Erdgas

Analysten der Sberbank kritisieren Gazprom - und müssen gehen

Analysten der russischen Sberbank haben geschrieben, der Gaskonzern baue seine Pipelines zu teuer und nehme zu wenig Rücksicht auf die eigenen Interessen. Nun müssen sie gehen.

Russlands größtes Geldhaus Sberbank hat sich von zwei Analysten getrennt - wegen eines kritischen Berichts über den mächtigen Gaskonzern Gazprom. Die Analyse-Abteilung habe eine neue Führung erhalten, sagte der Vizepräsident der Investmenttochter Sberbank CIB, Andrej Schemetow, beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Das meldete die Agentur Tass.

Bericht war "unprofessionell"

Die Analysten hatten in einem Bericht geschrieben, Gazprom baue seine Pipelines zu teuer und scheine mehr Rücksicht auf die Baufirmen als auf die eigenen Interessen zu nehmen. Genannt wurde vor allem die neue Leitung "Sila Sibiri" (Stärke Sibiriens) nach China. Der Bericht sei unprofessionell gewesen und habe gegen firmeninterne und ethische Normen verstoßen, sagte Sberbank-Vizepräsident Igor Bulanzew.

Die Sberbank-Analysten hatten sich schon 2017 in die Nesseln gesetzt, als sie unter der Überschrift "Wir müssen über Igor reden" den wachsenden Einfluss von Rosneft-Chef Igor Setschin kritisierten. Der Vertraute von Präsident Wladmir Putin erweitere das Rosneft-Imperium rücksichtslos, was dem Ölkonzern wie dem Investitionsklima in Russland schade. Die Sberbank entschuldigte sich für den Bericht.

White Paper zum Thema

Die staatskontrollierten Energiekonzerne Gazprom und Rosneft erwirtschaften einen Großteil der russischen Staatseinnahmen, gelten aber als ineffektiv und intransparent. Auch Sberbank ist staatlich, gilt aber unter dem liberalen Ex-Wirtschaftsminister German Gref als gut geführt. (dpa/apa/red)