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Ambivalentes Jahr für die Baustoffindustrie

Die Baustoffindustrie zieht für das abgelaufene Jahr eine recht gemischte Bilanz: Mit einem Boom beim Wohnbau und der Flaute im Straßenbau. Der Umsatz stieg trotzdem, und zwar im Jahresabstand um über einen Prozent auf 3,42 Milliarden Euro.

Die Baustoffindustrie zieht für 2016 eine recht gemischte Bilanz - der Wohnbau florierte, der Straßenbau lahmte. Insgesamt steigerte die Branche ihre Umsätze gegenüber dem Jahr davor um 1,1 Prozent auf 3,42 Mrd. Euro. "Das ist immer noch deutlich unter dem generellen BIP-Wachstum von 1,6 Prozent", sagte der Geschäftsführer des Fachverbands Steine-Keramik in der WKÖ, Andreas Pfeiler.

Die Industriezulieferer aus dem Baustoffsektor entwickelten sich mit einem marginalen Umsatzminus von 0,1 Prozent stabil, den bauaffinen Branchen ging es mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs bei den Verkaufserlösen von 1,43 Prozent wesentlich besser. Insgesamt sanken die Beschäftigungszahlen in der Baustoffindustrie 2016 jedenfalls um 1,7 Prozent auf knapp unter 14.000 Arbeitnehmer. "Unter dem Strich bewegt sich die Branche stabil mit deutlich Luft nach oben", resümierte der Fachverbandschef in der Wirtschaftskammer Österreich.

Wohnbau boomt, Straßenbau weniger

"Der Wohnbau und der Hochbau verliefen sehr gut, Gleiches gilt für Infrastruktur bzw. Bauwerke - mit Ausnahme des Straßenbaus", berichtete Pfeiler vor Journalisten in Wien. Sand, Kies und Schotter als Schüttgut waren für Straßen also nicht gefragt, wurden aber als Zuschlagstoffe im Hochbau verwendet und konnten so die Umsätze stabilisieren. "Der regionale und kommunale Straßenbau liegt darnieder - es setzt sich immer mehr durch, Oberflächenkosmetik zu machen, spätestens in den nächsten Jahren wird sich das auf jeden Fall rächen", kritisierte Pfeiler.

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Im Infrastrukturbereich hätten zwar der Brücken- und der Tunnelbau eine "konstant gute Auslastung", den Straßenbau hingegen "gibt es nicht mehr", heißt es aus der Wirtschaftskammer. "In den Gemeinden passiert eigentlich nichts." Rund um die Städte und in deren Speckgürtel gebe es Wachstum, aber der ländliche Raum stagniere, fasste Fachverbandsobmann Manfred Asamer die Situation zusammen. "Die Jugend wandert ab, es kommt zu Überalterung und Verödung am Land", sagte der Kies- und Betonwerkschef und appellierte an die Politik, Investitionen in die Infrastruktur am Land zu forcieren.

Schlecht verlaufen sei im abgelaufenen Jahr auch der Bereich Sanierung im Hochbau. "Wir hoffen auf Sanierungsimpulse vonseiten der Politik in diesem Jahr", sagte Pfeiler. Neben der "schleppenden Sanierungstätigkeit" bereiteten auch die "anhaltende Flaute bei regionalen Investitionen" und "fehlende Pflasterbefestigungsflächen" Absatzprobleme. Zu den Verlierern des Sektors zählten daher im abgelaufenen Jahr die Naturwerksteinindustrie mit einem Umsatzeinbruch von 13,9 Prozent gegenüber 2015, die Feinkeramische Industrie (minus 5,8 Prozent) sowie die Putz- und Mörtelindustrie (minus 1,4 Prozent).

Der Hochbau wiederum profitierte 2016 auch von der günstigen Witterung: "Es gab keinen Winter und dafür eine durchgängige Bautätigkeit von Jänner bis Dezember", so Pfeiler. Zu den Gewinnern bei der Umsatzentwicklung gehörten die Ziegel- und Ziegelfertigteilindustrie (plus 5,2 Prozent) sowie die Beton- und Betonfertigteilindustrie (plus knapp 4 Prozent), hier schlug auch der starke Tunnelbau durch.

Die gute Nachfrage im Hochbau zu spüren bekamen aber auch hochbauaffine Branchen wie die Zementindustrie (plus 3,3 Prozent) oder die Transportbetonindustrie (plus 3,2 Prozent). Zu dem Zuwachs bei Transportbeton trug den Angaben zufolge der rege Hochbau in Städten wie Wien, Linz, Graz und Salzburg wesentlich bei.

Für heuer seien die Konjunkturaussichten im Wohnbau, im Hochbau, weiter positiv - im Tiefbau und im Infrastrukturbereich mit Ausnahme des Tunnelbaus hingegen "sehr verhalten", schätzt Asamer. Der starke Tunnelbau gehe zulasten der Infrastruktur in der Fläche. Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche wünscht sich der Baustoffunternehmer flexiblere Tagesarbeitszeiten von mehr als 10 und bis zu 12 Stunden, die dann seiner Meinung nach in auftragsschwächeren Zeiten über das Jahr - ohne Überstundenzuschläge - ausgeglichen werden sollten. (apa/red)

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