Aluminium

Amag fährt Kapazitäten am Standort Ranshofen schrittweise hoch

Die Oberösterreicher profitieren vom Ende der amerikanischen Strafzölle - aber auch von der weiter hohen Nachfrage der Luftfahrtindustrie und der Autobauer. B&C und Raiffeisen seien als Anteilseigner "hilfreich", sagt Konzernchef Mayer.

Der Aluminiumkonzern Amag profitiert von einem guten Marktwachstum und sieht sich mit dem Ausbau des Werks in Ranshofen (OÖ), dessen Kapazitäten schrittweise hochgefahren werden, gut gerüstet für die Zukunft. Dennoch prüft man bis Jahresende weitere Optionen, um sich für die nächsten fünf bis zehn Jahre aufzustellen. Von den kürzlich aufgehobenen US-Zöllen auf Alu erhofft man sich Positives.

Voriges Jahr konnte man in Ranshofen gut 220.000 Tonnen Alu-Walzprodukte herstellen, heuer will man auf 240.000 t kommen und in einigen Jahren die maximale Kapazität von 320.000 t jährlich erreichen, sagte Amag-CEO Gerald Mayer im Klub der Wirtschaftspublizisten. Durch ihre Beteiligung an der kanadischen Alu-Schmelze Alouette hat die Amag Zugriff auf 120.000 t Primär-Aluminium, das in der Regel aber in Nordamerika verkauft wird.

Konzentration auf das Walzwerk Ranshofen

Strategisch konzentriert sich die Amag laut Mayer auf das Walzwerk, das voriges Jahr die besagten knapp 225.000 t Walzprodukte erzeugt hat. Das sei im Unternehmen die "größte Dimension", "da geht unsere Strategie bei den Endprodukten". Ob man auch für die Zukunft richtig aufgestellt ist, will man bis Jahresende mit einem "Blick über den Tellerrand" feststellen. "Was kann in Zukunft gefordert sein? Wo kann es Synergien geben?", werden da die zentralen Fragen sein. "Welche Qualitäten und Eigenschaften von Metall braucht man in ein paar Jahren?" Das soll bis Jahresende erörtert und von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen werden - der Kick-off für diesen Prozess erfolgte vorige Woche.

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USA heben Strafzölle auf - weil Aluminium fehlt

Vor allem in den USA herrscht eklatanter Alu-Mangel. Das Land benötige von dem Metall 5,5 bis 5,7 Mio. t pro Jahr, produziere selbst aber nur rund 1 Mio. Tonnen, so Mayer. Kanada erzeuge etwa 2 Mio. t, brauche nur etwas selbst und könne den Rest exportieren. Weiteres Aluminium bekämen die USA aus Australien, Russland und Nahost.

Durch die Aufhebung der 10-prozentigen US-Einfuhrzölle für Alu-Produkte aus Kanada und Mexiko, die am Montag dieser Woche ebenso wie auf Stahlerzeugnisse - die mit 25 Prozent belegt waren - erfolgt ist, könnte für die Amag "etwas zusätzliche Marge überbleiben", sagte der Vorstandschef.

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Aluminium wird für US-Abnehmer billiger

Die Alu-Preise würden primär an der London Metal Exchange (LME) "gemacht". Auf die dortigen 1.800 Dollar pro Tonne seien in den USA bisher noch 200 Dollar/t an Prämie durch die Zölle hinzugekommen, neben den paar hundert Euro pro Tonne, die - je nach Lieferort am Globus - für Logistik, Lagerhaltung, Zinskosten zu rechnen seien. Um diese 200 Dollar/t werde Alu in den USA nun billiger. Die US-Strafzölle auf Alu seien an die US-Kunden weitergereicht worden, also von diesen gezahlt worden.

Anteile des Absatzes bei der Amag

15 Prozent der Amag-Walzprodukte werden laut Mayer in den USA und im übrigen Nordamerika abgesetzt, 10 bis 15 Prozent in Österreich, 55 bis 60 Prozent im übrigen Europa (vor allem Mitteleuropa) und "ein bisschen" in Asien. Aus China gebe es eine Abnahme aber nur in homöopathischen Dosen. Sehr stark im Wachsen sei die Luftfahrt. In flüssiger Form kann Alu bei 700 bis 800 Grad transportiert werden, es rentieren sich aber nur Wege einiger hundert Kilometer.

Dass Aluminium im Auto abgelöst werde, sehe man nicht - eher im Gegenteil. Gerade wegen des Bedarfs an der Reduktion der CO2-Emissionen gehe im Fahrzeugsektor sehr viel Alu in den Leichtbau hinein. Bis 2027 rechne man weltweit mit 3,8 Mio. t pro Jahr allein für Autoteile, derzeit stehe man bei 1,6 bis 1,8 Mio. t pro Jahr.

Strom aus Wasserkraft in Kanada

Der CO2-"Fußabdruck" der Amag sei im Industrievergleich "sehr positiv", betonte Mayer. Bei Alouette in Kanada etwa werde das Primäraluminium mit Wasserkraft-Strom erzeugt, daher würden dort pro Tonne Alu nur 1,7 bis 1,8 t CO2 anfallen. Bei Strom aus Gas wären es 6 bis 8 t CO2 und bei Strom aus Kohlekraftwerken sogar 16 bis 18 t CO2 pro t Alu.

Zudem setze die Amag ganz stark auf die Wiederverwertung von Alu: "Wir sind der größte Recycler an einem Standort in Europa", so Mayer. In Ranshofen habe man 2018 mehr als 360.000 t Alu-Schrott zu Produkten verarbeitet. "Das Endprodukt, das Ranshofen verlässt, hat 75 bis 80 Prozent Recycling-Anteil." Aluminium könne man unendlich oft recyclieren, für bestimmte Produkte sei aber ein gewisser Anteil von "frischem" Primär-Alu erforderlich.

"Unser Ansatz: Alles auf die Bahn, was geht"

Für den Transport, der schon heute stark per Eisenbahn erfolgt - Mayer: "Auf die Bahn was geht, ist unser Ansatz" - überlegt die Amag, am Standort Ranshofen in OÖ einen eigenen Bahnterminal. Inbound nutze man die Schiene sehr stark, outbound sei es aber schwieriger: Eine Bahnanbindung sei zwar vorhanden, aber kein geeigneter Verladeterminal. Möglicherweise komme ein Terminal einmal, derzeit sei das leider noch nicht wirtschaftlich darstellbar.

Hilfreiche Anteilseigner B&C und Raiffeisen

Mit der Eigentümerstruktur ist der Amag-Chef zufrieden: Die großen und stabilen Aktionäre - B&C Holding als Mehrheitseigentümer sowie u.a. RLB OÖ - seien "hilfreich", betonte Mayer. Geschätzt wird von ihm auch die über eine Stiftung organisierte Mitarbeiterbeteiligung von rund einem Zehntel: "Die denken und ticken wie Unternehmer." (apa/red)

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