Paketlogistik

Amazon-Verteilzentrum: Landesrätin ortet Ablenkungsmanöver

Nachdem bekannt wurde, dass das von Amazon geplante Verteilzentrum im Süden von Graz ohne Umweltverträglichkeitsprüfung gebaut werden könnte, verwies die steirische Umweltlandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) in einer Aussendung auf die vor mehr als 20 Jahren getroffene Entscheidung des Grazer Gemeinderats: Dieser hatte das Areal als Gewerbegebiet gewidmet.

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Lackner zeigte sich erstaunt, dass einzelne Politikerinnen oder Politiker ein Eingreifen von ihr fordern: "Wer so etwas erwartet, befindet sich entweder im Wahlkampf, oder hat das Wesen der Demokratie nicht verstanden, zu deren Grundpfeilern die Rechtsstaatlichkeit gehört. Die Behörde hat ihre Entscheidung nach einem umfassenden Verfahren auf Basis des strengen Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes getroffen."

Der Grazer Gemeinderat habe mit der Widmung vor mehr als 20 Jahren dies "auch selbst zu verantworten", so Lackner, die noch ergänzte: "Diese Verantwortung nun auf das Land abschieben zu wollen, ist ein Ablenkungsmanöver. Für die Abwicklung der weiteren notwendigen behördlichen Verfahren ist die Stadt Graz zuständig."

Für das von Amazon geplante Logistikzentrum Graz-Süd ist laut dem Feststellungsbescheid der Behörde keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nötig. Berufungen sind aber möglich. Die Grazer KPÖ sprach von einem "Schlag ins Gesicht", die Grünen von "Bodenversiegelung auf Kosten der Grazer Lebensqualität". Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) will nun mit den Bauwerbern ins Gespräch kommen und Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ) ist der Meinung, dass das Land Steiermark seiner Verantwortung nicht nachkomme.

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Der Online-Riese Amazon will im Süden von Graz beim Liebenauer Gürtel ein Verteilzentrum mit Platz für rund 250 Mitarbeiter und knapp 1.000 Fahrer bauen. Die Flächeninanspruchnahme durch das Vorhaben beträgt etwa 5,7 Hektar, die Bruttogeschoßfläche 67.877 Quadratmeter. Geplant sind eine Lager- und eine Logistikhalle, zwei Parkflächen im Freien für die Pkw der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Ladeflächen, eine viergeschoßige Parkgarage für 960 Lieferfahrzeuge, Verkehrserschließungsflächen und Infrastrukturanlagen. Im Logistikzentrum sollen Pakete sortiert und ausgeliefert werden - 24 Stunden täglich, an sechs Tagen in der Woche. Es erfolge keine Feiertags- und Sonntagsarbeit. Der Betrieb verteilt sich auf drei Regelschichten. (apa)