißt es: "Sollte sich das Wirtschaftswachstum in Europa als Folge des Austritts Großbritanniens deutlich verringern, so könnte dies eine negative Entwicklung auf die Geschäftsentwicklung der Andritz-Gruppe haben, da Europa mit durchschnittlich 35 bis 40 % Anteil am Gesamtumsatz die wichtigste Wirtschaftsregion für die Andritz-Gruppe darstellt. Das direkte Geschäftsvolumen der Andritz-Gruppe mit Großbritannien ist als sehr gering einzustufen." (apa/red)

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