Prognose

AMAG-Chef Mayer: „Wie eine Fahrt durch den Nebel"

Der oberösterreichische Aluminium-Konzern AMAG sieht in den nächsten Monaten noch keine Bestellrückgänge im Luftfahrt-Bereich - allerdings seien Alu-Markt-Prognosen derzeit "wie eine Fahrt durch den Nebel.“

Der oberösterreichische Aluminium-Konzern AMAG verzeichnet aus dem Luftfahrt-Bereich nach wie vor keine Bestell-Rückgänge, auch nicht von Boeing. Bis zum Jahresende 2019 gebe es hier mengenmäßig ein Plus, bisher sehe man das auch für 2020, sagte Vorstandschef Gerald Mayer auf der Gewinn-Messe.

In den nächsten Jahren werde der Luftfahrt-Sektor ein starkes Wachstum aufweisen. Zur Zeit seien weltweit 22.000 Flieger in der Luft, für Ende der 2030er Jahre werde die Zahl - je nach Quelle - auf "40.000 plus" geschätzt. Und vom Bestand würden zwei Drittel durch neue Flieger ersetze. Da werde sowohl für Alu wie auch für Kohlefasern als Rohstoffe genug Platz sein.

Mittelfristig „alles intakt“

Insgesamt bestünden für den Alu-Markt derzeit aber "Prognoseunsicherheiten", räumte Mayer ein. Es sei "wie eine Fahrt durch den Nebel", mittelfristig sei aber "alles intakt".

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Allerdings werde die AMAG mit der Veröffentlichung ihrer Neunmonatszahlen am 30. Oktober eine neue Guidance zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) für das Gesamtjahr 2019 publizieren, kündigte Mayer an. Im August ging man noch von einer Bandbreite von 125 bis 150 Mio. Euro aus. Im ersten Halbjahr betrug das EBITDA 72 Mio. Euro.

Die weltweite Nachfrage nach Primär-Aluminium - das die AMAG nicht mehr in Österreich, sondern nur mehr bei ihrer 20-Prozent-Beteiligung Alouette in Kanada produziert - werde durch die Eintrübung der globalen Konjunktur heuer stagnieren. "Heuer sehen wir eine flache Nachfrage", sagte Mayer, für die kommenden Jahre gehe man aber von einer wachsenden Nachfrage aus. 2020 würden Produktion und Nachfrage etwa ausgeglichen sein.

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In der Automobil-Branche "ist das Wachstum drin"

Vom AMAG-Umsatz entfielen zuletzt 17 Prozent auf Primär-Alu, neun Prozent auf das kleine Segment Gießen/Gusslegierungen und 73 Prozent auf Walzprodukte. Letztere werden etwa in Ranshofen im Innviertel (OÖ) in einer sehr breiten Produktpalette hergestellt. Das Werk dort sei das modernste im Walzbereich in der westlichen Welt, "da geht ganz klar die Strategie hin".

Laut jüngster Alu-Marktanalyse von CRU solle der Weltmarkt an Walzprodukten bis 2023 um durchschnittlich 3,4 Prozent im Jahr wachsen, getrieben vom Transportsektor. Damit kann auch die AMAG-Automobilsparte wachsen: "Da ist das Wachstum drin, dort substituieren wir Stahl."

Von der Aufhebung der 10-prozentigen US-Einfuhrzölle für Alu-Produkte aus Kanada im Mai profitiert die AMAG laut Mayer, sie bringe ihr seit der Jahresmitte "positive Effekte". In den USA gebe es jährlich rund 5 1/2 bis 6 Mio. t Alu-Bedarf jährlich, die US-Eigenproduktion mache aber nur rund 1 Mio. t aus, da bleibe ein "Riesen-Gap". Um das schließen zu können, habe US-Präsident Donald Trump von diesen angedrohten Alu-Zöllen gegenüber Kanada abgesehen.

Nun stünden für die USA zwar 2 1/2 Mio. t jährlich zusätzlich zur Verfügung, die Preise hätten aber nicht nachgelassen, die US-Kunden würden die Zölle faktisch also noch immer mitzahlen. Von der Alouette-Jahreskapazität von 600.000 t - die größte Alu-Elektrolyse des gesamten amerikanischen Kontinents - gehört ein Fünftel der AMAG, das Alu wird lokal vermarktet.

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